Programmierung während der Schwangerschaft

Von: dapd
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Schwangerschaft
Bereits im Mutterleib spielen die Gene eine wichtige Rolle - genauer gesagt, der Kampf der elterlichen Gene um Dominanz. Foto: dpa

New York. US-Forscher haben eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum Infektionen während der Schwangerschaft das Risiko für bestimmte psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Autismus erhöhen.

Wird in den Gehirnzellen künstlich die Menge eines für das Immunsystem wichtigen Proteins erhöht, beeinträchtigt das die Verknüpfung der Nervenzellen untereinander. Das konnten die Wissenschaftler jetzt bei Mäusen nachweisen. Ein ähnlicher Effekt könnte auftreten, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft infiziert, glauben die Forscher.

Die darauf folgende Immunreaktion wirke sich dann möglicherweise auch auf den Fötus aus, erhöhe bei diesem die Proteinproduktion und störe dadurch die Gehirnentwicklung. Allerdings müsse diese These erst gründlich geprüft werden, bevor tatsächlich Rückschlüsse auf die Entstehung von Schizophrenie und Autismus gezogen werden könnten, schreiben die Wissenschaftler um Daniel Kaufman von der University of California in Los Angeles im Fachmagazin „Journal of Neuroimmunology” (Onlineveröffentlichung vom 14.Oktober).

Das Immun-Eiweiß, das die Forscher für den Effekt verantwortlich machen, ist der sogenannte „Major Histocompatibility Complex” (MHC). Ihm wird nicht nur eine wichtige Rolle im Immunsystem zugeschrieben, sondern auch bei der Funktion von Nerven. MHC-Proteine befinden sich auf der Oberfläche von Körperzellen und kennzeichnen sie als „zum Körper gehörig”. Das Immunsystem kann dadurch fremde oder veränderte Zellen leichter erkennen und bekämpfen.

Außerdem befähigt es jedoch auch Nervenzellen, die richtigen Verbindungen zu anderen Neuronen im Gehirn aufzubauen. „Bei einer Infektion oder einer Verletzung des Gehirns produzieren die Nervenzellen mehr MHC”, sagt Kaufman. Ob erhöhte Mengen des Proteins auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen können, untersuchten die Forscher an Mäusen. Die Tiere waren genetisch so verändert, dass ihre Nervenzellen auch ohne eine Infektion eine erhöhte Menge an MHC herstellten.

Die Wissenschaftler untersuchten Hirnregionen der Mäuse, die am Sehen, Lernen und dem Gedächtnis beteiligt sind. Dabei zeigte sich, dass die Verbindungen der Nerven untereinander bei den genetisch veränderten Mäusen ungewöhnlich waren. Das werten die Forscher als ein Anzeichen für eine Beeinträchtigung normaler Hirnfunktion.

Die Forscher vermuten den Zusammenhang zwischen Infektionen und dem Auftreten von Verhaltensstörungen wie Schizophrenie und Autismus so: Infektionen lösen bei der Mutter Immunreaktionen aus, die zur Bildung von Alarmsignalen führen. Diese Botenstoffe zirkulieren dann in ihrem Blut und gelangen so auch in das sich entwickelnde Gehirn des Fötus. „Hier lösen sie bei den Nervenzellen die Bildung von MHC aus, das unseren Ergebnissen zufolge zu einer veränderten Vernetzung führen kann”, erklärt Kaufman den möglichen Zusammenhang.
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