Veranlagung entscheidet maßgeblich über den Cholesterinspiegel

Von: dapd
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Berlin. Zu hohe Cholesterinwerte liegen auch in den Genen: Wie viel die Leber von der berüchtigten Substanz ins Blut freisetzt, bestimmt eine Erbinformation. Diesen Zusammenhang konnten Forscher aus Deutschland und Dänemark zeigen.

Die betreffende Erbanlage tritt in verschiedenen Varianten auf: Eine Version des Gens schützt vor zu hohen Cholesterinwerten, die andere nicht.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dieses sogenannte SORT1-Gen einen Angriffspunkt für neue Medikamente bieten, um die Freisetzung von zu viel Cholesterin aus der Leber ins Blut zu blockieren, denn ein zu hoher Cholesterinspiegel gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher um Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin im Fachmagazin „Cell Metabolism”.

Die Funktion des SORT1-Gens konnten die Genomforscher mit Hilfe von Mäusen klären: Sie hatten bei den Versuchstieren das Gen gezielt ausgeschaltet, so dass es seine Funktion nicht mehr ausüben konnte. In der Folge hatten die Mäuse trotz fettreicher Ernährung 20 Prozent weniger Cholesterin im Blut als Tiere mit SORT1.

Durch weitere Untersuchungen fand das Forscherteam auch heraus, wie SORT1 wirkt. Es bildet einen Faktor, der dafür sorgt, dass die Leber effizienter Cholesterin freisetzt. Das bedeutet, dass Personen mit einer aktiven SORT1-Genvariante viel Cholesterin ins Blut ausschütten und damit ein höheres Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden. Menschen, die eine weniger aktive Genvariante tragen, schütten dagegen weniger Cholesterin aus - und sind geschützt.

Cholesterin ist aber nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Der Körper benötigt die Substanz unter anderem für seine Zellen, beispielsweise zum Aufbau von Zellmembranen oder als Baustein für Hormone. Cholesterin wird vom Körper selbst gebildet oder über die Nahrung aufgenommen. Es wird zunächst in der Leber gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben.

Überschüssiges Cholesterin muss die Leber wieder zurücknehmen, damit es nicht die Blutgefäße verstopft, was zur sogenannten Arteriosklerose führt. Wer einen zu hohen Cholesterinspiegel hat, läuft dadurch Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, wenn er nicht mit einer entsprechenden Diät und Medikamenten gegensteuert.

Die Forscher betonen, dass die ungünstige Version von SORT1 nur einen von vielen Herzinfarktrisikofaktoren darstellt. Es genüge daher nicht, zu testen, welche Genvariante von SORT1 jemand hat. „Herz-Kreislauf-Risiken hängen mit vielen verschiedenen Faktoren zusammen”, sagt Thomas Willnow.

Auch Menschen mit der „gesunden Genvariante” können einen hohen Cholesterinspiegel bekommen, wenn andere ungünstige Faktoren wie ungesunde Ernährung oder Übergewicht im Spiel sind. Daher plädieren die Forscher für einen gesunden Lebensstil - eine fettarme Ernährung und viel Bewegung.
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