Münster - Mit Cyanobakterien den Körper stärken

Mit Cyanobakterien den Körper stärken

Von: Michael Billig, dpa
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Münster. Ahmed Sallam forscht an Stoffen, die dem Menschen zu neuer Kraft verhelfen. Der Biologe von der Universität Münster ist mittlerweile in der Lage, sie im großen Stil zu produzieren. Den Herstellungsprozess hat er international patentieren lassen. Jetzt will der Wissenschaftler ägyptischer Herkunft in Münster eine Firma gründen.

Sallams Geschäftsidee basiert auf zwei Aminosäuren: Arginin und Asparaginsäure. Sie sind wichtiger Bestandteil unzähliger Nahrungsergänzungsmittel, die sich besonders unter Sportlern großer Beliebtheit erfreuen. „Es gibt eine hohe Nachfrage”, sagt Sallam.

Aus dem 33-Jährigen spricht ein Biologe, der sich in seiner Freizeit mit den Gesetzen des Marktes beschäftigt. Bestätigt fühlt er sich durch eine Studie, die den Markt für Aminosäuren allein in Europa auf mindestens eine Milliarde Euro beziffert. Zu den Endprodukten, in denen Asparaginsäure und Arginin vorkommen, gehören auch Potenzmittel, Tiernahrung und therapeutische Medikamente.

Was Sallams Aminosäuren von den handelsüblichen unterscheidet: Sie sind ein fester Verbund, sogenannte Dipeptide. Sallam hat sie aus einer Speichersubstanz der Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen, gewonnen.

Seit 1995 forschen Wissenschaftler um Prof. Alexander Steinbüchel am Institut für Molekulare Mikrobiologie und Biotechnologie in Münster an dieser Speichersubstanz mit Namen Cyanophycin. Allerdings schenkt niemand dem Bund von Asparaginsäure und Arginin so viel Aufmerksamkeit wie Sallam, der seit acht Jahren zu der Forschergruppe gehört. „Die Aufnahmerate von Dipeptiden im menschlichen Organismus ist deutlich höher als die von freien Aminosäuren”, sagt er. Der Vorteil: Der Körper könne sich von einer Belastung schneller erholen, die Muskulatur sich effektiver aufbauen. Außerdem ließen sich das Immunsystem hochregulieren und Herz- Kreislauf-Erkrankungen behandeln, hofft Sallam.

Weil sich seine spezielle Stoffverbindung aus der Natur nur mit hohem Aufwand gewinnen lässt, hat er ein biotechnologisches Verfahren entwickelt. Damit könne er im Industriemaßstab produzieren, sagt der Münsteraner. Anfangs bis zu 250 Kilo jährlich, so seine Kalkulation. Das wäre ein riesiger Haufen, wo doch ein einzelnes Dipeptid viel zu klein ist, um es unter einem normalen Mikroskop erkennen zu können. „Der Marktwert liegt bei 3000 Euro pro Kilo”, rechnet wieder der Ökonom in Sallam vor.

Diese Kombination aus wirtschaftlicher Denke und forschendem Antrieb wünschen sich die Hochschulen von ihren Wissenschaftlern. Einige haben dafür sogenannte Transferstellen eingerichtet, die helfen sollen, Erfindungen zu vermarkten und Start-Up-Firmen zu gründen.

Sallam kommt trotzdem nicht umher, einen Antrag nach dem anderen zu schreiben. Mit wissenschaftlichen Publikationen hingegen muss er vorsichtig sein. „Publizieren ist absolut schädlich fürs Patentieren”, sagt Katharina Krüger von der Transferstelle der Universität Münster. Mit einem Patent sichern sich Wissenschaftler und Hochschulen die Rechte an der Erfindung. Diese müsse bis zur Patentanmeldung geheimbleiben. Und das kann dauern.

Sallam hat sich drei Jahre lang gedulden müssen, ehe er seine Entwicklung öffentlich machen konnte. Seine Firma will er noch in diesem Jahr gründen. Der Gedanke daran bereitet ihm so manche schlaflose Nacht. Ausgestattet mit einem Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums arbeitet er eifrig an seinem Ziel. „Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und die Unterstützung des Mentors sind unabdingbar”, sagt er im festen Glauben an den Erfolg.
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