Streit voll entbrannt: Dürfen Ärzte beim Suizid helfen?

Von: Peter Pappert und Sabine Rother
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Er will die Ärzte entlasten: Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Foto: imago/Reiner Zensen

Aachen/Berlin. Die Deutsche Hospiz-Stiftung hat vor Plänen der Bundesärztekammer gewarnt, die standesrechtlichen Richtlinien für ärztliche Sterbebegleitung zu lockern. Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Patientenschutzorganisation, wirft dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, in einem Gespräch mit unserer Zeitung vor, Ärzte in ein ethisches Dilemma zu stürzen, sollte dessen Organisation die Pläne umsetzen.

Demnach soll Beihilfe zum Suizid möglich sein, wenn der Arzt das mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

„Wenn Hoppe das ethische Verbot, eine Selbsttötung ärztlich zu begleiten, streichen will, müsste er sagen, was stattdessen kommen soll”, sagt Brysch. „Niemand ist in der Lage, Leiden zu objektivieren. Soll es hierüber einen Leidenskatalog´ geben? Dann müsste die Bundesärztekammer neben den Richtlinien zur Sterbebegleitung auch Richtlinien zur Suizidbegleitung beschließen.” Das sei, so Brysch, ein entsetzliches Szenario.

Hoppe hält im Interview mit unserer Zeitung dagegen: „Ich persönlich könnte Beihilfe zum Suizid nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber ich habe immer Verständnis für Einzelfälle.” Viele Ärzte seien damit konfrontiert, dass einer ihrer Patienten unerträgliche Schmerzen habe. Palliativmedizin stehe immer an erster Stelle. „Es darf keine ärztliche Option sein, im Zweifelsfall zu töten”, sagt Hoppe. „Viele fürchten jedoch, dass sie durch Gabe von Schmerzmitteln bereits Suizid-Beihilfe geleistet haben. Das beschwert ihr Gewissen. Durch eine Neuregelung könnten wir diese Last von ihnen nehmen.” Beihilfe zum Suizid sei nicht strafbar, den Ärzten aber aber durch ihr Berufsrecht als unethisch verboten. „Diesen Widerspruch müssen wir auflösen”, sagte Hoppe.

In Deutschland gibt es nach Erkenntnissen der Hospiz-Stiftung eine große Lücke zwischen Bedarf und Angebot an professioneller Sterbebegleitung. „Über eine halbe Million Menschen in Deutschland bräuchte im letzten Lebensjahr professionelle Begleitung, aber nur etwa 71.000 Menschen bekommen sie”, sagt Brysch.

Eine aktuelle Studie habe jetzt ergeben, dass derzeit tatsächlich nur rund 23.000 Menschen in einem stationären Hospiz sterben. Etwa 44.000 Schwerstkranke wurden auf einer Palliativstation in einem Krankenhaus behandelt. Ehrenamtliche Hospizdienste begleiteten zuletzt rund 39.000 Menschen in einem Jahr.
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