Tumoren können Depressionen auslösen

Von: ddp
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Depressionen
Anhaltend gedrückte Stimmung, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen oder Antriebslosigkeit können Anzeichen für Depressionen sein. Foto: ddp

Washington. Wer an Krebs erkrankt, entwickelt überdurchschnittlich häufig eine Depression. Nicht immer sind dafür jedoch die erschütternde Diagnose oder die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie verantwortlich, zeigt nun eine Studie amerikanischer Forscher: Auch die Tumoren selbst können dazu beitragen.

Sie veranlassen die Produktion bestimmter Botenstoffe, die als Auslöser von Depressionen und Angststörungen gelten. Zwar konnten die Wissenschaftler diesen direkten Zusammenhang zwischen Tumor und Depressionen bisher nur bei Ratten nachweisen. Das Team um Leah Pyter von der Universität von Chicago glaubt jedoch, damit einen allgemeingültigen Mechanismus entdeckt zu haben. Die Forscher beschreiben ihre Arbeit im Fachmagazin „PNAS” (Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0811949106).

Den Verdacht, dass bei Krebs die Tumoren selbst die Entwicklung von Depressionen fördern, gibt es schon länger. Allerdings sind Krebspatienten meist allein durch die Diagnose so aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht, dass es sehr schwierig ist, den Einfluss der Psyche von einem möglichen Einfluss des Tumors zu trennen.

Zudem sind die Betroffenen häufig durch die Nebenwirkungen der Therapie belastet. Um diese Einflüsse zu umgehen, lösten die Forscher nun bei Ratten eine Tumorbildung in den Milchdrüsen aus. Die Tiere hätten danach keinerlei Krankheitssymptome entwickelt oder den Anschein erweckt, unter Schmerzen zu leiden, berichten die Wissenschaftler.

Was die Ratten jedoch zeigten, waren typische Anzeichen einer Depression: Sie ließen sich nicht mehr von Zuckerwasser verführen und gaben schneller auf, wenn es darum ging, den Weg aus einem Labyrinth zu finden. Die Forscher glauben, auch den Grund dafür gefunden zu haben: Parallel zu den Verhaltensveränderungen stieg der Spiegel sogenannter entzündungsfördernder Cytokine im Blut und im Gehirn der Tiere an. Betroffen war dabei vor allem der Hippocampus, eine Hirnregion, die für das Steuern von Emotionen zuständig ist. Gleichzeitig sank die Menge des Stresshormons Corticosteron, das normalerweise die Effekte der Cytokine dämpft.

Tumoren können demnach zumindest bei Ratten emotionale Prozesse direkt beeinflussen - einmal, indem sie Botenstoffe produzieren oder deren Produktion erhöhen, die depressives Verhalten auslösen, und zum anderen, indem sie gegenläufige Prozesse bremsen und so den Effekt intensivieren. Die Wissenschaftler betonen, dass dem Verstehen der krebsbegleitenden Depressionen eine große klinische Bedeutung zukomme. So befolgten Betroffene häufig die Therapieanweisungen weniger genau als Krebspatienten ohne Depressionen, und auch die Überlebensrate sei bei depressiven Patienten geringer. Je genauer daher der Auslöser bekannt sei, desto gezielter könnten die Betroffenen behandelt werden.
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