Viagra: Rezeptfreie Ausgabe in Apotheken sinnvoll?

Von: ba
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Berlin. Viagra ist das vermeintlich bekannteste Potenzmittel der Welt und hat seit seiner Einführung im Jahr 1998 unzähligen Männern dabei geholfen, Ihre Potenzprobleme wieder in den Griff zu bekommen.

Vereinfacht gesagt, kann durch den Wirkstoff Sildenafil das Blut wieder besser in den Penis strömen. Bei einer auf physischen Faktoren basierenden, erektilen Dysfunktion kann Viagra bei einer sexuellen Stimulation somit dafür sorgen, dass eine für den Geschlechtsakt notwendige, ausreichende Erektion entsteht.

Der Wirkstoff ist seit seiner Einführung verschreibungspflichtig und kann somit ausschließlich unter Vorlage eines ärztlichen Rezepts in der Apotheke erworben werden. In gewisser Weise ist dies ein Dilemma, denn das Thema Erektionsstörungen ist mit Tabus behaftet und nicht jeder Mann spricht seine Probleme beim Arzt gerne und offen an. Immer wieder wird so die Diskussion entfacht, ob ein freier Zugang auf Basis eines Gesprächs mit dem Apotheker (ähnlich wie bei der Pille danach), zielführend sein könnte.

Antrag von Pfizer zur Aufhebung der Verschreibungspflicht

In Großbritannien hat das Unternehmen Pfizer nun erneut einen Antrag darauf gestellt, das Medikament Viagra aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Was die Apothekenkammer unterstützen möchte, wird von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA jedoch überaus skeptisch betrachtet. Diese will genau prüfen, ob der Wirkstoff Sildenafil in der Dosierung von 50mg für einen freien Verkauf in der Apotheke geeignet ist.

Ein vor einigen Jahren gestellter Antrag auf die Freigabe des Medikaments wurde damals abgelehnt. Auch ein Testlauf zur Abgabe von Viagra in den Apotheken der Supermarktkette Tesco führte nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Das Medikament Viagra blieb rezeptpflichtig.

Bevor ein entsprechender Antrag von der MHRA geprüft ist, werden etliche Monate ins Land ziehen. Auch wenn die königliche Apothekenkammer den Antrag unterstützt, bleibt eine rezeptfreie Abgabe des Medikaments fragwürdig. Darüber hinaus ist es in den Vereinigten Königreichen möglich, das Medikament samt Rezept über eine Online Sprechstunde zu erwerben. Das Ersparen eines oftmals als peinlich erachteten Gangs zum Arzt ist somit kein schlagkräftiges Argument und der Zugang zum Medikament ist bereits sehr barrierefrei.

Das Interesse des Pharmakonzerns könnte dahingehend weniger mit den Vereinigten Königreichen direkt zusammenhängen, sondern vielmehr im Auslösen einer möglichen Kettenreaktion. Länder wie Neuseeland oder Polen bieten Sildenafil Präparate bereits rezeptfrei in der Apotheke an.

In Polen beschränkt sich die Abgabe dabei auf maximal 2 Pillen in einer Dosierung von 25mg, ermöglicht somit dennoch einen unkomplizierten Zugang zum Medikament. Großbritannien ist jedoch schlichtweg eine andere Hausnummer und eine Freigabe könnte auch andere Industriestaaten dazu bewegen, die Diskussion erneut anzufachen.

Rezeptfreiheit für Lifestyle Medikamente wie Viagra - gut oder schlecht?

Die Rezeptfreiheit für Präparate wie Viagra hätte sicherlich Vorteile, jedoch ebenfalls einige Nachteile.

Vorteile

Generell lässt sich sagen, dass sich das Medikament Viagra als sicheres Präparat erwiesen hat, welches unter Einhaltung der Einnahmevorschriften wenig Probleme verursacht und erwiesenermaßen bei der Beseitigung von Erektionsstörungen behilflich ist. Unter Bereitstellung von geeignetem Informationsmaterial und entsprechender Schulung von Apothekern, könnte das Risikopotenzial gleichermaßen eingedämmt werden wie bei einem Arztbesuch. Denn auch hier wird oftmals keine körperliche Untersuchung vorgenommen, sondern lediglich ärztlich beraten. Die Stellung von Apothekern könnte so nachhaltig gestärkt werden.

Ein weiterer gravierender Vorteil ist die Eindämmung des Schwarzmarktes. Potenzmittel zählen zu den meistgefälschten Präparaten und sind, nicht zuletzt aufgrund des für den Nutzer diskreten Zugangs über das Internet, leicht unter das Volk zu bringen. Hier sind sowohl tatsächliche Fälschungen mit fragwürdigen Inhalten und Herstellungsverfahren als auch in Massen produzierte Generika aus z.B. Indien zu nennen.

Erstere können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein, letztere sind auf Basis des nicht existierenden Patenrechtes in Indien ein Dorn im Auge der Arzneimittelhersteller, welche nach Patentrecht handeln.

Nachteile

Doch es lässt sich auch anders argumentieren. Auch wenn die königliche Apothekenkammer davon überzeugt ist, das der Apotheker die notwendige Fachkompetenz vorweist, bleibt immer noch das Argument der Abgabe eines Medikaments, welches sowohl Neben- und Wechselwirkungen als auch Kontraindikationen aufweist. Ein Arzt könnte so zumindest in fraglichen Fällen Blutdruck und Cholesterinwerte aufnehmen und ein Diabetes Screening durchführen, um festzustellen, ob eine Einnahme geeignet ist.

Ob ein Gespräch mit dem Apotheker den Arztbesuch in diesem Fall tatsächlich ersetzen kann, wird sich schlussendlich niemals vollständig klären lassen. Fraglich ist darüber hinaus, ob ein Gespräch in der Apotheke vor Abgabe des Medikaments die nötige Diskretion bietet, welche ein Patient in diesem Fall benötigt. Nur wenige Apotheken würden über einen separaten Beratungsraum verfügen, welcher in einer Arztpraxis obligatorisch ist.

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