Berlin - Schon Babys brauchen eine gute Zahnpflege

Schon Babys brauchen eine gute Zahnpflege

Von: Markus Zens, ddp
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Die richtige Zahnpflege ist schon bei kleinen Kindern sinnvoll und wichtig.

Berlin. Alle Kinder haben Angst. Ob Monster unter dem Bett, die nächste Klassenarbeit oder laute Gewitter - Kinder fürchten die unterschiedlichsten Dinge. Eine Angst aber können Eltern ihren Kindern ganz einfach nehmen: Die Angst vor dem Zahnarzt.

Denn wenn Eltern bei ihrem Nachwuchs früh genug mit der Zahnpflege anfangen, sinkt das Risiko für spätere Erkrankungen enorm.

Schon bevor die ersten Zähne von Babys überhaupt durchbrechen, können Eltern etwas für die spätere Zahngesundheit unternehmen. „Der heruntergefallene Nuckel, den die Mutter fürsorglich ableckt, weil kein Wasser in der Nähe ist, enthält die Keime aus deren Speichel”, schreibt die Allgemeine Ortskrankenkasse AOK in einem Ratgeber für die Zahnpflege bei Babys.

Um zu verhindern, dass kariesauslösende Bakterien in den Mund von Babys gelangen, sollten Eltern daher lieber auf diese Praxis verzichten. Vor allem sollten Eltern aber darauf achten, dass ihre eigenen Zähne gesund sind - dadurch sinkt das Risiko, schädliche Bakterien an die Kinder weiterzugeben.

Sobald die ersten Milchzähne sichtbar sind, können Eltern dann mit der Mundhygiene bei Babys beginnen. Mit einem speziellen Schwämmchen oder feuchten, nicht flusenden Läppchen könnten die ersten Zähne gereinigt werden, empfiehlt etwa der Weinheimer Zahnarzt Lars Albrecht. In der Folge sollten die Zähne einmal täglich mit einer kleinen, weichen Kinderzahnbürste und einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta gereinigt werden, rät Albrecht.

„Auch wenn die Milchzähne später wieder ausfallen, sollten Eltern auf die richtige Pflege achten”, erläutert die Zahntechnikerin Iris Burgard aus München. „Von kranken Milchzähnen geht auch ein Risiko für die bleibenden Zähne aus”, erklärt Burgard. Fällt ein Milchzahn etwa verfrüht aus, kann es zu Fehlstellungen bei den nachrückenden Zähnen kommen.

Das liegt an der Funktion von Milchzähnen als Platzhalter für das bleibende Gebiss. Wenn ein Milchzahn durch Karies zerstört ist und ausfällt, dann verschieben sich entsprechend auch die darunterliegenden bleibenden Zähne. Für die Kinder bedeutet das häufig, dass eine Zahnspange notwendig wird.

In schweren Fällen kann sogar die Sprachentwicklung gehemmt werden, besonders wenn die Zähne im vorderen Bereich zu früh ausfallen. Wichtig für Kinderzähne ist auch die Versorgung mit Fluorid. Dieses Spurenelement kann bei richtiger Anwendung das Herauslösen von Mineralien aus dem Zahnschmelz hemmen und die Säureresistenz von Zähnen verbessern.

Allerdings müssen Eltern dabei auf die richtige Dosierung achten: „Bei einer Überversorgung mit Fluorid kann es zu einer sogenannten Zahnfluorose kommen”, erklärt Iris Burgard. Von einer Fluorose sind vor allem die bleibenden Zähne betroffen: Hier bilden sich deutlich sichtbare Verfärbungen auf der Zahnschmelzoberfläche. In besonders starken Fällen wird dadurch sogar die Widerstandskraft des Zahnschmelzes beeinträchtigt.

Über die richtige Versorgung von Kindern mit Fluorid gibt es daher anhaltende Diskussionen unter Fachleuten. So empfehlen Kinder- und Jugendärzte häufig, in den ersten zwei bis drei Lebensjahren Fluorid in Form von Tabletten oder Tropfen zu verabreichen. Die Härtung des Zahnschmelzes soll so bereits vor dem Durchbrechen der Zähne sichergestellt werden.

Zahnärztliche Fachgesellschaften gehen dagegen einen anderen Weg: Sie raten, auf Fluoridtabletten zu verzichten und stattdessen vom ersten Zähnchen an eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta zu verwenden. In diesen Zahnpasten ist weniger Fluorid enthalten als in Zahncremes für Erwachsene. Zusätzlich sollten die Milchzähne regelmäßig mit fluoridhaltigen Spezialgels versiegelt werden, um sie zu schützen. Hintergrund für diese Empfehlung sind aktuelle Forschungsergebnisse, denen zufolge Fluorid seine höchste Wirksamkeit entfaltet, wenn es direkt auf die Zähne aufgebracht wird.

„Das A und O für die Zahngesundheit ist aber die regelmäßige Pflege”, sagt Iris Burgard. Sie empfiehlt, Kindern möglichst früh die sogenannte KAI-Technik beizubringen. Diese Abkürzung steht für „Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen”. Lernen Kinder von Anfang an, ihre Zähne in dieser Reihenfolge zu putzen, gibt es für schädliche Bakterien kaum mehr Angriffsmöglichkeiten.

Kinder sollten auch dazu angehalten werden, morgens und abends die Zähne zu putzen. Zahnpflege wird so schnell ein normaler Teil des Alltags. Gerade zu Beginn ist es dabei wichtig, den Putzerfolg bei den Kleinsten zu überprüfen und übersehene Stellen nachzuputzen. Vor allem aber sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen - und selber regelmäßig ihre Zähne putzen.

20 Milchzähne

Kinder haben 20 Milchzähne. Pro Quadrant, wie Zahnärzte die jeweilige Hälfte des Ober- oder Unterkiefers nennen, sind das fünf Zähne: ein mittlerer und ein seitlicher Schneidezahn, ein Eckzahn und ein erster und zweiter Milchmahlzahn.

Der erste Zahn bricht meistens im Alter von acht bis zehn Monaten durch. Nur in seltenen Fällen sind bei der Geburt bereits Zähne vorhanden. Zuerst treten meist die zentralen Schneidezähne aus, gefolgt von den seitlichen Schneidezähnen.

Der erste Backenzahn erscheint mit durchschnittlich 16 Monaten, gefolgt von den Eckzähnen und den zweiten Backenzähnen. Mit etwa drei Jahren sind dann meist alle Zähne durchgebrochen.

Die ersten permanenten Zähne rücken gleich nach dem Ausfallen der ersten Milchzähne ab dem fünften Lebensjahr nach. Der Zahnwechsel ist normalerweise im Alter von etwa zwölf Jahren abgeschlossen. Manchmal kann es jedoch vorkommen, dass die Milchzähne länger im Gebiss bleiben, vor allem, wenn die nachrückenden Zähne nicht ausgebildet sind.
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