OP statt Brille: Laseroperation gegen Fehlsichtigkeit nicht für jeden geeignet

Von: Iris Hinneburg, ddp
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Mit der Lasertechnik lässt sich eine Fehlsichtigkeit bis zu zehn Dioptrien korrigieren. Foto: ddp

Halle/München. Brillen sind manchmal wirklich unpraktisch. Sie beschlagen im unpassenden Moment, sind ständig schmutzig oder zerbrechen sogar. Besonders dicke Brillengläser wirken darüber hinaus etwas unästhetisch.

Auch Kontaktlinsen sind nicht für jeden eine Option, da sie die Augen reizen können und in einer staubigen Umgebung meist nicht einsetzbar sind. Eine Alternative zu solchen Hilfsmitteln kann eine Laseroperation sein.

Das dabei am häufigsten genutzte Verfahren heißt Lasik („Laser-in-situ-Keratomileusis”). Dabei werden mittels Laser Teile der Hornhaut abgetragen. Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und auch Hornhautverkrümmungen werden so seit etwa 20 Jahren korrigiert. Nach Angaben des Verbandes der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR) in Grafrath werden weltweit etwa 3,5 Millionen Lasik-Operationen pro Jahr durchgeführt.

„Wer eine Operation in Erwägung zieht, sollte sich vorher umfassend beraten und untersuchen lassen”, empfiehlt der Augenarzt Laszlo Kiraly vom Refraktiven Zentrum der Universitäts-Augenklinik in Halle. Nicht für jeden sei diese Korrektur der Fehlsichtigkeit geeignet. So könnten Augenerkrankungen wie Grauer oder Grüner Star, Durchblutungsstörungen der Netzhaut oder eine zu dünne Hornhaut des Auges gegen das Lasik-Verfahren sprechen, da das Auge aufgrund dieser Leiden sowieso schon geschädigt sei. Chirurgische Eingriffe, die nicht unbedingt notwendig sind, gelte es dann zu vermeiden. Auch dürfe Lasik erst bei Patienten ab 18 Jahren eingesetzt werden, da vorher das Augenwachstum noch nicht abgeschlossen ist.

Kiraly gibt zu bedenken, dass es keine hundertprozentige Garantie auf Erfolg der Behandlung gibt: „Besonders bei starker Fehlsichtigkeit kann die Korrektur in einigen Fällen nicht vollständig sein.” Nachoperationen seien mitunter nötig. Es lasse sich außerdem nicht ganz ausschließen, dass es nach dem Eingriff zu einem dauerhaft verschlechterten Sehen in der Dämmerung und nachts komme. Dieses Phänomen trete insbesondere dann auf, wenn eine sehr starke Fehlsichtigkeit von mehr als fünf Dioptrien korrigiert wurde. Zudem drohen Entzündungen aufgrund des Eingriffs.

Den Operationserfolg könne der Patient aber mit seinem Verhalten teilweise selbst beeinflussen: „Das Infektions- und Entzündungsrisiko kann durch die konsequente Verwendung der verordneten Augentropfen deutlich reduziert werden”, betont Kiraly. „In der ersten Woche nach der Laseroperation sollte man das Auge weder schminken noch an ihm reiben. Schwimmen oder Tauchen ist erst frühestens zwei Wochen nach der Hornhautkorrektur möglich.” Auch die Nachuntersuchung vier bis sechs Wochen nach der Operation sei wichtig, um eine mögliche Narbenbildung oder Verwachsungen schnell erkennen zu können. „Treten starke Schmerzen oder eine plötzliche Sehverschlechterung auf, sollte der Patient sofort zum Arzt gehen”, sagt Kiraly.

Für den Tag des Eingriffs gilt: „Der Patient sollte auf jeden Fall eine Begleitperson mitbringen, denn in den ersten Stunden nach der Operation ist man noch nicht verkehrstüchtig”, sagt Laszlo Kiraly. Die vollständige Sehschärfe setze erst nach einigen Stunden ein.

Wer über eine Laserkorrektur seiner Fehlsichtigkeit nachdenkt, sollte großen Wert auf die Auswahl der Klinik legen, empfiehlt Professor Michael Knorz von der Kommission Refraktive Chirurgie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in München. Er nennt das wichtigste Auswahlkriterium: „Die Klinik sollte am besten das Gütesiegel Lasik-TÜV tragen.” Wenn ein Augenarzt dieses Gütesiegel beantrage, müsse er ein Qualitätsmanagementsystem vorweisen sowie eine Grundausbildung in dieser Operationsmethode absolviert haben.

Das Wissen muss außerdem durch jährliche Fortbildungen auf dem neuesten Stand gehalten werden. Dazu kommt der Nachweis von 1000 Lasik-Operationen in den letzten fünf Jahren. Auch müssen Hygienestandards eingehalten werden. Knorz fügt hinzu: „Das Lasik-TÜV-Siegel ist das einzige, das jährlich nicht nur die Prozessqualität, sondern auch die Ergebnisqualität prüft.” Konkret bedeute das eine geringe Rate von Komplikationen und Nachoperationen sowie einen ausreichenden Erfolg des entsprechenden Facharztes: Bei 90 Prozent der Patienten darf die Fehlsichtigkeit nach der Operation höchstens noch plus/minus 0,5 Dioptrien betragen.

Die Kosten für die Laseroperation sowie die notwendigen Vor- und Nachuntersuchungen werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ob die private Kasse zahle, müsse im individuellen Fall abgeklärt werden, erläutert Knorz. Das Honorar werde nach der Gebührenordnung für Ärzte (GÖA) berechnet und sollte vor der Operation schriftlich vereinbart werden. „Der Patient muss mit Kosten von 2000 bis 2500 Euro pro Auge rechnen”, sagt der Experte.

Für die Erholungsphase nach der Operation könne keine Krankschreibung erfolgen, da es sich um eine selbst verschuldete Arbeitsunfähigkeit handle. Deshalb sollte für den Tag der ambulanten Operation und einige Tage danach Urlaub eingeplant werden.

Behandlungsablauf einer Laseroperation

Die Laserbehandlung wird unter örtlicher Betäubung des Auges vorgenommen und verläuft üblicherweise nahezu schmerzfrei. Die Operation dauert in der Regel nur wenige Minuten. In dieser Zeit wird das Auge mit einer Lidsperre offen gehalten. Mit Hilfe eines Lasers wird zuerst die oberste Schicht der Hornhaut eingeschnitten und zurückgeklappt.

Im Inneren der Hornhaut wird dann ebenfalls per Laser Gewebe abgetragen, bis die zuvor errechnete Korrektur erreicht ist. Die oberste Schicht wird zurückgeklappt und wächst von selbst wieder an.
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