Risikofaktor Schilddrüse kann zu Schwangerschafts-Komplikationen führen

Von: Michael Draeke, ddp
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Bochum/Hannover. Eine Schwangerschaft bedeutet für den Körper viel Arbeit. Allein die Schilddrüse muss bis zu 50 Prozent mehr Hormone produzieren.

Als sichtbares Zeichen dieser Zusatzbelastung bekommen Schwangere oft einen dickeren Hals, denn das unter dem Kehlkopf liegende Organ schwillt in dieser Zeit an. Ist die Funktion der Schilddrüse indes gestört, können schwere Komplikationen bis hin zu einer Fehlgeburt auftreten.

Für die Entwicklung des Kindes haben die Schilddrüsenhormone eine zentrale Bedeutung. Sie sorgen dafür, dass der Fötus reibungslos wächst, fördern den Stoffwechsel und spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Nervenzellen.

Gerade im ersten Schwangerschaftsdrittel sei die Entwicklung des Kindes von einer gesunden mütterlichen Schilddrüse abhängig, betont der Bochumer Professor Helmut Schatz, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Die Schilddrüse des Kindes befindet sich in dieser Phase noch in der Entwicklung.

Damit die Schilddrüse der Mutter genug Hormone produzieren kann, ist vor allem eine ausreichende Versorgung mit Jod wichtig. Da eine jodreiche Ernährung mit viel Fisch, Fleisch oder Milch allein den erhöhten Bedarf von 150 bis 200 Mikrogramm pro Tag nicht immer decken kann, raten viele Frauenärzte zur Einnahme von Tabletten.

„Oft brechen die Frauen die Jod-Prophylaxe allerdings während der Schwangerschaft ab”, berichtet Christian Albring, Vorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte. Empfehlenswert sei aber, das Präparat bis zum Ende der Stillzeit einzunehmen.

Zu ernsten Komplikationen vor und während der Schwangerschaft kann insbesondere eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) führen.

Häufig tritt sie auf, weil das Organ entzündet ist. Aufgrund des entstehenden Hormonmangels könnten die Frauen dann oft gar nicht erst schwanger werden oder es komme im Extremfall schon in sehr frühen Stadien zu einer Fehlgeburt, warnt der Endokrinologe Schatz: „Etwa ein Drittel dieser Fehlgeburten wird von der Mutter nicht einmal bemerkt.”

Hält die Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen während der Schwangerschaft an, kann eine verzögerte geistige und körperliche Entwicklung des Neugeborenen die Folge sein.

Da sich eine Hypothyreose schleichend entwickelt, ist sie erst sehr spät an äußeren Zeichen erkennbar. Die betroffenen Frauen leiden dann an Verstopfung, sind antriebsswach, depressiv oder erkranken häufig an Infekten, wie Albring erläutert.

Für eine frühe Diagnose ist deshalb ein Bluttest nötig. Im Labor werde die Probe auf die Konzentration des Hormons TSH untersucht, erklärt der Gynäkologe. Ergibt die Analyse Anzeichen einer Unterfunktion, werden meist Hormonpräparate in Tablettenform verschrieben.

In vielen Fällen sind Fehlfunktionen der Schilddrüse Folge einer familiären Vorbelastung. Nach DGE-Schätzungen besitzt zum Beispiel etwa jede sechste Frau die Veranlagung, eine sogenannte Autoimmunthyreoiditis zu entwickeln.

Das Immunsystem greift bei dieser Erkrankung fälschlicherweise das körpereigene Schilddrüsengewebe an. Die Folge ist auch hier meist ein Hormonmangel, der das Risiko einer Fehlgeburt deutlich erhöht.

Und nicht zuletzt kann auch eine zu hohe Hormonproduktion der Schilddrüse Probleme bereiten (Hyperthyreose). Auslöser ist etwa in vielen Fällen die Autoimmunerkrankung „Morbus Basedow”, zu deren Symptomen unter anderem hervorstehende Augen zählen.

Weil auch das Hormon-Überangebot dem Kind schaden kann, muss der Hormonspiegel hier mit Medikamenten - sogenannter Thyreostatika - reguliert werden.

Da sowohl die Jodprophylaxe als auch die Hormonuntersuchung nicht zur Standardvorsorge gehören, sollten sich werdende Mütter laut Albring frühzeitig über mögliche Risiken informieren und ihren Arzt um Rat fragen.

„Viele unterschätzen die Probleme, die eine Schilddrüsenerkrankung mit sich bringen kann”, warnt der Verbandspräsident. Jod-Vorsorge und Test müssten werdende Mütter allerdings meistens privat bezahlen. Die Krankenkassen übernehmen den TSH-Test nach Albrings Angaben nur, wenn ein konkreter Verdacht für eine Erkrankung vorliegt.

Bereite die Schilddrüse vor oder während der Schwangerschaft Probleme, sei zudem eine einjährige Nachsorge wichtig, betont Schatz. Denn eine Thyreoiditis trete in manchen Fällen auch nach der Geburt auf.
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