Rasende Kopfschmerzen und steifer Nacken: Verdacht auf Meningitis

Von: Nina C. Zimmermann, dpa
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Meningitis
Typische Krankheitssymptome bei Meningitis sind plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost und Gelenkschmerzen. Foto: dpa

Hamburg/Marburg. Am Anfang dachte Johann Claus noch, er habe sich nur einen harmlosen grippalen Infekt eingefangen. Mehrere Tage fühlte er sich schlapp und fiebrig, manchmal war ihm schwindelig. „Und auf einmal bekam ich extreme Kopfschmerzen, als ob ich zu viel und zu schlechten Alkohol getrunken hätte”, erzählt der 31-Jährige aus Hamburg.

Wie Stromschläge seien sie ihm durch den Kopf geschossen, am liebsten hätte er permanent laut geschrien. „Besonders in der Nacht war es eine Tortur: Schlafen konnte ich gar nicht mehr.”

Normale Schmerzmittel brachten keine Linderung. Hinzu kamen heftige Nackenbeschwerden. „Irgendwann dachte ich: Das sind keine normalen Kopfschmerzen mehr und bin mit dem Taxi sofort ins nächste Krankenhaus gefahren”, sagt Claus. Dort stand die Diagnose schnell fest: Hirnhautentzündung.

Wesentliche Anzeichen für die auch Meningitis genannte Erkrankung seien in jedem Fall Fieber, Kopfschmerzen und ein steifer Nacken, bestätigt Prof. Sieghart Dittmann von der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken beim Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. „Oft bohrt sich der Kopf regelrecht ins Kissen”, ergänzt er. Benommenheit, Lichtempfindlichkeit oder Gelenkschmerzen kommen ebenfalls vor.

Übertragen werden die Erreger durch eine Tröpfcheninfektion, also etwa durch Küssen oder Niesen. Sie gelangen in den Nasen-Rachen-Raum des Angesteckten, durchbrechen irgendwann die Blutschranke und erreichen so das Gehirn. Daraufhin entzünden sich die Hirnhäute und fangen an zu schmerzen, der Nacken versteift sich. Bei Babys sind die Symptome weniger eindeutig: Das Kind hat Grippe-Symptome, wirkt teilnahmslos oder unruhig, möchte nicht trinken und ist berührungsempfindlich.

Zur Erleichterung von Johann Claus und seiner Ärzte handelte es sich bei ihm um eine virale Form der Infektionskrankheit. Sie verläuft in der Regel milder als die durch Bakterien ausgelösten Varianten. Diese deuten sich meist zusätzlich durch rot-violette Hautflecken an, die durch Einblutungen unter der Haut entstehen.

„Beim Verdacht auf Meningitis muss man schnell handeln”, sagt Uwe Meier vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. Besonders bei einer bakteriellen Meningitis zähle jede Stunde - unbehandelt sei die Sterblichkeit hoch, bei sehr spät therapierten Patienten blieben oft dauerhafte Schäden wie Lähmungen, epileptische Anfälle oder Gedächtnisstörungen zurück.

Ob es sich um eine virale oder eine bakterielle Meningitis handelt, wird durch eine Lumbalpunktion ermittelt - eine relativ schmerzfreie Angelegenheit, wie Johann Claus sich erinnert. Dazu wird Meier zufolge Nervenwasser zwischen den Dornfortsätzen der unteren Lendenwirbelsäule entnommen - dort, wo kein Rückenmark sitzt und die Entnahme unkritisch ist. Um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen, erfolgt außerdem oft eine Computer-Tomografie.

„Ist das Nervenwasser trübe, ist das meist schon der Hinweis, dass es sich um eine bakterielle Meningitis handelt”, erklärt Dittmann. Aber erst eine Laboranalyse ergibt nach der Punktion Genaueres: Verursacher können Pneumokokken, Meningokokken oder Haemophilus influenzae Typ b sein. Vorsichtshalber wird immer sofort ein Breitband-Antibiotikum verabreicht.

Bei einer viralen Meningitis ist die Nervenflüssigkeit dagegen wasserklar. Wurde sie durch Mumps- oder Masern-Viren ausgelöst, heilt sie laut Meier von sich aus ab. Sind Herpes-Viren schuld, helfen antivirale Medikamente.

Bei Johann Claus ebbten die Schmerzen schließlich nach drei Tagen unter Medikamenten langsam ab. Schlapp fühlte er sich allerdings noch länger. Und nach etwa zweieinhalb Wochen waren die Kopfschmerzen wieder da. Doch ein Gang zum Neurologen schließlich beruhigte ihn: Nach einer Hirnhautentzündung seien Kopfschmerzen über Monate hinweg normal. Damit die Beschwerden aber nicht chronisch werden, verordnete der Spezialist ihm stärkere Schmerzmittel.

Rückfälle seien eher die Ausnahme, beruhigt Meier. Auch die Wahrscheinlichkeit, zweimal zu erkranken, hält er für gering. Wichtig sei allerdings, dass der Patient gerade bei einer bakteriellen Meningitis die verschriebenen Antibiotika lange genug einnimmt.

So schützen Impfungen vor Meningitis

Um gegen eine bakterielle Meningitis gewappnet zu sein, sollten Kinder ab dem vollendeten zwölften Lebensmonat gegen Meningokokken C geimpft werden. Für Kinder bis einschließlich vier Jahren empfehlen Experten eine Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b und für Kinder bis zum zweiten Geburtstag eine gegen Pneumokokken. Bei älteren, bislang ungeimpften Kindern wird die Impfung am besten nachgeholt. Gegen virale Hirnhautentzündungen schützen Mumps- und Masern- oder Frühsommer-Meningoenzephalitis-(FSME)-Impfungen.

Der Name wurde auf Wunsch des Betroffenen geändert.

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