Über Organspende so früh wie möglich in der Familie sprechen

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Organspende Spendeausweis
Der Bundestag berät am heutigen Donnerstag über eine Reform der Organspende in Deutschland. Alle Bürger sollen aufgefordert werden, sich bei der Organspende zu entscheiden. Die Krankenkassen werden verpflichtet, allen Versicherten Info-Material und einen Spendenausweis zuzusenden. Niemand soll sich aber entscheiden müssen. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Nach dem Tod eines nahen Verwandten sind viele zunächst von der Trauer überwältigt. So mancher Angehörige fühlt sich dann überfordert, wenn die Frage aufkommt: Wie war der Wille des Verstorbenen, wollte er seine Organe spenden?

Um dem vorzubeugen, sollte im Kreis der Familie möglichst früh darüber gesprochen werden. „Menschen tun sich bei dieser schwierigen Entscheidung leichter, wenn sie über den Willen des Verstorbenen Bescheid wissen”, sagt Günter Kirste, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Frankfurt. Nicht jeder bekunde seinen Wunsch schriftlich in einem Organspendeausweis.

Der Bundestag berät am heutigen Donnerstag über eine Reform der Organspende in Deutschland. Alle Bürger sollen aufgefordert werden, sich bei der Organspende zu entscheiden. Die Krankenkassen werden verpflichtet, allen Versicherten Info-Material und einen Spendeausweis zuzusenden. Niemand soll sich aber entscheiden müssen.

Über die Organspendebereitschaft zu sprechen, sei wichtig, damit Verwandte mit der Entscheidung nicht alleine gelassen werden und dem Willen des Verstorbenen gerecht werden können, betont Kirste. In die Gespräche könne man Kinder ruhig bereits ab 14 Jahren einbeziehen. „Wir machen viel Aufklärung in den Schulen. Jugendliche sind damit überhaupt nicht überfordert, sie reden viel unbefangener darüber”, erzählt Kirste. Als gute Gelegenheit habe sich das gemeinsame Ansehen von TV-Sendungen zur Organspende erwiesen - im Anschluss könne über das Thema im Kreis der Familie gesprochen werden.

In den meisten Fällen entscheiden Verwandte darüber, ob die Organe des Verstorbenen anderen Menschen zur Verfügung gestellt werden oder nicht. Oft führten Ängste und Bedenken bei Angehörigen zu einer Entscheidung gegen die Spende, sagte Kirste. In Deutschland warten etwa 12 000 Patienten auf eine Organtransplantation.

Im Einzelfall könne es Angehörigen helfen zu wissen, dass nicht unbedingt alle Organe gespendet werden müssen. „Viele Menschen haben zum Beispiel Hemmungen damit, die Hornhaut zu spenden, weil das Auge des Menschen anders aufgefasst wird”, erklärt Kirste. Wer einen Organspendeausweis ausfüllt, könne die Spende auch auf bestimmte Organe beschränken oder Ausnahmen benennen. Auch Angehörige, die vor dieser Entscheidung stünden, könnten bestimmte Organe von der Spende ausnehmen: „Das kann man alles ganz individuell machen.”
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