Los Angeles - Studie: Pflegestress könnte Alzheimer-Risiko erhöhen

Studie: Pflegestress könnte Alzheimer-Risiko erhöhen

Von: dpa
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Trauriges Ergebnis einer amerikanischen Studie: Pflegende Angehörige von Alzheimer-Patienten erkranken selber sehr viel häufiger an Alzheimer. Foto: dpa

Los Angeles. Menschen, die ihren an Alzheimer erkrankten Ehepartner pflegen, haben ein größeres Risiko, selbst eine solche Demenz zu erleiden. Das berichtet eine Gruppe um Maria Norton von der Utah State University in Logan im „Journal of the American Geriatrics Society”.

Möglicherweise sei erhöhter Stress ein Risikofaktor. Über die Studie hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” berichtet.

Das Team hatte 1221 verheiratete Paare im Alter von 65 Jahren und älter über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg beobachtet. Diese lebten im ländlichen Norden des US-Bundesstaates Utah. Während dieser Zeit erkrankten 255 Menschen der Gruppe an Demenz.

Dabei zeigte sich: Wenn einer der Ehepartner Alzheimer oder ähnliche Demenzen bekam, war das Risiko des pflegenden Partners, ebenfalls dement zu werden, sechsfach höher. Bei der Analyse der Geschlechter zeigte sich, das Männer ein höheres Risiko tragen als Frauen.

Einen dementen Menschen zu pflegen bedeute mehr Stress und persönlichen Verzicht als das Versorgen eines körperlich behinderten Patienten, erklärt Norton. Zudem sei es bereits eine schwere seelische Belastung, die Persönlichkeit des Lebenspartners schwinden zu sehen.

Wie schmerzhaft ein derartiger Verlust ist, beschreibt die Frau des Kulturhistorikers und Schriftstellers Walter Jens, Inge Jens, in ihrem Buch „Unvollständige Erinnerungen” (2009). Über die Krankheit ihres dementen Mannes heißt es unter anderem „Ich sehe seinem Entschwinden zu”.

„Der chronische und oft starke Stress, der mit der Pflege einhergeht, könnte ein substanzielles Risiko für die Entwicklung von Demenz beim Pflegenden sein”, schreibt das US-Team in seiner Analyse. Weitere Studien seien nötig, um die Ursachen klar benennen zu können.

(Fachartikelnummer DOI: 10.1111/j.1532-5415.2010.02806.x)

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