Nackt unter fremden Händen: Schamgefühl bei der Massage ist normal

Von: ddp
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Eine Masssage kann sehr entspannend wirken - doch viele Menschen haben ein ausgeprägtes Schamgefühl, was ihnen das Nacktsein vor fremden Menschen erschwert. Foto: ddp

Köln. Massieren soll entspannen, Körper und Seele wohltun. Was aber, wenn man sich schon beim Entkleiden verkrampft? „Es kommt immer wieder vor, dass Kunden sich schämen, sich nackt zu zeigen”, berichtet Uwe Boving von der Massagepraxis WellRelaxing in Köln.

Statt vollends enthüllt stehen sie betreten in Slip und BH vor ihm, wickeln sich schon vorsorglich ein Handtuch um die Lenden oder verschränken die Arme vor der Brust.

Wer sich, womöglich auch noch dank eines Gutscheins, zum ersten Mal in die Hände eines Masseurs wagt, ist Bovings Beobachtung nach besonders gefährdet, vor der ersten Anwendung von der Nacktscham übermannt zu werden. Das Gefühl sei vollkommen normal, beruhigt er, und begleite den Menschen seit Menschengedenken.

Die Emotion wird ausgelöst durch das Unwohlsein mit sich selbst, in dem Augenblick, in dem man dem Blick des Anderen ausgeliefert ist und sich damit „in diesem verminderten, abhängigen und erstarrten Objekt, das ich für den Anderen bin, wiedererkennt”, wie der französische Philosoph Jean-Paul Sartre es beschrieb. Nur Adam und Eva zeigten einander ihre Leiber ohne Scheu.

Wer jedoch die Befangenheit, sich unbekleidet zu zeigen, niederkämpft, wird sie nur verstärken. Boving rät deshalb: „Nicht unterdrücken, zulassen und sich mit dem Gefühl auseinandersetzen! Mit jeder Massage wird dann die Scham schwinden.” Hinter dem Unwohlsein stecken nämlich Ängste und die stete Konfrontation ist eine der patentesten Methoden, um Furcht abzubauen.

Kleine Tricks können dabei helfen, die Nacktscham sukzessive zu überwinden. Nicht selten etwa fällt es Frauen leichter, sich vor einer Masseurin zu entkleiden, als sich nackt auf den Tisch eines Masseurs zu legen. Geschlechtervorlieben seien absolut in Ordnung, findet Boving. In Wellnesszentren können Kunden sogar oft wählen, ob sie von einem Mann oder einer Frau behandelt werden wollen. Für jeden schmerzenden Rücken findet sich noch immer ein geeigneter Masseur oder eine geeignete Masseurin.

Boving ermuntert Kunden mit ausgeprägtem Schamgefühl auch, sich mitzuteilen. „Das Wichtigste ist, dass die Menschen sich wohlfühlen”, findet er. Nicht immer ist es zudem nötig, sich auszuziehen - eine Hand-, Fuß- oder Gesichtsmassage, bei der man bekleidet bleibt, kann ebenfalls entspannen.

Die traditionelle Thaimassage findet vollständig bekleidet auf einer Bodenmatte statt. Der Körper wird in verschiedene Streck- und Dehnpositionen gezogen und entlang der Energielinien mit Knien, Handballen, Ellbogen oder Füßen bearbeitet. Auch für die klassische Physiotherapie, bei der gezielt verspannte Partien mit Friktionen und Knetgriffen gelockert werden, muss man sich nicht unbedingt nackt ausziehen. Dagegen fallen bei einer entspannenden Ganzkörpermassage, etwa der ayurvedischen Ölmassage oder der hawaiianischen Technik, alle Hüllen.

Noch ein Tipp für besonders Schamhafte: In vielen Massagepraxen wird der Po während der Anwendung mit einem Handtuch bedeckt. Wer keines bekommen hat, sollte getrost eines verlangen. Auch muss niemand eine Massage am Gesäßmuskel stillschweigend hinnehmen. Viele Masseure sind dankbar, wenn ihre Kunden ihnen mitteilen, was ihnen guttut und was sie peinlich berührt.
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