Lithiumtherapie heilt Fruchtfliegen von Alzheimer

Von: ddp
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Washington. Vergesslichkeit und erschwertes Lernen aufgrund von Alzheimer ist therapierbar - zumindest bei Fruchtfliegen. Das haben US-Wissenschaftler herausgefunden, die männliche Fruchtfliegen mit Lithium behandelten oder bestimmte Gene dieser Insekten manipulierten.

Bei den Versuchstieren war Alzheimer durch Veränderungen am Erbgut ausgebrochen und äußerte sich bei fortgeschrittenem Alter mit einem schlechten Erinnerungsvermögen während der Balz.

Sowohl die Lithiumtherapie wie auch die Genmanipulation verhinderten bei jüngeren Patientenfliegen spätere Krankheitssymptome und machten bei älteren Tieren den Gedächtnisverlust sogar rückgängig. Die Resultate könnten auch zu neuen Therapien gegen Alzheimer und erbliche kognitive Behinderungen beim Menschen führen, berichten die Wissenschaftler um Thomas Jongens von der University of Pennsylvania in Philadelphia im Fachmagazin „Journal of Neuroscience” (Bd. 30, Nr. 28).

Alzheimer ist eine Erkrankung des Nervensystems, die sich in einer Abnahme von wichtigen Gehirnfunktionen äußert - besonders des Erinnerungsvermögens. Die Ursachen der Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt, für die erbliche und besonders aggressive Form der Krankheit sind aber bekannte Genmutationen verantwortlich. Um neue Therapien auszutesten, verwendeten die Forscher männliche Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) mit dem Gendefekt, der Alzheimer auslöst. Die gesunden Tiere zeigen normalerweise eine hohe Lernfähigkeit und eine erstaunlich gute Erinnerung bei ihrem Werben um die Weibchen: Verhält sich ein Weibchen während der Balz abweisend und lässt sich nicht zur Paarung verführen, so behält dies das Männchen lange im Gedächtnis. Es umgarnt deshalb noch Stunden danach vermehrt die anderen Weibchen, die es nicht sofort abblitzen ließen.

Dieses Balzverhalten zeigte sich in den Versuchen aber nicht bei den älteren Fliegen mit „Alzheimer-Genen”, denn diese vergaßen bald, welche Weibchen sich zuvor abweisend gezeigt hatten. Nach der Einnahme von Lithium und anderen Substanzen, die auf die Signalübertragung im Gehirn wirken, besaßen die Tiere aber wieder die gleiche Gedächtnisleistung wie ihre gesunden Artgenossen. Bei jüngeren erkrankten Tieren trat nach der Medikamenteneinnahme die Vergesslichkeit in einem späteren Alter überhaupt nicht auf.

Die gleichen Resultate erreichten die Wissenschaftler durch genetische Eingriffe: Ähnlich wie durch Medikamente konnten so bestimmte Rezeptoren in der Erinnerungs- und Gedächtnisregion des Gehirns gehemmt werden.

„Besonders erstaunlich und für uns entscheidend sind die Resultate bei den älteren Fliegen, die bereits Symptome zeigen”, erklärt Co-Studienautor Sean McBride von der University of Pennsylvania School of Medicine. Beim Menschen wird Alzheimer nämlich erst in einem fortgeschrittenen Verlauf diagnostiziert, wenn die Gedächtnisleistung bereits deutlich nachlässt. „Diese Einschränkung ist eventuell auch bei Menschen bis zu einem gewissen Punkt reversibel”, berichtet McBride.

Vorerst wollen die Forscher ihre Resultate aber noch an Mäusen testen. Zudem verfolgen sie eine mögliche Verbindung zwischen Alzheimer und dem Fragilen X-Syndrom, einer erblichen kognitiven Behinderung. Wie frühere Studien an balzenden Fruchtfliegen zeigten, stellten auch bei dieser Krankheit die Einnahme von Lithium oder genetische Eingriffe die Erinnerungsleistungen wieder her.
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