Hannover/München - Prämenstruelles Syndrom: Die Qual vor den Tagen lässt sich lindern

Prämenstruelles Syndrom: Die Qual vor den Tagen lässt sich lindern

Von: Bettina Levecke, dpa
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Periode menstruation
Bauchschmerzen und trübe Stimmung an den Tagen vor den Tagen: Fast jede Frau zwischen Mitte 30 und Mitte 40 ist vom prämenstruellen Syndrom betroffen. Foto: dpa

Hannover/München. Migräne, Bauchkrämpfe und Stimmungsschwankungen an den Tagen vor der Periode: Viele Frauen leiden Monat für Monat unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS). Alles ganz normal? Experten warnen, sich mit den „schlechten Tagen vor den Tagen” zu arrangieren.

Denn: Unbehandelt kann sich PMS nicht nur verschlimmern, auch das Brustkrebsrisiko steigt.

Immer zwei Tage vor der Regel geht es bei Amelie M. aus Hannover los. Sie bekommt Schmerzen im Unterbauch und Rücken, die Brüste spannen und werden extrem berührungsempfindlich: „Von einem Tag auf den anderen bin ich wie ausgewechselt, mal gereizt und dann wieder ängstlich und traurig.” Mit Einsetzen der Periode ist der Spuk wieder vorbei: „Es ist so, als würde man einen Schalter umlegen.”

Über 150 verschiedene PMS-Symptome sind mittlerweile bekannt. „Fast jede Frau im Alter zwischen 35 und 45 Jahren hat Beschwerden vor der Menstruation”, sagt Christina Lamertz, Fachbuchautorin aus Hamburg. Körperlich äußert sich PMS zum Beispiel in Schlafstörungen, Kopfschmerzen, plötzlicher Gewichtszunahme oder schweren Brüsten und Beinen, seelisch vor allem in starken Stimmungsschwankungen: „Manche Frauen erleben sich jetzt extrem reizbar oder wütend, andere sind depressiv, traurig oder antriebslos”, sagt Jörg Puchta vom Hormon Zentrum in München.

Grund für die Veränderungen vor der Menstruation ist eine hormonelle Störung im Körper. „Die Leithormone Östrogen und Progesteron sind in ihrer Balance gestört”, erklärt Puchta. „Es ist deshalb sehr wichtig, PMS zu behandeln, denn ohne Therapie steigt auch das Brustkrebsrisiko.”

Tatsächlich zeigt sich das PMS nicht nur direkt vor der Periode: „Bei manchen Frauen äußern sich die Symptome schon wenige Tage nach dem Eisprung, quasi ab der Mitte des Zyklus”, sagt Lamertz. „Und das bedeutet jeden Monat schlimmstenfalls zwei Wochen Beschwerden.” In fünf Prozent der Fälle ist das Syndrom sogar so stark, dass eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt. „Die betroffenen Frauen leiden unter heftigen depressiven Verstimmungen, tagelanger Migräne oder starken Erschöpfungszuständen, ähnlich dem Burn-Out”, sagt Puchta und ergänzt: „Das PMS kann das Leben Betroffener massiv einschränken.”

Doch wie finden Frauen heraus, ob es sich bei ihnen wirklich um ein PMS handelt? „Führen Sie zwei bis drei Monate ein Tagebuch, in dem Sie täglich Ihre psychische und körperliche Verfassung beschreiben”, empfiehlt Lamertz. Wird auf diese Weise deutlich, dass die Symptome ausschließlich immer zum gleichen Zeitpunkt im Zyklus auftreten, ist ein PMS sehr wahrscheinlich. „Manche Frauen haben zum Beispiel immer kurz vor der Periode Migräne, ohne dass jemals damit in Verbindung gebracht zu haben”, sagt Puchta.

Bei leichten Erscheinungsformen des PMS können pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer, Nachtkerzenöl oder hoch dosiertes Johanniskraut Linderung verschaffen: „Die Anwendung sollte aber in Absprache mit dem Gynäkologen erfolgen”, rät Lamertz. Oft werde betroffenen Frauen die Anti-Baby-Pille als Therapie empfohlen. „Es ist einen Versuch wert”, sagt sie, schränkt aber ein: „Bei manchen Frauen verschlimmern sich dadurch aber auch die Symptome, besonders die depressiven Verstimmungen.”

Bei einem starken PMS sollte der Hormonspiegel gemessen werden: „Nur so lässt sich herausfinden, was im Körper tatsächlich passiert”, sagt Puchta. „Die Störung kann dann mit natürlichen Hormonen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.”

Für Frauen, die besonders unter Stimmungsschwankungen leiden, können Antidepressiva eine Lösung sein: „Es gibt heute ganz sanfte Medikamente, die minimal dosiert sind und sehr stabilisierend wirken”, erklärt Lamertz. „Die Erfolgsquote bei Antidepressiva liegt bei 55 bis 90 Prozent”, ergänzt Prof. Anton-Michael Bergant von der Medizinischen Universität Innsbruck.

Auch in Eigenregie lässt sich einiges bewirken: „Dreimal pro Woche körperliches Training hilft vielen Frauen gegen die Beschwerden”, sagt Bergant. So belegen Studien, dass Sport hormonelle Störungen lindert. Der Körper schüttet zudem Endorphine aus, die glücklich machen. Auch eine Ernährungsumstellung kann helfen, sagt der Mediziner: „Der Verzicht auf Nikotin, Kaffee, Alkohol und schwer verträgliche Nahrungsmittel kann erhebliche Linderung verschaffen.” Lamertz empfiehlt betroffenen Frauen, auf das Gewicht zu achten - übergewichtige Frauen leiden häufiger unter PMS.

Zur eigenen Expertin werden

Pflanzliche Mittel, Hormontherapie, Pille, Sport oder Akupunktur gegen das prämenstruelle Syndrom (PMS)? „Die Liste der PMS-Therapiemöglichkeiten ist lang”, sagt die Fachbuchautorin Christina Lamertz. Frauen sollten deshalb zur eigenen Expertin werden und ausprobieren, was ihnen wirklich gut tut. Neben der Suche zur Lösung des Problems sollten sie sich viel Zeit für Entspannung nehmen, denn Stress kann das PMS verstärken: „Ob Sauna, tägliche Spaziergänge, kleine Auszeiten im Alltag, schmeicheln Sie Ihrer Seele mit guten Dingen”, rät Lamertz.

Christina Lamertz u.a.: PMS. Probleme vor der Regel. Das Prämenstruelle Syndrom erkennen, behandeln, überwinden, Mosaik, ISBN: 978-3-576-10773-1, derzeit nur gebraucht erhältlich.

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