Mehr als ein Trimm-Dich-Pfad: Sportspielplätze für Senioren

Von: Eva Neumann, dpa
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Mehr als ein Trimm-Dich-Pfad: Sportspielplätze für Senioren
In Schwung bleiben: Ihre Fitness können ältere Menschen an Trainingsgeräten trainieren, die auf speziellen Seniorenspielplätzen aufgebaut sind. Foto: dpa

Wuppertal/Nürnberg. Spielplätze sind nur für Kinder da? Falsch! Immer mehr Kommunen errichten auf öffentlichen Grünflächen Anlagen für Sportler jeden Alters. Eine besondere Zielgruppe sind dabei Senioren. Denn das Trainieren an den Geräten fördert Beweglichkeit und Koordination. Der Seniorenspielplatz in Schöningen war 1999 der erste. Es folgten der Park der Generationen in Langenhagen bei Hannover, der Preußenpark in Berlin, der Bewegungspark in Nürnberg oder der Aktiv-Park in Münnerstadt.

Die Namen sind unterschiedlich, die Kernidee ist allen gemeinsam: Sie animieren zu Sport und Bewegung im Grünen. Die Grundausstattung der Anlagen bilden fest installierte, wetterfeste Gymnastikgeräte aus robustem Edelstahl.

Mittlerweile bieten verschiedene Hersteller insgesamt mehrere hundert altersgerechte Geräte an. „Sie sind vorrangig auf das Training von Beweglichkeit und Koordination ausgerichtet”, fasst Theodor Stemper, Sportwissenschaftler an der Universität Wuppertal, zusammen. Ein Allrounder ist der klassische Beintrainer. Auch eine Wackelbrücke und andere Balanciergeräte gehören zum Standard. Mit dem Rücken- oder Schultertrainer werden schonend einzelne Muskelgruppen gestärkt. An anderen Stationen werden Rücken, Hände oder Arme massiert. „Mit einzelnen Geräten ist auch moderates Krafttraining möglich. So können beispielsweise an zwei gebogenen Stangen in verschiedenen Positionen Liegestützen gemacht werden.”

Vor allem für Senioren ist der Aspekt Sicherheit sehr wichtig. „Sie brauchen immer die Möglichkeit, sich festhalten oder abstützen zu können”, sagt Stemper. Die Geräte müssen die Norm von Spielplatz- und Fitnessgeräten erfüllen. Falls für den Nutzer GS- oder TÜV-Siegel nicht gut sichtbar sind, kann der Betreiber der Anlage eine entsprechende Hinweistafel anbringen. Er ist auch für die regelmäßige Wartung zuständig.

Wer körperlich fit ist und keine gesundheitlichen Einschränkungen hat, sollte den nächst gelegenen Generationenpark einfach mal ausprobieren, so die Empfehlung von Sportwissenschaftler Stemper. Adressen sind auf den Internetseiten der Kommunen zu finden oder können in Verwaltungen und bei Seniorenbeiräten erfragt werden. „Sportkleidung ist nicht notwendig. Bei Koordinationsübungen sollte man jedoch aufpassen, dass man nicht hängen bleibt. Fest gebundene Schnürsenkel und nicht allzu weite Kleidung sind hier angebracht.” Nutzer mit gesundheitlichen Einschränkungen sollten sich vorher besser vom Arzt durchchecken lassen und sich dann vorsichtig herantasten. „Leichte Dehnübungen, Schultern-Arme-Kreisen und Beinlockerungen erleichtern den Einstieg”, rät Stemper. Dann wird mit einfachen Beweglichkeitsübungen begonnen und langsam gesteigert.

Am einfachsten ist es, wenn die Geräte mit einer Anleitung versehen sind. „Eine Gebrauchsanweisung, zum Beispiel eine schriftliche Anleitung auf einer wetterfesten Stellwand, ist für die meisten Geräte unverzichtbar: Viele ältere Menschen wissen sonst einfach nicht, was man damit tun soll”, beobachtet Michael Kolb vom SportService der Stadt Nürnberg. Ergänzend sucht die Verwaltung Betreuer. „Aktuell haben sich sieben Ehrenamtliche gemeldet”, berichtet Kolb. „Sie wurden geschult und werden künftigen zu festen Zeiten einmal die Woche auf drei unserer derzeit fünf Bewegungsparks Nutzer anleiten und Fragen beantworten.”

Denkbar sind auch Kooperationen mit Sportvereinen oder Lauftreffs. „Dadurch wird eine Anlage belebt und bekannter gemacht. Das animiert möglicherweise weitere Nutzer und bietet zusätzliche Sicherheit”, sagt Grit Hottenträger, Professorin für Landschaftsarchitektur an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Sie hat eine Studie zur Nutzung von Freiflächen durch ältere Menschen gemacht und zahlreiche Faktoren für gelungene Generationsspielplätze zusammen getragen.

„Die Anlage sollte in 15 bis 30 Minuten von der Wohnung erreichbar sein. Die Wege müssen barrierefrei und Ampelphasen lang genug sein”, zählt die Landschaftsarchitektin auf. Praktisch sei die Anbindung an einen Rad- oder Wanderweg sowie an öffentliche Infrastruktur. Auf einer großen Wiese fehlt der Schatten. Zudem fühlen sich die Nutzer wie auf dem Präsentierteller. Gefragt ist stattdessen ein durch Bäume und Hecken gegliedertes Gelände. Unverzichtbar sind darüber hinaus Toiletten. „Uns war sehr wichtig, mit Sitzgruppen auch Angebote für Kommunikation und Begegnung zu schaffen”, ergänzt der Nürnberger Fachmann Kolb. Schließlich sollen die Bewegungsparks ein Treffpunkt für die Nachbarschaft sein, ein Ort für Mannschaftswettbewerbe, Kindergeburtstage oder Familienfeiern.

Elemente für alle Generationen

Damit Großeltern und Enkel den Bewegungspark gemeinsam nutzen, muss dieser mehr für die Fitness bieten als nur Geräte. Schließlich sind die in ihrer Größe meist für Erwachsene gedacht und nicht verstellbar. „Sowohl unser Balancierparcours als auch die Bocciabahn werden von Kindern und Senioren gleichermaßen genutzt”, sagt Michael Kolb vom Sportservice der Stadt Nürnberg. Sehr beliebt seien auch erwachsenengerechte Schaukeln, Dartscheiben, Außenkegelbahnen, Minigolf, Riesenschach, Tischkicker oder -tennis.
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