München/Garmisch-Partenkirchen - Münchner Forscher spüren allergenen Substanzen auf 2690 Metern nach

Münchner Forscher spüren allergenen Substanzen auf 2690 Metern nach

Von: Ursula Quass, ddp
Letzte Aktualisierung:
Allergie / Allergiker / Pollen
Auf 2690 Meter sind sie immer noch nicht sicher: Allergiker werden auch auf hohen Bergen von den Pollen eingeholt.

München/Garmisch-Partenkirchen. In vergangenen Sommer haben Johannes Ring und seine Kollegen die ersten Gerätschaften auf die Zugspitze geschleppt, ein gutes Jahr später ist es soweit. „Im Herbst werden wir erste Ergebnisse haben”, ist der Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein überzeugt.

Auf 2690 Meter, so hoch wie nirgendwo sonst in Mitteleuropa, untersucht ein Wissenschaftlerteam im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums den Einfluss des Höhenklimas auf Allergien. „Unsere Hypothese ist, dass das veränderte Klima in der Höhe auch allergische Reaktionen beeinflusst - wir wollen wissen welche.”

Um das herauszufinden, werden Staub und Außenluft gemessen und Pollen analysiert. Eine Wissenschaftlerin beobachtet, was wann wächst und blüht. Auch gepiekst und getropft wird am Berg: „Ich fahre mit den Probanden rauf und teste Hautreaktionen, überprüfe die Lungenfunktion und mache Allergietests jeder Art”, beschreibt Ring die Arbeit.

Getestet wird zunächst an ausschließlich gesunden Freiwilligen. Ob Gräser, Bäume, Hausstaubmilben, Tiere, Schimmelpilze oder Nahrungsmittel: Es gibt nichts, das die Wissenschaftler nicht interessiert. Wer Lust hat, sich eine Woche lang im Dienst der Wissenschaft traktieren zu lassen, kann sich bei der TU München melden: Für Anfang August werden noch Teilnehmer gesucht.

„Das ist ziemliche Grundlagenforschung, was wir machen. Nur, dass Menschen dabei sind”, erklärt Ring. Anders als Kreislaufreaktionen seien die Auswirkungen des Klimas auf Allergiker bislang „völlig unerforscht”. „Vielleicht irgendwann”, hofft Ring, können daraus auch Behandlungsmodalitäten abgeleitet werden.

Eine Zwischenerkenntnis haben die Wissenschaftler jetzt schon gewonnen: Die Annahme von der pollenfreien Höhenluft ist so nicht haltbar: „Wir haben gelernt, dass Pollen 10.000 Meter hoch steigen” - und hunderte Kilometer weit fliegen. „Es hat uns schon überrascht, dass Pollen aus Ungarn über Österreich und Tschechien in die Lausitz fliegen und sogar in der norddeutschen Tiefebene Leute belasten, obwohl die pollenproduzierenden Pflanzen dort gar nicht wachsen.”

Auf Satellitenbildern lasse sich genau zeigen, wie diese Winde „reinkreiseln”, beschreibt er die Aha-Erlebnisse weiter. „Das hat mich schon umgehauen, als ich zum ersten Mal so einen Pollenschleier gesehen habe.” Noch wisse niemand, wie sich dieser Ferntransport auf die Pollen auswirke. „Das wirft mehr Fragen auf als Antworten.”

Um solche Erkenntnisse gewinnen zu können, haben die Forscher keine Mühe gescheut. „Das war schon heftig im Schnee mit einer Zentrifuge am Buckel”, erinnert sich Ring. Da direkt zur Umweltforschungsstation Schneeferner Haus keine Seilbahn führt, mussten die Gerätschaften für zwei komplett ausgestattete Labore im Wert von gut 50.000 Euro umgeladen und 150 Meter über teils unwegsames Gelände zu einer Transportseilbahn geschleppt werden.

Auch jetzt, wo alles eingerichtet ist, bleibt das Ganze eine Herausforderung: „Die Logistik muss flutschen”, betont Ring. Ein paar Mal im Jahr setzt sich der Tross in Bewegung, jeweils eine Woche lang sind Forscher wie Versuchspersonen nicht nur den wissenschaftlichen Abläufen ausgesetzt, sondern auch den speziellen Bedingungen am Berg. „Da wirds am Abend schon sehr ruhig. Das muss man aushalten können, eine Woche lang so völlig isoliert zu sein”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert