Muskeltraining mit Funktionsschuhen

Von: Nadine Hantke, dpa
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Funktionsschuhe sehen mit der dicken Sohle nicht immer sexy aus - aber sie sollen gut für die Haltung sein. Foto dpa Foto: dpa

Essen. Straffere Oberschenkel, knackiger Po - so werben die Hersteller von Funktionsschuhen, um ihre neuesten Modelle an die Kunden zu bringen. Doch nicht jeder Weg zur Traumfigur führt über Schuhe.

Funktionsschuhe gibt es nicht erst seit diesem Jahr, sie heißen nur neuerdings so. Bereits Ende der 90er Jahre brachte die Massai-Group mit MBT (Masai Barefoot Technology) seine „Barfußtechnologie” auf den Markt. Diese simulierte das Laufen auf natürlichem, weichem Boden wie beispielsweise Sand. Den „natürlichen” Gang wollen auch die Funktionsschuhe der neusten Generation nachahmen. Dies funktioniert vor allem mit Instabilität.

„Funktionsschuhe könnte man auch Instabilitäts-Schuhe nennen”, findet Professor Ewald Hennig vom Institut für Biomechanik der Universität Duisburg-Essen. Diese Instabilität des Ganges sei jedoch durchaus positiv zu bewerten.

„Sie sorgt für ein variableres Gangbild und lässt uns neue motorische Programme erlernen. Die Muskulatur wird variabler und vermehrt eingesetzt und Belastungen auf Knie oder Rücken werden vermindert”, erklärt Hennig. Eine Wohltat also für den modernen Menschen, der tagtäglich über Asphalt läuft. „Heutzutage gehen wir fast nur auf festen Böden mit demselben Gehmuster - das ist eigentlich unnatürlich”, erklärt Hennig.

Die Instabilität der Schuhe wird durch eine halbrunde Sohle, wie bei den MBTs, oder Luftpolster, wie bei der neusten Entwicklung von Reebok, den „Easytones„, hervorgerufen. Daher sind die ersten Schritte in den Funktionsschuhen auch ungewohnt.

„Zu Beginn sollte man eine tägliche Tragezeit von 20 Minuten nicht überschreiten”, rät Orthopäde Nils Stenbock-Fermor aus Aachen. Durch die Instabilität ist der Träger gezwungen, sich anders zu bewegen. „Man muss den gewohnten Gang verändern - dadurch werden auch andere Muskeln angesprochen”, erklärt Thomas Obens vom Privaten Institut für angewandte Biomechanik aus Tübingen.

Dass andere Muskeln aktiviert werden, sei wissenschaftlich nachweisbar, so Obens. Dass jedoch die Effekte erreicht werden können, die in der Werbung versprochen werden, das bezweifelt er. Und Achtung: Durch die ungewohnte Bewegung kann es auch zu Überbelastungen kommen.

„Einen festeren Po und straffere Oberschenkel bekommt man durch das bloße tragen solcher Schuhe jedenfalls nicht”, stellt Biomechaniker Hennig fest. Den größten Unterschied der beanspruchten Muskeln hat er mit seinen Untersuchungen beim Stehen und nicht, wie zu vermuten, beim Gehen festgestellt.

„Aber Stehen ist nun mal keine Aktivität, bei der man viele Kalorien verbraucht”, sagt er. Daher sei das Ziel, mit diesen Schuhen abnehmen zu wollen, utopisch. „Verglichen mit normalen Schuhen müsste man ein Jahr lang jeden Tag zwei Stunden in Funktionsschuhen stehen um ein Kilo abzunehmen”, sagt Hennig.

Um die Muskulatur wirklich anwachsen zu lassen, müsse man an die Maximalkraft der Muskulatur gehen - und das funktioniere nur mit Krafttraining. Allerdings, so der Biomechaniker, werde die Körperhaltung dank der Funktionsschuhe verändert. „Das gibt dann einen optischen Effekt, wie bei hochhackigen Schuhen”, erklärt er.

„Funktionsschuhe sind generell positiv zu bewerten”, findet Hennig. Instabilität beim Gehen sei für fast jeden sinnvoll. Orthopädischen Problemen könne damit vorgebeugt werden. Abzuraten sind instabile Funktionsschuhe jedoch für Menschen, die schon Schwierigkeiten beim Gehen haben.

„Auch ältere Leute können die Koordination, die man für das instabile Gehen braucht, nicht mehr leisten”, sagt Obens. Alle anderen können die Funktionsschuhe tragen - allerdings nicht zum Joggen. „Funktionsschuhe sind mit einem Trainingsgerät gleichzusetzen. Sie sind geeignet für das alltägliche Gehen und zum Walken”, sagt Obens.

Zum Laufen geeignet sind die „KangooJumps”, Sportschuhe mit Federn an den Sohlen. „Hier wird das eigene Körpergewicht in kinetische Energie umgewandelt und der Sportler damit zurückgefedert”, erklärt Stenbock-Fermor. Für sportliche Leute mit einer guten Koordination seien diese Spaß-Schuhe eine gute Sache.

Preiswert ist der Sport nicht. KangooJumps und MBT-Modelle liegen bei 200 Euro aufwärts, Easytones gibt es ab 90 Euro aufwärts in den Sportgeschäften. Wer es lieber luftig mag und trotzdem auf den Instabilitäts-Effekt nicht verzichten möchte, der kann zu FitFlops greifen - ab 40 Euro im Handel. „Happige Preise”, findet Stenbock-Fermor. Die gleichen Effekte bekomme man gratis, wenn man regelmäßig in feuchtem Sand, auf weichem Waldboden oder im Gras läuft.
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