Team-Arbeit für bessere Herzgesundheit

Von: Sabine Rother
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Operation am Herzen: Immer wie
Operation am Herzen: Immer wieder muss die Entscheidung getroffen werden, ob nun ein Stent eingesetzt werden soll, ob ein Bypass die bessere Lösung ist, oder ob sogar eine Kombination aus beidem nötig wird. Hier überschneiden sich die Fachrichtungen. Experten haben das erkannt. Foto: imago/newspix

Aachen. Mit der Überweisung in die Klinik hat der Herzpatient auch einen Therapievorschlag seines behandelnden Arztes im Gepäck. Stent, Bypass, eine Kombination? Leicht ist die Entscheidung nicht, und sie weicht später gar nicht so selten von der ersten Einschätzung ab.

„Unser oberstes Ziel ist es, das Risiko für den Patienten zu minimieren”, betont Professor Dr. Rüdiger Autschbach, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie im Universitätsklinikum Aachen. „Da kann es durchaus sein, dass wir einen anderen Lösungsweg vorschlagen als der zuweisende Kollege, und das sprechen wir mit ihm durch”, ergänzt sein Kollege Professor Dr. Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Medizinischen Klinik I).

Fragen werden beantwortet

Unter dem Motto „Ein Team für Herzgesundheit” wird man am Samstag, 24. März, 11 Uhr, im Forum M der Mayerschen Buchhandlung Aachen, (Buchkremerstraße) über die konkreten Möglichkeiten dieser enge Zusammenarbeit sprechen und Fragen des Publikums beantworten. Wie kann man den Herzkranzgefäßen helfen? Was tun, wenn Herzklappen nicht mehr richtig funktionieren?

Erläutert werden die Problembereiche jeweils aus kardiologischer und chirurgischer Sicht. „Unsere Zukunft ist der Hybrid-OP”, so Autschbach. „Ein entsprechend ausgestatteter Operationssaal, in dem beide Teams Hand in Hand arbeiten können”. Für das Klinikum gibt bereits eine hoffnungsvolle Zusage der zuständigen Ministerien. Autschbach: „Ich denke, 2013 haben wir hier in Aachen diesen Spezial-OP, der ja erst gebaut werden muss. Zwei Millionen Euro werden investiert.” Die Zusammenarbeit im Herzteam ist, wie Autschbach und Marx mit Nachdruck betonen, mehr als eine Kooperation. „Wir treffen uns tatsächlich jeden Mittag und sprechen über aktuelle Fälle und Patienten”, versichert Marx. In einer zusätzlichen wöchentlichen Konferenz sitzen beide mit ihren Teams am großen Tisch und tauschen therapeutischen Einschätzungen zu schwierige Fällen aus.

„Bei manchen Patienten ist ja alles klar, bei anderen gibt es Aspekte, die wir nur gemeinsam beurteilen sollten”, versichert Marx. Zum Beispiel die Frage, ob die Versorgung mit einem Stent, also einem das Gefäß stützenden Implantat, erfolgen soll, oder ob man besser einen Bypass legt, durch den verengte oder verstopfte Herzkranzgefäße überbrückt werden. „Besonders dann, wenn alle drei Herzkranzgefäße betroffen sind, ist so eine Überlegung wichtig”, schildert Marx. So weiß etwa der Internist den körperlichen Zustand eines Patienten, dessen Nieren nicht mehr zuverlässig arbeiten, besser einzuschätzen, als der Chirurg. „Kommt es in solch einem Fall bei einer Operation zu Komplikationen, kann das die Dialyse bedeuten.” Oder aber es sind gravierende Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus sowie eine verminderte Lungenfunktion da. Liegt extremes Übergewicht vor, ist besonders der Operateur besorgt: „Bei sehr dicken Patienten registrieren wir häufiger Wundheilungsstörungen als bei normalgewichtigen Menschen.”

Waren die Herzklappen früher die Domäne des Herzchirurgen, hat sich das längst geändert. „Mit Hilfe von Katheter gestützten Systemen können wir Herzklappen inzwischen über die Leistenarterie zum Herzen bringen, was eine weit geringere Belastung bedeutet, als die Öffnung des Brustkorbes”, beschreibt Marx einen minimalinvasiven und doch höchst komplexen Eingriff. „Ist dieses Gefäß verengt, bietet sich noch der Weg über die Hauptschlagader und über die Herzspitze”, so Autschbach. Nicht selten sind sowohl Herzklappe als auch Gefäße am Herzen betroffenen. Dann können unterschiedliche Verfahren kombiniert werden wie Bypass und Stent oder minimalinvasive Klappenoperationen.

Steigende Zahlen

Die Zahl der Entscheidungen auf diesem diagnostischen und therapeutischen Gebiet wird in den nächsten Jahren steigen. Waren noch 1994 rund 25 Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter über 70 Jahre, errechnete man für 2011 bereits einen Wert von 54 Prozent. „Wir treffen auf Mehrfacherkrankungen, Herz-Kreislaufprobleme sowie auf Gefäße, die durch Arteriosklerose geschädigt sind”, erläutert Marx.

Wer in die Klinik kommt, durchläuft zunächst standardisierte Voruntersuchungen. In welchem Zustand sind Organe wie Lunge und Nieren? Wie funktionieren Durchblutung und Blutdruck? Was zeigt der Ultraschall am Herzen, und wo liegen die Laborwerte bis hin zur Blutgerinnung. Mit Unterstützung des „Risiko Scores”, einem ausgeklügeltes Punktsystem, das sämtliche Faktoren aufnimmt und bewertet, wie die individuelle Belastung einzuschätzen ist. „Patienten, die man früher nicht mehr mit einer Herzklappe hätte versorgen können, haben heutzutage durch unsere neuen Möglichkeiten andere Chancen”, weiß Autschbach. Das Herzteam stellt die Weichen für die Lebensqualität des Patienten. „Ein solch spezielle Zusammenarbeit muss menschlich funktionieren, die Mentalität eines Hauses wirkt sich stark aus”, so Autschbach. Wo es früher zu Konkurrenz zwischen Kardiologie und Chirurgie kam, setzt man hier auf das Miteinander. „Die Betroffenen und wir sind die Gewinner”, sagt Marx. Bundesweit hat man mit diesem Projekt in seiner engmaschigen Umsetzung bereits Aufmerksamkeit geweckt, denn die Team-Bildung beschränkt sich nicht auf die Klinikchefs. Sie wird fortgesetzt in „Unterteams”, die von den Oberärzten beider Fachrichtungen getragen werden. „Ein Lernprozess für alle Mitarbeiter”, versichern Marx und Autschbach.

Informationsveranstaltung für alle Interessierten

„Ein Team für Herzgesundheit”, Informationsveranstaltung der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und der Medizinischen Klinik I im Universitätsklinikum Aachen, am Samstag, 24. März, ab 11 Uhr im Forum M der Mayerschen Buchhandlung in Aachen, Buchkremerstraße. Der Eintritt zur Informationsveranstaltung ist frei.

Schwerpunkte sind dabei Probleme bei Herzkranzgefäßen und Herzklappen. Fragen des Publikums werden beantwortet.

Und was ist ein Hybrid-OP? Man versteht darunter einen modernen Operationssaal, der bildgebende Großgeräte wie Computer- oder Kernspintomographen enthält und der durch das Vorhandensein von Angiographiegeräten auch als Herzkatheterlabor genutzt werden kann.

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