Sozialer Wandel Thema beim Psychotherapieseminar

Von: Axel Borrenkott
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Sozialer Wandel ist diesmal Thema beim Psychotherapieseminar in Aachen. Foto: Archiv

Aachen. Nichts ist normaler als der Wandel. Man muss nur ab und zu in den Spiegel schauen oder seiner Großmutter zuhören. Ohne evolutionären Wandel würde es uns gar nicht, und ohne gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr geben.

Demokratie, Gleichberechtigung, Sozialversicherung, Mauerfall - alles Ergebnisse gewollten, ja erkämpften sozialen Wandels. So selbstverständlich scheint es also auf den ersten Blick nicht, dass das 35. Westdeutsche Psychotherapieseminar „Gesellschaftlicher Wandel - Individuelle Krisen” in einem Atemzug nennt.

Doch, keine Frage: Den aktuellen, zum Teil dramatischen Wandel von wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen erleben viele Menschen als persönliche Krise.

Die Wirtschaftskrise brachte denn auch die Veranstalter des von Waltraut Kruse 1976 erstmals abgehalten Seminars auf das diesjährige Thema, berichtet Siegfried Gauggel, medizinischer Psychologe an der RWTH, der zum mittlerweile fünfköpfigen Leitungsteam des Seminars gehört.

Dabei ist dieses hochaktuelle, in seinen umwälzenden Konsequenzen noch gar nicht absehbare Geschehen nur ein herausragendes Beispiel für die im gesamten Arbeitsleben und in unzähligen Familien erlebten Umbrüche von bis dahin mehr oder weniger stabil geglaubten Verhältnissen

In vier öffentlichen Vorträgen beleuchten vom 5. bis 7. März im Aachener Eurogress namhafte Experten ihres Faches verschiedene Aspekte des Zusammenhangs von allgemeinem Wandel und (möglichem) persönlichen Leiden daran. Zur Eröffnung spricht ein Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, über das Spannungsverhältnis von staatlicher Sicherheit und Selbstverantwortung.

Der Philosoph und Neurowissenschaftler Dieter Sturma, Uni Bonn und Forschungszentrum Jülich, klärt darüber auf, was die Hirnforschung über die Fähigkeit des Menschen zur Veränderung aussagen kann. Peter Falkai, Direktor der Psychiatrie der Uniklinik Göttingen, stellt das „Vertrauen in die eigenen Kräfte” heraus.

Der Marburger Kinder- und Jugendpsychiater Helmut Remschmidt schließlich stellt den unmittelbaren Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem, zumal schulischem und familiärem Wandel und den verschiedenen Formen der Krisen von Kindern und Jugendlichen in der Neigung zu verschiedenen Verhaltensstörungen her, die sich etwa beim Lernen, Essen, in Alkoholkonsum, Gewalttätigkeit oder Depressionen äußern.

Eben weil der ständige allgemeine historische, soziale Wandel unvermeidlich ist, kommt es letztlich für den Einzelnen darauf an, wie er damit zurechtkommt. „Es geht um Anpassung”, sagt Gauggel, „und die Fähigkeit dazu ist unterschiedlich entwickelt”. Computerisierung, Arbeitsverdichtung, Beschleunigung. „Das ist für viele - mehr oder weniger - problembehaftet.”

Und, bei aller subjektiv unterschiedlichen Betroffenheit: Die Verhältnisse ändern sich objektiv immer schneller, es gibt kaum noch Nischen. Immer mehr Menschen müssen in viel kürzerer Zeit immer mehr schaffen. Manche geraten an die Grenzen ihrer natürlichen Ausstattung, mit dem verlangten Tempo Schritt zu halten. Die Seele und/oder der Körper, kommen nicht mehr mit, auch wenn man´s nicht gern zugibt.

Wie man vielleicht besser damit zurechtkommt oder wo die eigentlichen Probleme liegen: Das Psychotherapieseminar will einige Denkanstöße - und vielleicht etwas Orientierung bieten.

Vier öffentliche Vorträge vom 5. bis 7. März im Eurogress Aachen

Zu vier öffentlichen Vorträgen lädt das Westdeutsche Psychotherapieseminar zum Thema „Gesellschaftlicher Wandel - Individuelle Krisen” zwischen 5. und 7. März in den Europasaal des Eurogress´.

Den Eröffnungsvortrag hält am Freitag, 5. März, 17 Uhr, Prof. Michael Hüther über „Unvermeidbarer Wandel und notwendige Stabilität der Lebenswelt”.

„Ein neues Menschenbild - personales Leben und Herausforderungen der Neurowissenschaften”, heißt der Vortrag von Prof. Dieter Sturma, Samstag, 6. März, 11 Uhr.

Über die „Neurobiologie von Persönlichkeitseigenschaften” spricht am Samstag, 6. März, 13 Uhr, Prof. Peter Falkai.

„Gesellschaftlicher Wandel und individuelle Krisen im Kindes- und Jugendalter” ist das Thema des Vortrags von Prof. Helmut Remschmidt, Sonntag, 7. März, 11 Uhr.

Veranstaltet wird das 35. Westdeutsche Psychotherapieseminar von seiner Initiatorin, Prof. Waltraut Kruse, sowie den Professoren der RWTH Siegfried Gauggel, Beate Herpertz-Dahlmann, Henning Saß und Frank Schneider.

Karten zu 15 Euro (Schüler und Studenten 10 Euro) für alle vier Vorträge gibt es an allen Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlags.
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