Bonn/Karlsruhe - Sekundäre Pflanzenstoffe: Die Kraft von Obst und Gemüse

Sekundäre Pflanzenstoffe: Die Kraft von Obst und Gemüse

Von: Melanie Löw, ddp
Letzte Aktualisierung:
Obst / Gemüse / Paprika
Ein Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt mit leuchtend roten Kirschen, knackigen gelben Paprikaschoten und saftigen grünen Äpfeln läßt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Vor allem im Frühling und im Sommer gibt es Obst- und Gemüsearten in leuchtenden Farben. Verantwortlich dafür sind die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe, die allerdings weit mehr können, als nur schön auszusehen. Foto: ddp

Bonn/Karlsruhe. Ein Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt mit leuchtend roten Kirschen, knackigen gelben Paprikaschoten und saftigen grünen Äpfeln lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Vor allem im Frühling und im Sommer gibt es Obst- und Gemüsearten in leuchtenden Farben.

Verantwortlich dafür sind die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe, die allerdings weit mehr können, als nur schön auszusehen.

„Unter dem Begriff sekundäre Pflanzenstoffe werden verschiedene Substanzen zusammengefasst, die in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Nüssen, Vollkornprodukten und in fermentierten Lebensmitteln wie zum Beispiel Sauerkraut vorkommen”, sagt Antje Gahl, Ökotrophologin und Leiterin des Referats Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. „Wir kennen inzwischen etwa 100.000 dieser Substanzen, dabei sind aber nur 5000 bis 10.000 für die menschliche Nahrung relevant.”

Anders als beispielsweise die Vitamine gehören sekundäre Pflanzenstoffe nicht zu den essenziellen - also unverzichtbaren - Nährstoffen. Dennoch könnten ihnen vielfältige gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben werden, erläutert die Ernährungswissenschaftlerin mit Blick auf zahlreiche Studien. So schützten sie die Zellen vor freien Radikalen, stärkten das Immunsystem, wirkten sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, senkten den Cholesterinspiegel und das Risiko von Krebserkrankungen. Zudem könne ihnen eine antibakterielle Wirkung zugeschrieben werden. Alle Wirkmechanismen seien aber noch längst nicht vollständig erforscht.

Zu den bekanntesten sekundären Pflanzenstoffen zählen die Flavonoide und die Carotinoide. In Pflanzen sind sie für Farben und Düfte verantwortlich, regulieren das Wachstum oder dienen als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde und Mikroben. Flavonoide färben Obst und Gemüse gelb und blau und kommen in Äpfeln, Kirschen, Pflaumen, Auberginen, Trauben oder Grünkohl vor. Carotinoide färben Obst und Gemüse orange und rot. Sie finden sich in Karotten, Tomaten, Paprika, Melonen oder Grapefruits.

Die positiven Effekte sekundärer Pflanzenstoffe werden schon lange genutzt. Pflanzen sind seit jeher Bestandteil der Naturheilkunde, wie Professor Bernhard Watzl, Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung des Max Rubner-Instituts in Karlsruhe, zu berichten weiß: „Schon Hippokrates sagte: Lasst eure Lebensmittel eure Heilmittel und eure Heilmittel eure Lebensmittel sein.”

So wurde beispielsweise bereits bei den alten Ägyptern der Knoblauch für seine antibakterielle Wirkung geschätzt. Ein Effekt, der auf den darin enthaltenen Sulfiden beruht, eine weitere Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. „Viele pflanzliche Stoffe kommen heute in Medikamenten vor”, berichtet der Biochemiker Watzl. Präparate auf Basis von Kresse und Meerrettich seien zum Beispiel für ihre antibakterielle Wirkung bei Harnwegsinfektionen bekannt. Die Salicylsäure, die in Blättern, Wurzeln oder Blüten verschiedener Pflanzen vorkomme, helfe gegen Kopfschmerzen.

Nicht empfehlen kann Watzl allerdings Nahrungsergänzungsmittel, die bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe beinhalten. Bislang gebe es keine Hinweise auf positive Effekte solcher Produkte. Denn es sei derzeit einfach noch nicht bekannt, wie sekundäre Pflanzenstoffe ihre Wirkung entfalten, ob zusammen oder auch im Verbund mit Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen.

In Deutschland sei der Anteil an tierischen Lebensmitteln in der Nahrung immer noch höher als der an pflanzlichen Produkten, gibt Watzl zu bedenken. Es sei naiv zu vermuten, den Körper dann durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit sekundären Pflanzenstoffen versorgen zu können. Watzl empfiehlt stattdessen den Griff zum Natürlichen: „Obst und Gemüse enthalten ein breites Spektrum dieser Stoffe.” So trage ein Apfel als vollwertiges Obst beispielsweise auch noch zur Sättigung bei.

Eine Empfehlung, wie viel sekundäre Pflanzenstoffe man zu sich nehmen sollte, gibt es bislang nicht, da die Forschung noch nicht genügende aussagekräftige Belege hat. Bernhard Watzl empfiehlt den Verzehr von fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag: „Zu einer gesunden Ernährung gibt es keine Alternative. Je mehr Obst und Gemüse gegessen wird, desto stärker ist der gesundheitliche Nutzen.” Eine Ernährung mit hohen pflanzlichen Anteilen fördere das Herz-Kreislauf-System, beuge Übergewicht vor und schütze auch vor Entzündungen.

Ernährungswissenschaftlerin Gahl pflichtet bei: „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt den Verzehr von 650 Gramm Obst und Gemüse am Tag, verteilt auf fünf Portionen.” Wichtig sei hierbei vor allem eine abwechslungsreiche Auswahl verschiedener Obst- und Gemüsearten. So könne man auf alle Fälle davon ausgehen, dass man ausreichend sekundäre Pflanzenstoffe, aber auch Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe zu sich nehme.


Die große Familie der sekundären Pflanzenstoffe

Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe, die in Äpfeln, Birnen, Trauben, Kirschen, Pflaumen, Beerenobst, Zwiebeln, Sellerie, Grünkohl oder Auberginen vorkommen. Sie sollen das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Krankheiten senken und unter anderem antioxidativ wirken - also zellschädigende Sauerstoffradikale abfangen - sowie blutdrucksenkend und entzündungshemmend sein.

Carotinoide sind die in Karotten, Tomaten, Paprika, Grapefruit, Aprikosen, Melonen oder Kürbis vorkommenden gelben, orangen und roten Farbstoffe. Sie sollen ebenfalls eine Schutzwirkung gegen bestimmte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten haben, entzündungshemmend wirken und altersbedingte Augenerkrankungen positiv beeinflussen.

Bei den Sulfiden handelt es sich um Duft- und Aromastoffe, die in Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch vorkommen. Ihnen wird eine antioxidative sowie eine antibiotische Wirkung zugeschrieben. Zudem sollen sie auch blutdruck- und cholesterinsenkend sein sowie das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken.

Die Phenolsäuren, die Pflanzen gegen Fressfeinde schützen, finden sich in Vollkornprodukten, Kaffee, Tee oder Nüssen. Ihnen wird ebenfalls eine antioxidative Wirkung zugeschrieben. Außerdem sollen auch sie das Risiko für bestimmte Krebsarten senken.

Glucosinolate, die in allen Kohlarten, in Rettich, Radieschen, Kresse und Senf vorkommen, schützen die Pflanze vor Krankheitserregern und Fressfeinden. Beim Menschen sollen sie entgiftende Stoffwechselprozesse unterstützen.

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