Genf - Mit Hammer und Keule gegen Malaria

Mit Hammer und Keule gegen Malaria

Von: Jan Dirk Herbermann, epd
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Aus der Pflanze Artemisia annua (Chinesischer Beifuss) wird Arteminisin gewonnen, das die Grundlage für ein Mittel gegen Malaria bildet (Foto undatiert). Über Jahrzehnte lang war Chloroquin das Mittel der Wahl, um eine ausgebrochene Malariaerkrankung zu behandeln. Doch in Asien und Südamerika entwickelten sich Resistenzen gegen den Wirkstoff, die sich schnell verbreiteten. Auch für den als besonders schlagkräftig gepriesenen Wirkstoff Artemisinin wurden im vergangenen Jahr in Kambodscha Resistenzen beobachtet. Foto: Birgit Betzelt

Genf. Mit einem Koffer voller Medikamente geht Khut Ros (33) von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte. Der Bauer hat sich zum Ziel gesetzt, die Menschen in seinem Dorf in Kambodscha aufzuklären - über die Tropenkrankheit Malaria.

Freiwillige wie Khut Ros sind wichtig. Denn viele Malaria-Medikamente büßen ihre Wirksamkeit ein, weil die Erreger resistent werden. Schuld sind oft Behandlungsfehler. Jedes Jahr sterben in Entwicklungsländern fast eine Million Menschen an der tückischen Krankheit, die meist durch Mückenstiche übertragen wird.

Khut Ros will helfen, der Malaria ihre Schrecken zu nehmen: „Ich bin sehr glücklich, dass ich meiner Familie und der Gemeinschaft helfen kann”, sagte er dem „Bulletin”, der Zeitschrift der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Genf.

Die Plasmodium-Parasiten, die die Malaria auslösen, werden zunehmend immun gegen Arzneimittel. Ein Grund ist, dass Kranken zu wenig Wirkstoff einnehmen und die Behandlung zu früh abbrechen. Irgendwann wirken die Medikamente gar nicht mehr. Für viele Kranke bedeutet dies das Todesurteil.

„Gegen Resistenzbildung helfen vor allem Kombinationstherapien, die mindestens aus zwei Wirkstoffen bestehen”, erläutert Christian Wagner-Ahlfs, Forschungskoordinator der Bielefelder Initiative BUKO Pharma-Kampagne. Doch viele Patienten können sich diese Kombinationstherapie nicht leisten. Er fordert deshalb: „Die Pharmafirmen sollten die Preise für die Präparate noch weiter senken.” In Entwicklungsländern kostet eine Arzneipackung oft einen US-Dollar - zu viel für Millionen Arme, die weniger als einen Dollar pro Tag verdienen.

Wie viele Menschen jährlich wegen Resistenzen sterben, ist nach Angaben der BUKO Pharma-Kampagne kaum zu ermitteln. Jedes Jahr treten weit über 200 Millionen Fälle von Malaria auf. Die WHO warnte zuletzt 2009 vor einer sich langsam entwickelnden Resistenzbildung in der Heimatregion von Khut Ros: Das Anti-Malaria-Medikament Artemisinin büßte in Kambodscha seine Heilkraft ein.

Kombinationstherapien wie ACT, die auf Artemisinin basieren, verfügen über eine größere Durchschlagskraft als Artemisinin alleine. Zusätzliche Medikamente darin machen auch die Malaria-Parasiten zunichte, die vom Artemisinin nicht getötet wurden: ACT ist wie ein Angriff aus verschiedenen Richtungen auf den Erreger. Oder wie Gisela Schneider, Leiterin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission in Tübingen, erläutert: „Sie brauchen Keule und Hammer gleichzeitig, damit sich keine Resistenzen bilden.” Viele Regierungen nehmen die Bedrohung durch die Resistenz jedoch nicht ernst.

Eine Studie der WHO ernüchtert: Nur ein Drittel aller Malaria-Länder untersucht die Wirksamkeit der Medikamente und kann frühzeitig Resistenzen bemerken. Robert Newman, Direktor der WHO-Malaria-Abteilung, mahnt zur Eile: „Die Länder, die die Wirksamkeit der Medikamente nicht testen, sollten das schnell ändern.” Resistenzen können weltweit zu einer Bedrohung werden.

In den 1970er Jahren breitete sich ein resistenter Erreger der Malaria Tropica, der gefährlichsten Form der Infektionskrankheit, aus dem Grenzgebiet von Kambodscha und Thailand nach Indien aus. Etwas später befiel er Menschen in Ostafrika - Tausende starben. Seitdem nennen Mediziner die Grenzregion zwischen Kambodscha und Thailand „Wiege der Resistenz”.

Diesen wenig schmeichelhaften Namen kennt auch Khut Ros - und er will ihn vergessen machen. Dafür geht er mit seinem Medizin-Koffer von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte. Khut Ros testet diejenigen Einwohner seines Gebietes, die verdächtige Symptome wie Fieber und Übelkeit aufweisen, mit einem einfachen Schnelltest. Wer Malaria hat, dem hilft Ros mit der Kombinationstherapie ACT. Und er warnt sie eindringlich, die Tabletten zu Ende zu nehmen, auch wenn die Symptome vorher verschwinden: „Nur so werden alle Parasiten eliminiert.”
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