Mut zum Damenrad: So hält Fahrradfahren wirklich gesund

Von: Johanna Uchtmann, dpa
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Fahrradfahren
Frisur kaputt? Egal! Wer auf dem Weg zur Arbeit in die Pedale tritt, lebt gesünder - das A und O für gesundes Radfahren ist aber das richtige Gefährt. Foto: dapd

Saarbrücken. Sich vom Fahrradhelm jeden Morgen die Frisur ruinieren zu lassen, lohnt sich. Schließlich hält es fit, täglich etwa zur Arbeit zu radeln. Unter den Hobby-Sportarten genießt Radfahren einen besonders guten Ruf.

Es schont Gelenke, ist gut für das Herz und die Figur. Das gilt aber nur, wenn Radler ein passendes Gefährt haben und mit der richtigen Haltung in die Pedale treten. Und nicht zuletzt kommt es auf eine gesunde Einstellung an.

Grundsätzlich tut Fahrradfahren jedem gut. Da sind sich die Experten wie Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) einig. Es sei eine gute Möglichkeit, „wohldosiert” etwas Bewegung in den Alltag einzubauen. Die beiden anderen verbreiteten Ausdauersportarten sind Schwimmen und Joggen. Warum sollten Freizeitsportler nun den Drahtesel dem Laufschuh und der Badehose vorziehen? Für Andreas Strack, den pädagogischen Leiter der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, heißen die schlagenden Argumente: mehr Strecke und mehr Geschwindigkeit.

Stracks Theorie: Jogger sehen nicht so viel von der Welt wie Radler. Denn diese können weitere Strecke zurücklegen. „Sie kommen viel mehr rum”, erklärt Strack. Das motiviert. Und wer motiviert ist, tritt öfter in die Pedale. Gleiches gelte für den Geschwindigkeitsvorteil: „Das Fahrrad ist technisch gesehen das genialste Gerät, was in der Lage ist, die Muskelkraft des Menschen zu übertragen.” Geschwindigkeit zu erleben, das reizt, und der Hobbyradler bleibt am Ball.

Obwohl das Radfahren hauptsächlich die Beinmuskeln kräftigt, wirkt es sich auch positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, sagt Strack. Außerdem ist Radeln gelenkschonend: „Wenn Sie untrainiert zu häufig und zu lange joggen und vielleicht sogar Übergewicht haben, dann können irgendwann kleinere oder größere orthopädischen Probleme die Folge sein”, so Strack. Beim Radfahren sei diese Gefahr geringer, weil das Rad das Gewicht stütze. Dieses Risiko sei zwar beim Schwimmen noch geringer. Allerdings gelte: „Die meisten können sich zwar über Wasser halten, aber wenn sie technisch nicht sauber schwimmen, kann sich das auch negativ auswirken.”

In Sachen Effektivität wird das Radeln aber von anderen Sportarten abgehängt: „Sie müssen immer beim Radfahren eine deutlich höhere Trainingsdauer pro Trainingseinheit einkalkulieren”, erklärt Strack. Radler brauchten etwa doppelt so lange wie Jogger, um denselben Trainingseffekt des Herz-Kreislauf-Systems zu erzielen. Schwimmen sei in dieser Hinsicht etwa mit Joggen vergleichbar. Der Grund: Radfahren beanspruche nicht so viele Körperpartien gleichzeitig.

Das A und O für gesundes Radfahren sei das richtige Gefährt, sagt Detjen. Ein falsches oder falsch eingestelltes Rad könne den positiven Effekt der Bewegung zunichtemachen. „Es gibt nicht das Fahrrad für jedermann.” Die AGR hat deshalb Tipps für den Fahrradkauf zusammengestellt. Einer lautet: Mut zum Damenrad - das gilt auch für Herren. „Ein klassisches Herrenrad hat eine Stange, das muss aber nicht sein”, findet Detjen. Ein Rad mit Stange zu bauen, sei in der Produktion günstiger. Aufsatteln geht dann aber nur mit Schwung und gestrecktem Bein - und zulasten des Rückens. Den tiefen Einstieg dagegen könnten gerade ältere Menschen leichter bewältigen.

Die perfekte Sitzposition sei ein nicht ganz aufrechter, sondern leicht nach vorn gebeugter Oberkörper - maximal um 30 Prozent, rät die AGR. Der Fußballen sollte direkt über der Achse des Pedals stehen, das schone die Gelenke.

„Radfahren hat den Vorteil, dass der Körper ein Signal gibt, wenn es nicht mehr geht”, sagt Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). „Der Punkt, an dem man nicht mehr kann, ist relativ klar, und dann hört man einfach auf.” Allerdings müssen Radler die Signale auch verstehen. Detjen weist darauf hin, dass manche Hobby-Radler die Schmerzen vom falschen Fahren nicht während ihrer Touren, sondern erst später haben. „Manche bringen das gar nicht mit dem Fahrrad in Verbindung.” Wichtig ist daher, sich nicht zu übernehmen: Regelmäßiges Fahren sei gesünder als Mammut-Touren, sagt Cibulski. „30 Minuten am Tag machen definitiv fit.”

Wenn man länger mit einem falschen Fahrrad fährt, und das auch noch mit einer falschen Haltung, könne das zu akuten Problemen führen, sagt Strack. Beim Radfahren könnten Schmerzen in den Knien, den Handgelenken oder im Nacken die Folge sein. Wer permanent falsch fahre, könne sogar chronische Probleme mit den Gelenken oder dem Rücken bekommen.

Heimtrainer hat gleichen Trainingseffekt wie Radeln

Heimtrainer erzielen den gleichen Trainingseffekt wie das Radeln in der freien Natur. „Zwar ist frische Luft sicher besser”, sagt Andreas Strack von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Aber die Trainingseffekte für das Herz-Kreislauf-System seien vergleichbar. Ein Nachteil des Trimmrads im Wohnzimmer sei das andere Trainingsverhalten. Drinnen bleibe man in der Regel nicht so lange am Ball wie in der Natur.
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