Verabredung zum Lachen: In Deutschland gibt es mehr als 150 Lachclubs

Von: dapd
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Lachen
Mehr als 6.000 Lachclubs in rund 60 Ländern gibt es, in Deutschland sind es mindestens 150. Foto: dpa

Berlin. Ein gelber, faustgroßer Plüsch-Smiley fliegt durch die Luft. Eine hochgewachsene, dunkelhaarige Frau fängt ihn auf, ruft „Ha, ha - mein Name ist Andrea” und wirft ihn weiter, zu einem Mann, der zusammen mit ihr und rund 20 anderen Menschen einen Kreis bildet.

Später, nach der Vorstellungsrunde, schallt es im Kreativhaus in Berlin-Mitte in Abständen immer wieder „Ho, ho, hahaha” durch den sogenannten Bewegungsraum - begleitet von rhythmischem Händeklatschen. Die Kultur- und Begegnungsstätte ist donnerstags eine Stunde lang Treffpunkt des „Lachen verbindet”-Lachclubs Berlin-Mitte, der Menschen zum gemeinsamen Lachen zusammenbringt.

Was zunächst seltsam wirken mag - eine Verabredung zu scheinbar grundlosem Lachen - ist Teil einer weltweiten Bewegung: dem Lach-Yoga. Mehr als 6.000 Lachclubs in rund 60 Ländern gibt es, in Deutschland sind es mindestens 150. „Erfinder des Lach-Yoga ist der indische Arzt Madan Kataria. Er hat es 1995 mir seiner Frau entwickelt, nachdem er erkannt hat, welche gesundheitlichen Auswirkungen Lachen hat”, erklärt Kursleiterin Sigrid Pohl-Häußler zu Beginn den Teilnehmern, von denen einige zum ersten Mal da sind. Gemeinsam im Kreis haben sie Aufstellung genommen - barfuß oder in Socken.

Die 66-Jährige mit peppiger Grau-grün-lila-Kurzhaarfrisur erläutert: „Lachen funktioniert auch, wenn wir gar nicht wirklich lachen. Der Körper unterscheidet nicht zwischen künstlichem und natürlichem Lachen. Die Endorphine, also Glückshormone, werden trotzdem ausgeschüttet.” Lachen wirke blutdrucksenkend, schmerzlindernd und senke den Stress-Pegel, sagt sie. In der Tat ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen positive Auswirkungen auf den Körper hat.

Doch bevor im Bewegungsraum mit Turnhallenbänken und Fitnessgeräten ausgiebig gelacht wird, wird zur Auflockerung getanzt - jeder für sich nach eigenem Gutdünken im Rhythmus eines Dance-Charts-Hits. Solche Alleingänge sind aber die Ausnahme. Denn beim Lach-Yoga geht es auch um das Miteinander. Der Blickkontakt ist wichtig, weil Lachen bekanntlich ansteckt. Andrea Bürger, die regelmäßig zum Lachtreff kommt, hat das verinnerlicht, wie sich bei den Übungen zeigt: „Lachen wirkt vorbeugend. Damit der Körper auch merkt, wie vorbeugend Lachen ist, beugen wir uns jetzt vor und lachen uns dabei an”, moderiert Kursleiterin Pohl-Häußler eine neue Übung an. Ohne Scheu geht Andrea Bürger auf ein junges Mädchen zu, sieht ihr beim Verbeugen in die Augen und lacht. Das künstlich hervorgerufene Gelächter geht in ein natürliches über.

„Ich hab gedacht, das ist doch verrückt, als ich von der Idee gehört habe”, sagt die 47-Jährige rückblickend über den Beginn ihrer Beschäftigung mit Lach-Yoga. Inzwischen hat sie selbst die zweitägige Ausbildung zur Lach-Yoga-Leiterin gemacht. „Lach-Yoga tut mir einfach gut”, sagt die als Gesundheitscoach tätige Frau.

Gefordert sind in der Lachstunde im Kreativhaus auch Fantasie und Spaß an pantomimischen Bewegungen: So reiben sich die Teilnehmer von oben bis unten mit einer imaginären Lachcreme ein und schießen trampelnd und arme-in-die-Höhe-streckend eine Lachrakete ab.

Die Abfolge der Übungen entscheide sie spontan, sagt Pohl-Häußler. „Es gibt Hunderte von Übungen”. Generell gilt: Lach-Yoga kombiniert Dehn-, Klatsch-, Atem- und Lachübungen. Die Abgrenzung zwischen den einzelnen Übungen bildet die „Ho, ho, hahaha”-Übung, bei der die Teilnehmer sich rufend und klatschend durch den Raum bewegen.

Ins Kreativhaus kommen Menschen schon seit 2006 zum Lachen. Die Gruppe steht jedem offen ohne Anmeldung, eine Stunde kostet 5 Euro. So richtig Zulauf habe der Club, seit auf der Internetseite Youtube ein Video einer gemeinsamen Lachaktion in der Berliner U-Bahn steht. Das habe vielen Menschen Lust auf Lachen gemacht, sagt Pohl-Häußler.

Für jeden ist Lach-Yoga dennoch nichts. „Lachen erschüttert den Körper. Es werden Dinge gelöst, das kann auch etwas Verdrängtes sein, und das will nicht jeder zulassen”, erklärt die frühere Krankenschwester. Nach Lachen könne auch Weinen folgen. Die Lachstunde endet mit einer Mattenübung bei Entspannungsmusik. Minutenlang liegen die Teilnehmer auf Matten und kichern, strampeln vor Lachen mit den Füßen in der Luft, stecken sich gegenseitig immer wieder an, bis sie sich langsam ausgelacht haben.

Lach-Yoga-Kurse werden auch für Betriebe angeboten. Zudem gibt es im Freien regelmäßig Treffen, etwa auf dem Tempelhofer Feld, dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof. Dort findet auch die zentrale Veranstaltung zum Weltlachtag am Sonntag (6. Mai) in Berlin statt. Überall auf der Welt treffen sich Menschen um 14 Uhr, um drei Minuten zu lachen - ein symbolischer Akt für Frieden und Gesundheit. Denn auch wenn das Wohlbefinden sich schnell einstellt, bewirkt erst regelmäßiges Lach-Yoga über einen längeren Zeitraum hinweg positive Veränderungen. Das weiß auch die Trainerin und weist die Neulinge zum Schluss darauf hin.
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