Vergiftungsgefahr: Große Paracetamol-Mengen bald nur noch auf Rezept

Von: dpa
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Berlin. Großpackungen des Wirkstoffs Paracetamol werden vom 1. April an verschreibungspflichtig.

„So sollen Verbraucher für die Gefahr sensibilisiert werden, das Medikament versehentlich überzudosieren”, sagte Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Künftig sei ein ärztliches Rezept für alle Packungen mit mehr als zehn Gramm Paracetamol vorgeschrieben - außer für Zäpfchen. Der Grund für die neue Rezeptpflicht ist, dass in den vergangenen Jahren gehäuft Vergiftungen durch das Schmerz- und Fiebermedikament festgestellt wurden. Allein im Jahr 2006 waren es mehr als 4000 Fälle.

„Erwachsene sollten nicht mehr als vier Gramm, das entspricht acht Tabletten, pro Tag einnehmen”, erklärte Sellerberg. Wer mehr Paracetamol schluckt, riskiere schwere Leberschäden bis zur Zerstörung des Organs. Tückisch sei aber, dass der Wirkstoff auch in Medikamenten wie Erkältungskapseln enthalten ist: „Wenn man Paracetamol gegen Kopfschmerzen nimmt und Grippemittel dazu, kann es leicht passieren, dass man versehentlich überdosiert.”

Besondere Vorsicht ist bei der Behandlung von Kindern geboten. Als Faustregel sollten sie nicht mehr als 10 bis 15 Milligramm Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht auf einmal und höchstens 60 Milligramm pro Tag einnehmen. Darüber hinaus hänge die kritische Menge aber auch vom Alter ab. „Deshalb sollten Eltern sich wegen der Dosierung immer an einen Apotheker wenden”, sagte Sellerberg.

Symptome einer akuten Paracetamolvergiftung können innerhalb der ersten 24 Stunden Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blässe und anhaltende Unterleibsschmerzen sein. Ab dem zweiten Tag nach der Einnahme treten Verstopfung, Gelbsucht, Unterzuckerung und starke Krämpfe auf. Nach etwa fünf Tagen drohen Kollaps, Koma und schließlich der Tod.

Bei Anzeichen einer Vergiftung sollten Betroffene sofort ins Krankenhaus gebracht werden, riet Sellerberg. Werden rasch Infusionen gelegt, sei die Heilungschance hoch. Innerhalb der ersten beiden Stunden nach Einnahme seien auch Kohletabletten eine sinnvolle Gegenmaßnahme, und zwar in dieser Dosis: ein halbes bis ein Gramm pro Kilo Körpergewicht.

Gefährliche Leberschäden kann Paracetamol laut Sellerberg nicht nur bei kurzfristiger Überdosierung, sondern auch bei langfristiger Einnahme von therapeutischen, also eigentlich unbedenklichen Dosen, verursachen. Deshalb sollte es ohne ärztliche Verordnung nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden. Halten sich Verbraucher an diese Richtlinien, sei der Wirkstoff aber weiterhin bei Schmerzen und Fieber zu empfehlen.

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