Boston - Reizdarm: Antibiotikum kann langfristig Linderung verschaffen

Reizdarm: Antibiotikum kann langfristig Linderung verschaffen

Von: dapd
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Reizdarm: Antibiotikum kann langfristig Linderung verschaffen
Die Einnahme eines Antibiotikums kann die Symptome des Reizdarmsyndroms zumindest bei einigen Betroffenen effektiv und vor allem dauerhaft linder. US-amerikanische Mediziner haben nun nachgewiesen, dass es den Patienten auch nach mehreren Wochen, nach Beendigung der Therapie, deutlich besser als vor der Behandlung geht. Foto: dpa

Boston. Die Einnahme eines Antibiotikums kann die Symptome des Reizdarmsyndroms zumindest bei einigen Betroffenen effektiv und vor allem dauerhaft linder. US-amerikanische Mediziner haben nun nachgewiesen, dass es den Patienten auch nach mehreren Wochen, nach Beendigung der Therapie, deutlich besser als zuvor geht.

Das Ergebnis bestätigt ihrer Ansicht nach die bereits früher aufgestellte These, dass eine veränderte Darmflora eine der Ursachen für die Blähungen, den Durchfall und die Bauchschmerzen beim Reizdarmsyndrom ist.

Das von ihnen verwendete Breitbandantibiotikum Rifaximin scheint die Zusammensetzung und Anzahl der Mikroorganismen im Darm der Patienten so zu verändern, dass sich deren Darmtätigkeit normalisiert. Es wird normalerweise bei Durchfallerkrankungen eingesetzt und hat den Vorteil, dass es lediglich im Darm wirkt und praktisch nicht in den Blutkreislauf übergeht, berichten Mark Pimentel vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles und seine Kollegen.

Die Forscher, deren Arbeit zum Teil vom Rifaximin-Hersteller mitfinanziert wurde, stellen ihre Ergebnisse im Fachmagazin „New England Journal of Medicine” vor.

Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden unter Schmerzen und Unwohlsein im Bauchraum sowie meist einem veränderten Stuhlgang. Trotzdem finden sich meist weder sichtbare Veränderungen des Darmgewebes noch ein biochemisches Ungleichgewicht bei den Betroffenen. Warum die Patienten erkranken, ist daher nach wie vor unklar.

In der Diskussion sind eine veränderte Beweglichkeit des Darms, fehlgeleitete Immunreaktionen oder psychische beziehungsweise psychosomatische Ursachen. Dementsprechend werden als Gegenmaßnahmen bisher unter anderem bestimmte Diäten mit vielen Ballaststoffen, Antidepressiva oder auch Psychotherapien verordnet. Medikamente wie Abführmittel lindern zwar manchmal die Symptome, bekämpfen jedoch nicht die Ursache.

Bakterien im Visier

Mark Pimentel und seine Kollegen hatten bereits in früheren Studien einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Blähungen - einem der häufigsten Symptome bei Reizdarmsyndrom - und einer überdurchschnittlich starken Besiedelung des Dünndarms mit Bakterien entdeckt. Sie vermuteten daher, dass ein Breitbandantibiotikum diese Bakterien bekämpfen und so für eine Beruhigung des gereizten Darms sorgen könnte.

Für ihre aktuelle Studie wählten sie als Testantibiotikum Rifaximin, das vom Körper kaum aufgenommen wird. Zudem sind - bisher - nur sehr wenige Mikroben resistent gegen das Medikament, das in Deutschland gegen Durchfallerkrankungen zugelassen ist.

In der Studie erhielt die Hälfte von rund 1200 Patienten mit Reizdarmsyndrom das Medikament, die andere Hälfte zum Vergleich ein Placebo. Dreimal täglich über zwei Wochen mussten die Versuchsteilnehmer ihre Tablette einnehmen und wurden nicht nur während dieser Zeit, sondern auch noch zehn Wochen danach täglich nach ihrem Befinden befragt.

Etwa 40 Prozent der Patienten, die das Antibiotikum einnahmen, berichteten auch nach vier Wochen noch über eine deutliche Linderung von Symptomen wie Blutungen, Blähungen, Unterbauchschmerzen und Durchfall. In der Placebogruppe ging es rund 30 Prozent und damit statistisch gesehen signifikant weniger Patienten nach diesem Zeitraum besser. Nebenwirkungen traten kaum auf. In der Rifaximingruppe wurde zwar etwas häufiger über Erbrechen berichtet als in der Placebogruppe, dabei kann es sich jedoch auch um ein zufälliges Zusammentreffen handeln.

Da Rifaximin die Bakterienmenge im Darm reduziert, vermuten die Forscher zwei mögliche Auswirkungen des Medikaments: Es gibt entweder weniger schädigende Ausscheidungen der Bakterien oder die Immunreaktion auf die Bakterien bleibt aus. Auch eine Kombination beider Effekte sei denkbar. Zusammengefasst könne man das Fazit ziehen, dass eine Behandlung mit Rifaximin die Symptome des Reizdarmsyndroms besser lindere als ein Placebo, schreiben die Forscher.
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