Psychotherapeuten fordern bessere Seelsorge für Organtransplantierte

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Düsseldorf. Psychotherapeuten fordern eine bessere seelische Betreuung von Patienten mit Organverpflanzungen.

„Wer die psychische Dimension einer Transplantation vernachlässigt, gefährdet den Erfolg der gesamten medizinischen Behandlung”, sagte die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW, Monika Konitzer, am Freitag in Düsseldorf. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, gehöre eine professionelle psychische Versorgung dieser Patienten in den Transplantationszentren nicht zur Regel.

Es fehle an „qualitativen Mindeststandards” für die Beratung, Diagnostik und Behandlung von seelischen Krisen und Krankheiten, die mit einer Organverpflanzung verbunden sein könnten. Jeder Patient solle nachfragen, ob das Zentrum über ein qualifiziertes psychosoziales Angebot verfüge, erklärte Konitzer.

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein geeignetes Organ. Jeden Tag sterben nach Expertenangaben drei Patienten, die auf den Wartelisten stehen. Der seelische Druck, der etwa durch Warten, Angst vor möglicherweise tödlicher Gewebeabstoßung oder durch das Bewusstsein entsteht, mit dem Organ eines Toten zu leben, könne Patienten bis zum Selbstmord treiben. Nach jüngsten Erhebungen setzten sechs Prozent der Nierentransplantierten ihrem Leben selbst ein Ende, erklärte Burkhard Tapp vom Bundesverband der Organtransplantieren (bdo). Kinder entwickelten vielfach Verhaltensauffälligkeiten.

Der Gesetzestext sei so „schwammig” formuliert, dass viele Spezialkliniken den Einsatz von Psychotherapeuten unter dem Kostendruck umgingen, kritisierte der bdo-Sprecher. Seine Organisation arbeite derzeit an einem Register mit bundesweit rund 200 geeigneten Therapeuten, die oftmals auch die Angehörigen der Patienten betreuen müssten.

Niemand könne den Patienten auf der Warteliste für ein Herz, Leber oder Niere die Angst und das Gefühl des Ausgeliefertseins nehmen, sagte die Psychotherapeutin Konitzer. Aber eine professionelle Psychotherapie könne verhindern, dass die Organverpflanzung „auch noch zu psychischen Verletzungen und Erkrankungen führt”. Nicht jeder denke daran, dass Psychotherapie im Umkreis der Transplantation „weit hilfreicher” sein könne als Beruhigungsmittel.
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