Terminplanung ist selten Grund für Kaiserschnitt

Von: dpa
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Wenn Frauen sich bewusst für einen Kaiserschnitt entscheiden, hat dies meist nichts mit der Terminwahl zu tun. Foto: ddp

Bielefeld. Die Terminplanung spielt nur selten eine Rolle, wenn Frauen ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt bringen. Lediglich zwei Prozent der Frauen entschieden sich aus diesem Grund für die Operation, sagte Prof. Petra Kolip von der Universität Bielefeld.

Die meisten Frauen seien der Ansicht, dass Kinder möglichst auf natürliche Weise auf die Welt kommen sollten. Tatsächlich wurde im Jahr 2008 aber knapp jedes dritte im Krankenhaus geborene Kind per Kaiserschnitt entbunden. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Seit 1991 habe sich der Anteil der Kaiserschnittentbindungen nahezu verdoppelt. Damals waren rund 126 000 der 823 000 Entbindungen Kaiserschnittgeburten, aktuell seien es 200.000 von 663.000. Dafür gebe es verschiedene Gründe, sagte Prof. Kolip, die für eine 2008 publizierte Studie Frauen nach Kaiserschnittgeburten befragte. Zum einen habe sich die Gruppe der Frauen verändert, die Kinder bekommt.

Die Frauen seien älter, und mehr Kinder würden mit Hilfe der Reproduktionsmedizin gezeugt. „Beim Wunschkind wollen die Frauen bei der Geburt kein Risiko eingehen.” Außerdem sei bei vielen Frauen die Hemmschwelle für eine Operation gesunken. „Die sagen: Ich probiere es erstmal auf natürlichem Weg, aber wenn es nicht klappt, mache ich den Kaiserschnitt.”

Doch auch die Kliniken seien vorsichtig. Gehe irgendetwas schief bei einer Geburt, werde es für die Klinik sehr teuer, erläuterte die Professorin für Prävention und Gesundheitsförderung. Deshalb werde bei schwierigeren Geburten ein Kaiserschnitt vorgezogen. Hinzu komme, dass manche Ärzte bestimmte Techniken, etwa das Drehen eines Kindes in Steißlage, gar nicht mehr beherrschen. Und schließlich sei ein Kaiserschnitt für eine Klinik einfacher zu organisieren als eine natürliche Geburt.

Die Befragung habe gezeigt, dass Frauen in der Regel gut über den technischen Ablauf der Kaiserschnittgeburt informiert sind. „Die wussten aber wenig über die Folgen”, sagte Kolip. Den Frauen sei zum Beispiel nicht klar gewesen, dass sie hinterher starke Schmerzen haben und sich möglicherweise nicht um ihr Kind kümmern können.

Viele Frauen wüssten außerdem nicht, dass es nach einer Kaiserschnittgeburt Probleme mit weiteren Schwangerschaften geben kann. „Wegen der Narbe in der Gebärmutter kann es zum Beispiel passieren, dass sich die befruchtete Eizelle nicht einnistet.” Prof. Kolip hält ausführliche Informationen vor der Operation daher für zentral. „Ich glaube, wenn die Beratung angemessen ist, zögern viele Frauen, einen Kaiserschnitt machen zu lassen.”

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