Muskelkräftigung in kargem Ambiente: Was Kieser Training bewirkt

Von: ddp
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Das Trainingskonzept des Kieser Trainings ist ebenso minimalistisch wie das Ambiente: „An jedem Gerät wird jede Muskelgruppe wenige Male maximal genutzt und erschöpft”, erklärt Orthopäde Matthias Dahl vom Berliner Kieser-Zentrum. Die Übungen werden sehr langsam ausgeführt. Nicht die Zahl der Wiederholungen, sondern das bewusste und vollständige Beanspruchen der Muskeln ist entscheidend. Nach ein bis zwei Minuten ist der Kraftakt vorbei; schon folgt das nächste Gerät. Foto: ddp

Berlin. Werner Kieser liebt die Reduktion. In schlichtem Grau hält der Schweizer Erfinder des nach ihm benannten Krafttrainings seine Studios.

Keine Musik, keine Sauna, nur Kraftmaschinen aus Stahl und schwarzem Leder, eigens von ihm entwickelt. Hier wird nicht zu peitschenden Beats um die Wette gesteppt und auch nicht Gewicht im Akkord gestemmt.

Das Trainingskonzept des Kieser Trainings ist ebenso minimalistisch wie das Ambiente: „An jedem Gerät wird jede Muskelgruppe wenige Male maximal genutzt und erschöpft”, erklärt Orthopäde Matthias Dahl vom Berliner Kieser-Zentrum. Die Übungen werden sehr langsam ausgeführt. Nicht die Zahl der Wiederholungen, sondern das bewusste und vollständige Beanspruchen der Muskeln ist entscheidend. Nach ein bis zwei Minuten ist der Kraftakt vorbei; schon folgt das nächste Gerät.

Muskeltraining sei wie Zähneputzen - nicht spektakulär, nicht furchtbar vergnüglich, sondern einfach nötig, soll Werner Kieser einmal gesagt haben. In einer guten halben Stunde ist das Pflichtprogramm für den Körper beendet. „Mit wenig Zeit kann man den gesamten Bewegungsapparat trainieren”, kommentiert Dahl. Nach zwei Tagen beginnt die nächste Trainingssequenz.

Kiesers Konzept hat Erfolg. Mehr als 150 Niederlassungen weltweit, Franchise-Unternehmen in Dutzenden Deutschen und Schweizer Städten, haben sich mittlerweile angesiedelt und trotzen der Konkurrenz aus Fitnessstudios und Sportvereinen. Für einige Kunden ist Kieser Training die lang ersehnte Alternative zur Muckibude, für andere ein neuer Anlauf, das lästige Rückenleiden loszuwerden. Was man von dem neuartigen Krafttraining erwarten darf, beantworten Experten unterschiedlich.

Matthias Dahl entdeckte selbst vor sieben Jahren das Kieser Training. Seit seinem ersten Kontakt ist er von dem gesundheitsorientierten Anspruch begeistert. „Das Wohlbefinden wird gesteigert. Man bleibt leistungsfähig. Je leistungsfähiger die Muskulatur ist, desto besser funktionieren Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen und Einkaufen. Und, desto besser geht es den Gelenken.” Er ist zutiefst überzeugt, dass Krafttraining für jeden notwendig ist, zumal die Muskulatur im Alter abgebaut wird und nur durch gezielte Übung erhalten bleibt. Je früher man anfängt, desto besser, so Dahls Devise.

Die Kieser-Zentren werben auch gezielt um gesundheitsbewusste Kunden, die vorsorglich ihren Rücken stärken oder Beschwerden lindern wollen. Der Deutsche Verband der Physiotherapie gibt aber zu bedenken: „Beim spezifischen Rückenschmerz, der auf einer organischen Ursache wie einem Bandscheibenvorfall basiert, müssen Therapie und sportliche Aktivität in enger Abstimmung mit dem Arzt und dem Physiotherapeuten erfolgen.”

Die Kieser-Studios begegnen solchen Einwänden mit einer ärztlichen Voruntersuchung vor dem ersten Training. Dementsprechend wird der Übungskanon individuell zusammengestellt. Beispielsweise können zunächst spezielle computergestützte Therapiegeräte verwendet werden.

„In jedem Betrieb gehören therapeutisches Krafttraining und ärztliche Analyse zusammen. Jemand der Schmerzen hat, geht hier nicht alleine ans Gerät und soll mordsmäßig ackern”, versichert Dahl. Grundsätzlich ermuntert auch der Deutsche Verband der Physiotherapie bei Rückenschmerzen weiterhin sportlich aktiv zu bleiben.

„Die Beibehaltung der körperlichen Aktivität hilft, Rückenbeschwerden zu lindern. Sonst verschärfen sich nicht selten die Schmerzen”, betont Angelika Heck-Darabi. Auf die Frage, ob es Kieser Training sein muss, entgegnet sie jedoch: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass eine bestimmte Trainingsform einer anderen überlegen ist.”

Werner Kieser lässt derzeit eine Studie mit 500 Teilnehmern durchführen, um die Wirkung des Krafttrainings auf den Rücken und den Gesundheitszustand zu beweisen. Doch erst 2010 werden erste Ergebnisse veröffentlicht.
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