Stürzen im Alter vorbeugen statt soziale Isolation riskieren

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Hannover. Mit dem Alter steigt die Gefahr, zu stürzen. „Ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt einmal im Jahr”, sagt Meiken Brecht, Allgemeinmedizinerin und Oberärztin an der Klinik für medizinische Rehabilitation und Geriatrie in Hannover.

„Bei den über 90-Jährigen ist es sogar deutlich mehr als die Hälfte.” Die zentrale Koordination und der Output der Muskeln lassen im Alter nach. Schon die Teppichkante oder eine übersehene Schwelle könnten zum Sturz führen.

„Ein größeres Problem als der gebrochene Knochen ist aber das Brechen des Selbstwertgefühls”, sagt Brecht. „Wer einmal gefallen ist, hat Angst, dass es wieder geschieht und wird im Alltag immer vorsichtiger” - mit dem Ergebnis, dass Bewegungen vermieden werden. Dadurch aber wird Muskulatur abgebaut. Die Gefahr, erneut zu stürzen, steigt. „Dieser Teufelskreis kann in die soziale Isolation führen, weil die Betroffenen sich nichts mehr zutrauen und am Ende das Haus oder die Wohnung nicht mehr verlassen”, sagt Brecht.

Der Besuch einer „Sturzsprechstunde”, die manche Ärzte und Kliniken anbieten, könne helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen oder zu verhindern. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. hat einen Überblick, wo eine solche Sprechstunde angeboten wird. (dggeriatrie.de, Tel.: 0221/1629-2350).

„Die meisten Patienten kommen erst, wenn sie bereits gefallen sind”, sagt Brecht. „Ziel ist es aber, Stürze und die psychosozialen Folgen zu vermeiden, damit die Menschen im hohen Lebensalter lange selbstständig und selbstbestimmt leben können.” Wichtig sei daher, dass die Menschen auch und gerade im hohen Alter aktiv blieben.„Aber die Trainingssituation der älteren Generation ist oft mangelhaft”, sagt Brecht.

Nordic Walking oder Wassergymnastik zum Beispiel sei nichts Selbstverständliches wie für die jüngere Generation. Auch mit der oft notwendigen Krankengymnastik können die Menschen hohen Alters von vielen Hausärzten nicht flächendeckend versorgt werden. „Wer sich aber schon vor dem ersten Sturz beraten lässt, kann den Alltag so schwungvoll und beweglich gestalten, dass es im Zweifel gar nicht erst zum Fall kommt”, sagt die Ärztin.
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