Prion-Protein könnte Rolle beim Auslösen von Alzheimer spielen

Von: ddp
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Wenn der Geist geht, ist es für pflegende Angehörige wichtig, mit der Erkrankung eines geliebten Menschen umgehen zu können. Foto: ddp

London. Der bereits früher gehegte Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen Alzheimer und Prionen erhärtet sich: Die Eiweißfragmente, aus denen sich bei Alzheimer die typischen Plaques im Gehirn bilden, lösen anscheinend nur dann eine Schädigung der Gehirnzellen aus, wenn sie sich zuvor an die körpereigene Variante des Prion-Proteins angeheftet haben.

Darauf deuten jetzt die Ergebnisse einer Laborstudie amerikanischer Forscher hin. Zwar fehlt bisher die Bestätigung, dass das Duo auch im lebenden Organismus die Folge von Ereignissen anstößt, die schließlich zum Verlust des Gedächtnisses bei Alzheimer führt. Die Ergebnisse deuten jedoch einmal mehr darauf hin, dass das Prion-Protein eine wichtige Rolle bei der Erkrankung spielt und damit ein vielversprechendes Ziel für neue Therapien sein könnte. Das schreibt das Team um Juha Laurén von der Yale-Universität in New Haven im Fachmagazin „Nature” vor (Bd. 457, S. 1128).

Die typischen Alzheimer-Plaques bilden sich, wenn sich mehrere Exemplare eines Proteinfragments namens Abeta aneinanderlagern. Schon in frühen Stadien beginnen diese Abeta-Komplexe, die Kommunikation zwischen den Hirnzellen zu stören und damit die Bildung und Speicherung von Erinnerungen zu blockieren, und zwar indem sie an die Membranen der Neuronen andocken. Dabei scheinen sie mit verschiedenen Bindungspartnern kooperieren zu können, von denen jedoch bisher nur einige wenige bekannt sind.

Der wichtigste könnte das zelluläre Prion-Protein PrP-C sein, zeigt jetzt die neue Studie. Dieses Eiweißmolekül kommt unter anderem in den Membranen der Gehirnzellen vor und hat vermutlich verschiedene Funktionen, darunter die Regulation von Immunreaktionen, die Reaktion auf aggressive freie Radikale und die Regeneration von Neuronen. In seiner körpereigenen Form ist es vollkommen unschädlich für den Organismus, lediglich seine falsch gefaltete Variante, das PrP-Sc-Protein, gilt als Auslöser von Krankheiten wie BSE oder Creutzfeldt-Jakob. Allerdings hatten bereits frühere Studien darauf hingedeutet, dass das harmlose PrP-C auf irgendeine Weise mit dem Alzheimer-Protein Abeta in Beziehung steht.

Genau das konnten nun auch die Amerikaner zeigen: PrP-C und Abeta-Komplexe gehen zumindest im Labor eine feste Bindung miteinander ein. Wird diese Verbindung blockiert oder fehlt PrP-C, verliert der Abeta-Komplex seine Fähigkeit, die Kommunikation der Gehirnzellen zu stören. Vermutlich dockt demnach der Abeta-Komplex an das in den Zellmembranen lokalisierte PrP-C an, und das Duo löst gemeinsam die Reaktionskaskade aus, die schließlich zum Tod der Nervenzelle führt, schließen die Forscher.

Ob auch die potenziell krankmachende PrP-Sc-Variante daran beteiligt ist, ließe sich bislang nicht sagen - ebenso wenig wie sich beurteilen ließe, ob ein Eingreifen in diesen Mechanismus den Krankheitsverlauf beeinflusst. Ein Zusammenhang zwischen Alzheimer und Prion-Protein wird seit einiger Zeit unter anderem deswegen vermutet, weil sich der Verlauf sowie die genetischen Risikofaktoren für die Demenz und Prionenerkrankungen ähneln.
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