Elmshorn - Risikozuschläge: Versicherungen verlangen oft mehr Geld

Risikozuschläge: Versicherungen verlangen oft mehr Geld

Von: Oliver Mest, dapd
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Elmshorn. Risikozuschläge sind vor allem in der privaten Krankenversicherung, in der Berufsunfähigkeitsversicherung und in der privaten Pflegezusatzversicherung an der Tagesordnung.

Allergiker, Antragsteller mit Rückenleiden oder anderen, meist nicht einmal besonders schweren, Vorerkrankungen zahlen immer einen Aufschlag im Vergleich zu gesunden Antragstellern.

Auch für riskante Berufe und andere Risiken werden Zuschläge fällig. „Die Höhe der Zuschläge liegen im freien Ermessen der Versicherer”, erklärt der unabhängige Versicherungsberater Jörg Deppner.

„Vor allem psychische Erkrankungen werden mit Aufschlägen versehen, aber auch Allergien und Antragsteller, die zu dick sind, müssen mehr zahlen.”

Die Zuschläge sind happig: 50 Prozent und mehr Aufschlag auf den normalen Tarif sind keine Seltenheit. Dabei sind die Risikozuschläge nicht einmal das Schlimmste, was Versicherungswilligen passieren kann.

Manche Versicherer geben Kunden mit chronischen Beschwerden gar keinen Vertrag. Und das müssen sie auch nicht, denn alle privaten Versicherer können Antragsteller ablehnen - nur die gesetzlichen Krankenkassen müssen ihren Basistarif für jeden öffnen - auch für Antragsteller mit Vorerkrankungen.

Andere Gesellschaften versichern Antragsteller mit Vorerkrankungen zwar, aber zu ihren Bedingungen - und die sind hart, denn bestimmte Erkrankungen werden dann vom Schutz ausgenommen. „Ein unkalkulierbares Risiko für jeden Versicherten”, urteilt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten über die Ausschlüsse.

Denn die seien oft nicht klar und deutlich formuliert und bezögen sich nicht auf ein bestimmtes Krankheitsbild - damit ist eine Ablehnung im Leistungsfall ein Kinderspiel.

Risikovoranfragen stellen

Wer einen Zuschlag umgehen oder sogar Ablehnungen verhindern will, sollte nach Expertenmeinung nicht einfach wahllos Anfragen stellen, wenn er weiß, dass Krankheiten den Schutz schwierig machen. „Hilfreich kann es in dem Fall sein, eine Risikovoranfrage zu stellen”, sagt Berater Deppner.

Damit wird bei vielen Gesellschaften gleichzeitig ein Antrag gestellt, Ablehnungen müssen nicht bei neuen Anträgen angeben werden. „Das erhöht die Chancen, den gewünschten Versicherungsschutz zu bekommen”, erklärt Deppner.

Findet der Sachbearbeiter hingegen Hinweise auf erfolgte Ablehnungen, ist vernünftiger Schutz kaum noch zu bekommen. Grundsätzlich sehen die Verträge der Versicherer gelegentlich sogar vor, dass Zuschläge wieder gestrichen werden können, wenn die Vorerkrankung ausgeheilt ist.

„Allerdings sind das Kann-Bestimmungen”, erklärt Thorsten Rudnik, „Und damit wird der Versicherer sich schwertun.” Ein Recht zur Reduzierung von Zuschlägen ist auch in Paragraf 41a des Versicherungsvertragsgesetzes verbrieft - und kann notfalls sogar gerichtlich durchgesetzt werden, wie eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Coburg (Aktenzeichen: 32 S 131/00) zeigt.

Bei einem Privatversicherten war ein Rückenleiden nach Jahren ausgeheilt, so dass er kein erhöhtes Krankheitsrisiko mehr aufwies. Daher musste die private Krankenversicherung den Risikozuschlag streichen, entschieden die Coburger Richter.

Wenn eine „Alterkrankung” ausgeheilt ist oder sich wesentlich verbessert hat, hilft ein ärztliches Attest, um die Risikozuschläge aufheben zu lassen.

Das sollte bescheinigen, dass der Versicherte inzwischen genesen und sein Krankheitsrisiko nicht größer ist als das eines gesunden Versicherten. Danach sollte die Versicherung aufgefordert werden, den Beitrag entsprechend zu senken.

Wenn die Versicherung nicht reagiert oder den Beitrag nicht senkt, sollte zunächst der Ombudsmann der privaten Krankenversicherungen eingeschaltet werden. Er hilft kostenlos und kann eine Schlichtung mit der privaten Krankenkasse herbeiführen.

Versicherungsschutz ohne Gesundheitsprüfung?

Wer mit vielen Vorerkrankungen kämpft und keinen Versicherungsschutz bekommt, der findet vor allem bei Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherungen manchmal Angebote, die einen Vertrag ohne Gesundheitsprüfung vorsehen.

Allerdings sind solche Angebote mit Vorsicht zu genießen, wie Jörg Deppner erklärt: „Oft ist das Leistungsspektrum sehr stark eingeschränkt, die Verträge sehen nur geringe Zahlungen im Ernstfall vor, oder sie erfüllen schlicht nicht ihren Zweck.”

Bevor man also viel Geld in einen mehr oder weniger sinnlosen Schutz investiert, sollte man sich lieber mit Hilfe eines Experten auf die Suche nach einem Top-Schutz machen - auch wenn dafür Aufschlag fällig wird.
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