Schief abgelaufene Schuhe sind selten ein Grund zur Sorge

Von: Ilka Kreutzträger, dapd
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Frankfurt/Main/Wuppertal. Wer über seine Fußgesundheit Bescheid wissen möchte, sollte mal genau seine Schuhe anschauen. Wie sehen die Absätze aus, wo sind sie abgelaufen?

„Es ist normal, dass Schuhe sich ablaufen, aber es gibt ein richtiges und ein falsches Ablaufen”, sagt Ingo Tusk, Orthopäde aus Frankfurt am Main und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). „Normal ist es, dass wir den Fuß von hinten außen nach vorne innen abrollen, also von der äußeren Ferse zur Innenseite des großen Zehs.” Schräg nach außen abgelaufene Absätze seien daher völlig in Ordnung.

Anders sieht es aus, wenn die Schuhe auffallend unsymmetrisch abgelaufen sind. „Wer beobachtet, dass beispielsweise der linke Schuh deutlich schneller deutlich stärker abgelaufen ist als der rechte, sollte die Ursache auf jeden Fall vom Hausarzt oder vom Orthopäden klären lassen”, rät Tusk. Die Gründe für schief abgelaufene Schuhe könnten funktional oder physisch sein.

Dahinter könne unter anderem ein Knick-, Senk-, Hohl- oder Spreizfuß, eine Fehlstellung der Hüfte oder ein verkürztes Bein stecken, das müsse im Einzelfall geklärt und die Ursache behoben oder behandelt werden. Gerade das Sprunggelenk ist eines der am stärksten belasteten Gelenke, da auf ihm das gesamte Körpergewicht laste. Unbehandelte Fehlstellungen könnten langfristig zu chronischen Schmerzen führen, warnt Tusk.

Vor dem 7. Lebensjahr ist der Gang noch nicht ausgereift

„Eltern machen sich oft Sorgen, wenn Kinder Ihre Schuhe schief ablaufen”, weiß der Wuppertaler Orthopäde und Unfallchirurg Jörn Dohle, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (DAF). Aber die Erfahrung zeige, dass in den allermeisten Fällen keine gravierende Fehlstellung oder Fehlbelastung dahinterstecke. „Der menschliche Gang ist genauso unverwechselbar wie ein Fingerabdruck und es dauert etwa bis zum 7. Lebensjahr, ehe sich das Gangbild und die Koordination beim Gehen vollständig entwickelt haben.” Wenn also Kinder vor der Einschulung ihre Schuhe schief ablaufen, ist das laut Dohle meistens kein Problem und muss nur in seltenen Fällen mit einer Einlage oder ähnlichem korrigiert werden.

Die meisten Kinder unter vier Jahren hätten ohnehin Plattfüße, das gebe sich fast immer mit der Zeit. „Wenn die Schuhe allerdings links und rechts sehr ungleich abgelaufen werden, ist das ein Warnsignal und kann auf eine Fehlstellung hinweisen”, sagt Dohle. Die Eltern sollten dann dem Kinderarzt oder Orthopäden die unsymmetrisch abgelaufenen Schuhe zeigen.

Fußmuskulatur kräftigen

„Die beste Möglichkeit, um Fehlbelastungen der Füße zu vermeiden, ist es, die Sehnen, Bänder und Muskeln so früh wie möglich zu trainieren”, sagt Dohle und empfiehlt, von klein auf und so häufig es Wetter und Zeit zulassen, auf natürlichen Böden Barfuß zu laufen. „Das Laufen auf Rasen, Moos, Steinen oder Sand trainiert die Sinnesreize und die Fußmuskulatur.” Ein gutes Training für die Füße sei auch, barfuß auf den Fersen, auf dem Ballen oder auf den Fußaußen- und Innenseiten zu laufen. „Gerade für Kinder kann man ein Spiel daraus machen und so spielerisch Muskeln im Fuß aufbauen”, sagt Dohle.

Das gilt auch für Erwachsene. „Wir haben alle eine zu schwache Fußmuskulatur und die kann man mit kleinen Übungen auch im Büro und auf dem Sofa trainieren”, sagt Tusk. Zum Beispiel so: Schuhe ausziehen und unter dem Schreibtisch nach einem Bleistift greifen. Ein gutes Training sei es aus, abends auf dem Sofa mit nackten Füßen eine Zeitung in kleine Schnipsel zu zerreißen. „Mit solchen Übungen kann man sehr gut die Muskulatur im Fuß kräftigen und so dafür sorgen, dass die Füße gar nicht erst falsch belastet werden.”



Tipps zum Schuhkauf für Kinder: Viele Kinder tragen zu enge Schuhe. „Das kommt auch daher, weil Kinder oft Schwierigkeiten haben, sich zu melden, wenn ihnen die Schuhe nicht passen”, sagt der Wuppertaler Orthopäde und Unfallchirurg Jörn Dohle, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (DAF). Die Eltern sollten beim Schuhkauf auf drei Punkte achten, rät Dohle: „Ein Schuh ist dann ideal, wenn er dem Fuß das Gefühl gibt, als ob er barfuß auf Naturboden läuft”, sagt Dohle.

Um Fehlbelastungen zu vermeiden, brauchen die Zehen im Schuh genug Platz und müssen sich ganz bequem ausstrecken lassen. Zudem gehöre zu einem guten Schuh ein Fußbett mit einem Profil, das die natürliche Form des Fußes unterstütze und an der Innenseite gewölbt sei.

Außerdem müsse der Schuh ausreichend gedämpft sein und den Tritt abfedern, betont der Experte. Darum sollte die Sohle nicht zu dünn und zu hart sein. „Wenn die Kinder unbedingt einen Schuh möchten, der kein Fußbett und keine ausreichend gepufferte Sohle hat, kann eine maßgefertigte Einlage ausgleichen”, sagt Dohle. Solche Einlagen vom Orthopädietechniker kosten zwischen 40 und 70 Euro.

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