Washington - Schichtarbeit und Jetlag stören den Zuckerstoffwechsel

Schichtarbeit und Jetlag stören den Zuckerstoffwechsel

Von: dapd
Letzte Aktualisierung:

Washington. US-Forscher haben entdeckt, warum Schichtarbeit und Dauer-Jetlag das Risiko für Diabetes und Übergewicht erhöhen: Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät, kommt der Körper mit der Insulinproduktion nicht mehr nach.

Dadurch steigt nach einer Mahlzeit der Blutzuckerspiegel übermäßig an. Gleichzeitig lassen Schlafentzug und verschobener Tagesrhythmus den Grundumsatz des Stoffwechsels sinken. Beide Faktoren fördern das Entstehen von Diabetes, Übergewicht und anderen Stoffwechselproblemen, berichten Orfeu Buxton vom Brigham and Womens Hospital in Boston und seine Kollegen im Fachblatt „Science Translational Medicine” (doi: 10.1126/scitranslmed.3003200).

Ein Leben gegen die innere Uhr, etwa durch wiederholtes Reisen in unterschiedliche Zeitzonen oder den verschobenen Tagesrhythmus eines Schichtarbeiters, beeinträchtigt auf Dauer die Gesundheit. Das hatten bereits verschiedene Studien gezeigt.

So sind vor allem Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder das sogenannte metabolische Syndrom bei Schichtarbeitern sehr viel häufiger als bei Menschen mit geregelten Arbeitszeiten. Was dabei allerdings genau schiefläuft, ließ sich bisher nur schwer herausfinden, denn die meisten Daten stammen lediglich aus Vergleichsstudien zwischen verschiedenen Gruppen.

Buxton und seine Kollegen haben jetzt erstmals eine kontrollierte Laborstudie durchgeführt - mit Hilfe von 21 Freiwilligen, die sie dazu brachten, ganze 39 Tage in ihr Schlaflabor zu ziehen. Dort herrschte ausschließlich gedämpftes Licht, und die Probanden hatten keine Uhren oder sonstige Hinweise auf die aktuelle Zeit. Der eigentliche Test bestand aus drei Phasen: einer Eingewöhnungsperiode, einer dreiwöchigen Testphase und einer anschließenden neuntätigen Erholungsphase.

In Phase eins und drei wurde den Teilnehmern ausreichend Schlaf zur gewohnten Zeit zugestanden. In der Testphase durften sie maximal 6,5 Stunden schlafen - und zwar nicht im normalen 24-Stunden-Rhythmus, sondern in einem verlängerten 28-Stunden Rhythmus. Das sei, als würde man täglich unter einem Jetlag von vier Stunden bei gleichzeitigem Schlafmangel leiden, erläutert Studienleiter Buxton.

Zu wenig Insulin für zu viel Zucker

Die auffälligste Folge dieses Angriffs auf den Biorhythmus war eine Fehlsteuerung bei der Blutzuckerkontrolle: Sowohl in Hungerperioden als auch kurz nach einer Mahlzeit stieg der Blutzuckerspiegel zwischen 8 und 15 Prozent stärker an als zuvor.

Ursache sei eine Störung bei der Insulinproduktion, sagen die Forscher. Trotz der erhöhten Zuckerwerte schüttete die Bauchspeicheldrüse nicht mehr, sondern um bis zu 30 Prozent weniger Insulin aus als sonst.

Parallel dazu fuhr der Stoffwechsel seine Aktivität deutlich herunter: der Grundumsatz fiel im Schnitt um acht Prozent. Das reiche aus, um bei unverändertem Lebensstil pro Jahr mehr als fünf Kilogramm zuzunehmen, rechnen die Forscher vor.

Nach der Erholungsphase normalisierten sich zwar fast alle Werte wieder, ob das aber auch nach jahrelanger Schichtarbeit noch möglich sei, dürfe bezweifelt werden, merkt das Team an. Es empfiehlt daher dringend, die Arbeitszeiten von Schichtarbeitern so selten wie möglich zu wechseln und auch wiederholten Jetlag zu vermeiden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert