Selbstständige Desinfektion gegen Grippe umstritten

Von: dpa
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Schweinegrippe
Ein Plakat mit Vorbeugemaßnahmen gegen die Schweinegrippe hängt in einer Schule. Foto: dpa

Bonn/Berlin. Desinfektionsmittel als Grippeschutz für den Hausgebrauch: Experten sind unterschiedlicher Ansicht, ob das eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme ist.

Im Krankenhaus sind Keimtöter an jedem Waschbecken zu finden. Und Prof. Martin Exner, Direktor des Instituts für Infektiologie und Infektionsprävention der Universität Bonn, rät auch zu Hause dazu: Vor allem Menschen, die einen Grippekranken zu Hause pflegen, sollten die Hände mit alkoholischen Mitteln desinfizieren. Und sie sollten Flächen, auf die der Kranke geniest oder gehustet hat, mit Desinfektionsmitteln putzen. Exner äußerte sich auf einer von einem Hersteller unterstützten Veranstaltung in Hamburg.

„Wir empfehlen nicht, selbstständig Desinfektionsmittel zu benutzen”, sagt dagegen Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Die Mittel müssten in einer genau abgemessenen Konzentration in einer bestimmten Zeit verwendet werden. „Das ist nichts für Laien.” Mediziner würden in eigenen Kursen lernen, wie sie ihre Hände richtig desinfizieren.

Im Normalfall reichten Händewaschen und Putzen als Hygienemaßnahmen aus, sagt Glasmacher: „Natürlich bringen Sie mit Händewaschen nicht alle Keime von der Hand, aber das ist auch nicht notwendig.” Keimfreiheit sei im Krankenhaus wichtig, nicht zu Hause. Wenn kein Wasser zum Waschen verfügbar sei, könne es aber sinnvoll sein, die Hände vor dem Essen mit Desinfektionstüchern oder -tropfen zu reinigen.

Beim Wischen reiche normales Putzmittel. Die Wahrscheinlichkeit, sich über mit Viren befallene Oberflächen anzustecken, sei im Vergleich zur Tröpfcheninfektion gering, sagt Glasmacher: „Die Infektionsgefahr ist sehr viel größer, wenn Sie jemand anhustet oder ihnen die Hand gibt.”

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