Magenbakterien spiegeln Auswanderungswellen wider

Von: ddp
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Washington. Aus dem Sprachgebrauch und den Magenbakterien heutiger Bewohner Südostasiens haben zwei Forschergruppen rekonstruiert, wie die Menschen vor Jahrtausenden diese Inselwelt besiedelt haben.

Demnach überwanden vor rund 5200 Jahren Bewohner des heutigen Taiwan das Meer zu den Philippinen. In weiteren Expansionsschüben verteilten sie sich in den darauffolgenden 2000 Jahren bis über die Fidschiinseln hinaus nach Polynesien, wie neuseeländische Forscher um Russell Gray von der Universität in Auckland mit einer Computeranalyse der verschiedenen Inselsprachen herausgefunden haben.

Dieser Befund decke sich exakt mit der Verteilung bestimmter genetischer Merkmale des Magenbakteriums Helicobacter pylori unter den Inselbevölkerungen, bestätigten Biologen um Yoshan Moodley vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Science” (Bd. 323, S. 479 und S. 527).

Die Linguisten um Russell Gray erstellten mit einer Computeranalyse einen Stammbaum des Vokabulars der verschiedenen Inselsprachen. Aus den 1200 Sprachen der sogenannten austronesischen Sprachfamilie pickten sie sich 400 heraus und bestimmten die Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnisse von 210 gebräuchlichen Worten, darunter Bezeichnungen für Tiere, Farben und Zahlen, Familienbegriffe und einfache Verben.

Archäologische Forschungsergebnisse zeigten den Forschern, ab wann eine Insel bewohnt war. Damit konnten die Wissenschaftler ihren Sprachstammbaum mit einer Genauigkeit von einigen hundert Jahren eichen. Die austronesische Sprachfamilie stammt den Forschern zufolge von einer Sprache ab, die vor 5200 Jahren in Taiwan gesprochen wurde. Von dort aus breiteten sich die Menschen über die Philippinen und Neuguinea bis in die polynesische Inselwelt aus.

Einen ähnlichen Stammbaum konstruierten auch die Forscher um Yoshan Moodley: Sie kartierten bestimmte genetische Varianten des Magenbakteriums Helicobacter pylori von Menschen aus Taiwan, Australien, Neuguinea sowie den melanesischen und den noch weiter östlich liegenden polynesischen Inseln. Das Bakterium ist ein treuer Begleiter des Menschen.

In Gesellschaften ohne moderne medizinische Versorgung hat jeder zweite Mensch diesen Keim im Magen. Mit der Entwicklung des Menschen unterliegt auch das Bakterium einem genetischen Wandel, auf den es die Forscher abgesehen hatten. Ähnlich wie der Sprachstammbaum verwies auch der Bakterienstammbaum auf einen Abstammungsursprung in Taiwan von vor 5000 Jahren.

Die Max-Planck-Forscher fanden allerdings Hinweise auf eine sehr viel ältere Einwanderungswelle: Schon vor rund 31.000 bis 37.000 Jahren wanderten Menschen über Indonesien nach Neuguinea und Australien ein. Damals waren bei niedrigerem Meeresspiegel die Landmassen von Australien, Neuguinea und Tasmanien noch zu einem Kontinent namens Sahul vereinigt.
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