Berlin/Bochum - „Superbakterium”: Forscher in Sorge, nicht in Panik

„Superbakterium”: Forscher in Sorge, nicht in Panik

Von: Simone Humml, dpa
Letzte Aktualisierung:
Superbakterium NDM-1
Professor Denis Pierard von der Universität Brüssel. Foto: dpa

Berlin/Bochum. Die neuen super-resistenten Bakterien sind nach Forscheransicht kein Grund für weltweite Panik, aber sie bereiten Sorgen. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren ist noch nicht mit einem neuen Antibiotikum gegen diese Bakterien zu rechnen”, sagte Martin Kaase, stellvertretender Leiter des Nationalen Referenzzentrum für gramnegative Krankenhauserreger in Bochum.

Die Pharmaindustrie sei mit der Entwicklung von innovativen Antibiotika gegen die sogenannten gramnegativen Bakterien noch nicht so weit, erläuterte Kaase in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur.

Das kürzlich unter anderem in Indien entdeckte Resistenz-Gen NDM-1 (Neu-Delhi-Metallo-Beta-Laktamase) springt leicht von einer Bakterienart auf eine andere. So wurde es bereits bei dem Darmkeim Escherichia coli und dem Bakterium Klebsiella pneumoniae entdeckt, das untere anderem Lungenerkrankungen auslöst. Diese Bakterien sind damit auch gegen die sogenannten Carbapeneme resistent, die bislang als Reserveantibiotika galten.

„Es ist ein völlig normales Phänomen, dass Bakterien gegen Antibiotika resistent werden”, sagte Kaase. „Es ist aber gleichzeitig eine gefährliche Entwicklung, weil wir so schnell keine zusätzlichen Reserve-Antibiotika bekommen werden.

Neben NDM-1 seien in den letzten 10 Jahren auch weitere Resistenzgene gegen Carbapeneme entdeckt worden. Drei dieser Gene hätten sich bereits weltweit in mehreren Ländern verbreitet. Das erste Bakterium mit dem nun bekanntgewordenen NDM-1 Gen sei 2009 in einem Fachartikel präsentiert worden und stamme aus einer schwedischen Probe von 2008. Der erste NDM-1-Nachweis in Deutschland ist vom Juli 2010.

Immerhin gebe es gegen die meisten NDM-1 tragenden Bakterien noch zwei weitere Reserve-Antibiotika, Tigecyclin und Colistin. Und es bestehe ein gewisser Schutz, weil die Reserve-Antibiotika nicht so einfach verbreitet werden. „Die Carbapeneme sind nicht in Tablettenform erhältlich, sondern sind allesamt durch Infusion zu verabreichen.”

Im Kampf gegen resistente Bakterien seien zwei Punkte wichtig: Absolute Hygiene im Umgang mit Patienten und ein verantwortlicher Einsatz von Antibiotika, insbesondere von Reserveantibiotika.
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