Lösungen für schmerzhafte Probleme auf der Spur

Von: Sabine Rother
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Gut für Körper und Seele: Wer gern mit dem Fahrrad fährt, tut automatisch etwas für seine Gelenke, denn die Bewegung fordert Knochen, Sehnen, Bänder und Knorpel ohne sie zu überlasten. Foto: stock/imagebroker

Aachen. Wenn bereits ein kleiner Spaziergang zu quälenden Beschwerden im Knie führt, die Schulter so sehr schmerzt, dass man sich nur mit Mühe an- und ausziehen kann oder Hüftprobleme und Rückenbeschwerden das alltägliche Leben beeinträchtigen, sollte man fachliche Hilfe suchen.

„Gelenkprobleme: Hoffnung durch neue Therapien” lautet das Thema beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 8. Februar, 18 Uhr, im Hörsaal 4 des Klinikums (Pauwelsstraße, Eintritt frei). Bereits ab 17 Uhr haben die Besucher des Abends die Möglichkeit, sich rund um den Hörsaal zum Thema zu informieren und mit Hilfe der Sportexperten des Activ Centrums an einigen Gelenk-Tests teilzunehmen. Ab 18 Uhr erläutern dann sechs Experten die aktuellsten Verfahren in Diagnostik und Therapie.

Rat und Auskunft geben an diesem Abend vom Universitätsklinikum Professor Dr. Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie/Schwerpunkt Orthopädie, Professor Dr. Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie/Schwerpunkt Unfallchirurgie, Professor Dr. Hans Clusmann, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, sowie Professor Dr. Klaus Bläsius, Leiter der Orthopädischen Klinik, Bethlehem-Krankenhaus Stolberg, Dr. Stefan Andereya, niedergelassener Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Manuelle Medizin in Aachen, und Josef Stepprath, Sportlehrer und Sporttherapeut, Mit-Geschäftsführer „Activ Centrum” Aachen.

Die Gelenke sind täglich vielfältigen und sehr unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Bereits ab dem 40. Lebensjahr können sich Abnutzungserscheinungen bemerkbar machen. „Gelenke sind auf dosierte Belastung angewiesen, damit sie ausreichend versorgt werden”, betont Sporttherapeut Josef Stepprath. „Das hält den Knorpel elastisch und gesund.” Selbst bei einer Arthrose müssen Gelenke bewegt werden. Als erster Ansprechpartner nach dem Hausarzt versorgt der Orthopäde Patienten zunächst mit konservativen, also nicht-operativen Hilfen. „Es gibt weiterhin Krankengymnastik, Akupunktur und Physiotherapie”, so Stefan Andereya, „aber zugleich sehr neue Verfahren.”

So finden Eigenblutprodukte zunehmendes Interesse. Andereya: „Bei der ACP-Therapie wird aus zentrifugiertem Blut gewonnenes thrombozytenreiches Plasma in das Gelenk gespritzt. Thrombozyten beinhalten wichtige Wachstumshormone und wirken auf Substanzen ein, die im Gelenk die Entzündung unterhalten.” In der Orthokin-Therapie wird aus dem Blut ein Serum gewonnen, das entzündungshemmende Funktion unter anderem bei Arthrose hat.

Der Beginn einer Arthrose, jener chronisch-degenerativen Gelenkerkrankung, die zunächst den Gelenkknorpel und später auch den Knochen zerstört, kann unauffällig ablaufen. Doch es gibt auch plötzliche Ereignisse, die einen Gelenkschaden zur Folge haben - etwa bei einem Unfall. „Besonders häufig kommt es zum Bruch des Sprunggelenks”, so Christoph Pape. „Hier arbeiten wir mit Platten, bei denen die Schrauben bereits integriert sind.” Minimalinvasive Verfahren bieten bessere Heilungschancen. Der Patient kann nach Versorgung seines Unfalls relativ schnell wieder auftreten und das Bein belasten. „Früher lagen die Betroffenen mit einem Gips am Fuß lange im Bett”, erinnert sich Pape.

Mit spezieller Technik

Eine Verbindung von Diagnostik und therapeutischen Möglichkeiten ist bei der Hüfte gelungen. „Bisher kam eine Gelenkspiegelung lediglich bei Schulter- und Kniebeschwerden infrage”, erklärt Klaus Bläsius. „Jetzt können wir selbst bei der Hüfte eine Arthroskopie vornehmen, wobei sich zugleich das Spektrum der Behandlung erweitert.” Auf einem Extensionstisch wird beim Patienten (in Narkose) das Gelenk soweit aus der Hüftpfanne herausgezogen, dass ein Gelenkspalt von etwa einem Zentimeter entsteht. Auf diesem Weg erreicht der Operateur über kleine Hautschnitte Knorpelschäden, Kapselwandeinrisse oder freie Gelenkkörper. „Man kann feststellen, in welchem Zustand der Hüftkopf ist und viele Dinge sehen, die selbst beim MRT nicht erkennbar sind.”

Gelenkersatz oder Gelenkerhalt? Das ist gleichfalls die Frage beim Knie. Eingespritzte Hyaluronpräparate wirken als Ersatz-Gelenkschmiere bei vielen (nicht bei allen) Patienten für eine gewisse Zeit schmerzlindernd, müssen aber privat (200 bis 500 Euro) bezahlt werden. „Mit Knorpelzelltransplantationen haben wir gute Erfolge”, versichert Markus Tingart. „Es muss ein umschriebener, also begrenzter Schaden sein.” Ist der Gelenkverschleiß fortgeschritten, kommt es zum prothetischen Ersatz. „Über 90 Prozent der Patienten können danach ihre Alltagsaktivitäten bewältigen und sind nahezu schmerzfrei”, so der Orthopäde. Ideal - besonders bei schweren Hüftkrankheiten und Fehlstellungen der Beine - sind per Computertomographie vermessene Individualprothesen. „Durch Passgenauigkeit hat man weniger Knochenverlust, und der Patient ist schneller wieder mobil.” Eine nützliche Neuerung ist der Endoprothesenpass, in dem Größe, Herstellerfirma und Seriennummer verzeichnet sind.

Eine Sonderstellung bei den Gelenken nimmt die Wirbelsäule ein. „Etwa 50 Prozent der Bevölkerung leiden unter Rückenschmerzen, besonders Lendenwirbel und Nacken sind betroffen”, erläutert Hans Clusmann. Nehmen Bandscheiben- und Gelenkverschleiß zu, reagiert der Körper mit einer Vergrößerung der Wirbelgelenke. Die Folge ist eine Einengung des Raumes für Rückenmark und Nerven (Spinalstenose). „Die Mikrochirurgie kann hier mit gutem Erfolg helfen”, sagt Clusmann. „Gibt es Lähmungserscheinungen, sind dies wichtige Warnsignale, die man nicht ignorieren darf.”
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