Versichert ohne Einkommen: Pauschale Berechnung sichert ALG I nach Pflege- oder Elternzeit

Von: Hendrik Roggenkamp
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Berlin. Je höher das Arbeitseinkommen, desto mehr Arbeitslosengeld (ALG I) gibt es bei Arbeitslosigkeit. Für einige Versicherte gilt diese Regel jedoch nicht:

Wer zwar grundsätzlich Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, in den vergangenen 24 Monaten aber an weniger als 150 Tagen gearbeitet hat, bekommt ein pauschaliertes ALG I auf der Grundlage eines fiktiven Arbeitsentgelts.

Von dieser Regelung betroffen sind beispielsweise Mütter oder Väter, die während einer dreijährigen Elternzeit nicht gearbeitet haben und im Anschluss arbeitslos sind.

Weil sie während der Elternzeit pflichtversichert waren, erfüllen sie zwar die Anwartschaftszeit (mindestens zwölf Beitragsmonate in zwei Jahren). Das Arbeitslosengeld I wird jedoch pauschal berechnet, da sie in der Rahmenfrist von 24 Monaten vor Arbeitslosmeldung kein beitragspflichtiges Einkommen hatten.

Das pauschale Arbeitslosengeld errechnet sich aus einem fiktiven, von der Qualifikation abhängigen Einkommen, das Arbeitslose auf dem Arbeitsmarkt erzielen könnten.

Das fiktive monatliche Einkommen eines Arbeitslosen ohne Berufsausbildung in Ostdeutschland ist derzeit auf 1.344 Euro im Monat festgelegt. Entsprechend beläuft sich das Arbeitslosengeld I auf etwa 900 Euro beziehungsweise gut 800 Euro bei Alleinstehenden.

Das höchste fiktive Einkommen errechnet die Arbeitsagentur für Arbeitslose mit Hochschulabschluss in Westdeutschland (3.066 Euro), entsprechend gibt es gut 2.054 Euro beziehungsweise 1.840 Euro als ALG I.

Allerdings berücksichtigt die Arbeitsagentur die Kindererziehungszeiten nur dann als Versicherungszeit, wenn die Mutter beziehungsweise der Vater unmittelbar vor der beruflichen Auszeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt war oder ALG I erhielt.

Auf die Dauer der Beschäftigung kommt es dabei nicht an. Wer nur einen Monat einen sozialversicherungspflichtigen Job hatte und dann für zwei Jahre in Elternzeit gegangen ist, bekommt auch Arbeitslosengeld.

Die gleichen Regelungen gelten bei der Pflegezeit oder auch den Freiwilligenjahren, beispielsweise dem freiwilligen sozialen und ökologischen Jahr sowie dem neu eingeführten Bundesfreiwilligendienst. Schüler, die direkt nach ihrem Abschluss ein freiwilliges Jahr machen und anschließend bis zum Studienbeginn arbeitslos sind, bekommen also kein ALG I.
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