Nächtliches Knirschen schadet Zähnen und Knochen

Von: Barbara Erbe, dapd
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Muskelverspannungen beim Aufwachen, „Muskelkater” der Kaumuskulatur, Kopfschmerzen im vorderen Schläfenbereich oder an den Ohren: Alle diese Beschwerden können darauf hinweisen, dass ein Mensch zum Kreis der regelmäßigen Zähneknirscher gehört. Foto: dapd

Aachen/Bremervörde. Muskelverspannungen beim Aufwachen, „Muskelkater” der Kaumuskulatur, Kopfschmerzen im vorderen Schläfenbereich oder an den Ohren: Alle diese Beschwerden können darauf hinweisen, dass ein Mensch zum Kreis der regelmäßigen Zähneknirscher gehört, sagt die Vorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Kieferorthopäden Gundi Mindermann.

„Um einen solchen Verdacht abzuklären, brauchen wir Zahnärzte nur einen kurzen Blick in den Mundraum der Betroffenen zu werfen”, erläutert die in Bremervörde praktizierende Kieferorthopädin.

„Eckzähne mit abgeschmirgelten Spitzen, wellige Schneidezähne und alle Arten von Abriebstellen zeigen uns sofort, welche Kräfte da am Wirken sind.” Und die sind nicht ohne. „Wer über Jahre ungebremst knirscht, kann seine Zähne schlimmstenfalls bis aufs Zahnfleisch heruntermahlen”, warnt Mindermann . Der Nerv ziehe sich dann Stück für Stück zurück, so dass der jeweilige Zahn beim Knirschen nicht mehr schmerze.

Kaumuskeln sind am stärksten

Die Kaumuskeln sind - im Verhältnis zu ihrer Größe - die stärksten Muskeln des Körpers. „Bis zu 40 Kilogramm Druck üben sie beim Essen pro Quadratzentimeter auf die Oberflächen der Backenzähne aus”, sagt Mindermann, die auch die stellvertretende Vorsitzende der Initiative Kiefergesundheit ist.

Tun sie das ohne die Notwendigkeit, Nahrung zu zerkleinern, sprechen Zahnärzte von „Bruxismus”, also Zähneknirschen oder -pressen. „Die Beißkräfte wirken dann über viele Stunden ein, also wesentlich länger als ein Mensch pro Tag seine Zähne zum Kauen benutzt.”

Wer knirscht, arbeite sich dabei in den meisten Fällen an beruflichem oder persönlichem Stress ab, sagt Sabine Köhler, Leiterin des MDZ, des Medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte und selbst praktizierende Zahnärztin: „Heulen und Zähneknirschen stehen ja nicht umsonst schon in der Bibel - es ist ein Weg der Stressverarbeitung, der zum Menschen dazugehört.” Geknirscht wird meist in unbeobachteten Momenten, vor allem im Schlaf. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) schätzt, dass etwa ein Drittel aller Deutschen mit den Zähnen knirscht.

Kinder knirschen häufiger

Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Anteil noch höher. Das liegt zum einen daran, dass sich das richtige Zusammenspiel von oberer und unterer Zahnreihe bei ihnen erst noch finden muss. Die Zunahme von Zähneknirschen bei Kindern in den vergangenen Jahren lasse sich damit aber nicht erklären, betont Kieferorthopädin Mindermann. „Das liegt aller Wahrscheinlichkeit nach daran, dass der Druck, den Schule und Gesellschaft auf Kinder und Jugendliche ausüben, größer geworden ist.” Auch junge Erwachsene zwischen 30 und 40 zählen häufig zu den Knirschern. „Das ist beruflich und familiär für viele die Hauptstresszeit im Leben - die Zähne sind dann das Ventil.” Um gegenzusteuern, empfiehlt die Ärztin Stressabbau und Entspannungstechniken wie Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga und Sport. „Wichtig ist, dass sich die Betroffenen ihres Knirschens bewusst werden und sich für Gegenmaßnahmen täglich Zeit nehmen”, betont Sabine Köhler vom MDZ. Zwtl:. Anspannung ist nicht immer die Ursache Faktoren wie Anspannung, Stress oder Angst sind aber nicht immer für das Problem verantwortlich. Manchmal steckt schlicht und einfach die Anatomie dahinter. „Ein verschobener Kiefer oder auch bestimmte Fehlstellungen der Zähne können Knirschen befördern oder sogar hervorrufen. Dann gilt es, die körperlichen Ursachen mit Hilfe von Zahnmedizin und Physiotherapie zu behandeln”, sagt die Leiterin des Medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte. So wirken speziell ausgebildete Physiotherapeuten durch Massagen, Entspannungsübungen und die Stimulation bestimmter Körperregionen auf den Kiefer ein, während Kieferorthopäden fehlgestellte Zähne regulieren. dapd/bbe/syb
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