Leukämie: Knochenmark-Transplantation oft die letzte Hoffnung

Von: Michael Draeke, ddp
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Köln/Heidelberg. Die Diagnose Leukämie ist ein schwerer Schicksalsschlag. Wenn Kinder oder Erwachsene an Blutkrebs erkranken, nehmen oft viele Menschen Anteil an ihrer Leidensgeschichte.

Denn Eltern oder Angehörige der Patienten wenden sich nicht selten mit verzweifelten Appellen an die Öffentlichkeit, um passende Knochenmarkspender zu finden. Mit Hilfe einer Blutprobe oder eines Speichelabstrichs lässt sich klären, wer als Spender infrage kommt.

Aus Knochenmark können blutbildende Stammzellen gewonnen werden, die vielen Leukämie-Patienten das Leben retten. Aufgrund bösartiger Veränderungen des Blutes kann ihr Körper nicht mehr genug gesunde Blutzellen produzieren. Wenn andere Therapien nicht mehr helfen, wird eine Stammzelltransplantation in Erwägung gezogen.

Zuvor bekomme der Patient eine hoch dosierte Chemotherapie, die nahezu alle Blutzellen und damit im besten Fall auch die Krebszellen vernichte, sagt Barbara Bude, Ärztin bei der „Deutschen Knochenmarkspender-Datei” (DKMS). Um danach wieder ein normales Blutbild entwickeln zu können, seien die Patienten auf fremde Stammzellen angewiesen.

Einen passenden Spender zu finden, gleicht jedoch oft der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Denn im Blut von Spender und Empfänger müssen bestimmte Gewebestrukturen - die sogenannten HLA-Merkmale - übereinstimmen. In etwa einem Viertel der Fälle stoße man bei engen Familienangehörigen auf die passenden Strukturen, berichtet Bude. Für alle übrigen Patienten müsse ein Spender außerhalb der Familie gesucht werden.

Für solche Fälle sammeln zahlreiche Suchdatenbanken - die DKMS ist nur eine von ihnen - die Daten freiwilliger Spender. Über das „Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD)” in Ulm sind die Archive bundesweit und international vernetzt. Um als Spender in eine der Datenbanken aufgenommen zu werden, muss zunächst der Gewebetyp des Blutes im Labor typisiert werden. Dies geschieht anhand einer Blutprobe oder eines Speichelabstrichs. Wenn keine Einwände gegen eine mögliche Stammzell-Transplantation bestehen, wird der potenzielle Spender in einer Datei registriert.

Für eine Neuaufnahme in die DKMS-Spenderdatei kommen laut Bude im Prinzip alle gesunden Menschen zwischen 18 und 55 Jahren infrage. Nicht berücksichtigt werden könnten unter anderem stark Über- oder Untergewichtige, Menschen mit Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten oder chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Rheuma. Nach ZKRD-Angaben sind in Deutschland derzeit rund 3,4 Millionen Menschen als Spender registriert.

Ergibt die Suche in einer der Datenbanken einen Treffer, wird zunächst sichergestellt, ob der Registrierte weiterhin für eine Spende zur Verfügung steht. Denn die bloße Aufnahme in eine Datei verpflichtet nicht zur tatsächlichen Spende. Sagt der Spender Ja, finden zunächst weitere Untersuchungen statt und es wird erneut eine Blutprobe überprüft. „Schließlich darf weder die Gesundheit des Spenders noch die des Empfängers gefährdet werden”, betont Bude.

Für die Entnahme der Stammzellen stehen zwei Verfahren zur Verfügung. Eine operative Knochenmarkentnahme unter Vollnarkose, wie sie früher häufig vorkam, ist heute in vielen Fällen nicht mehr nötig. Stattdessen bekommen immer mehr Spender fünf Tage lang ein Medikament gespritzt, mit dessen Hilfe Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut ausgeschwemmt werden, wie Alwin Krämer, Professor für Hämatologie und Onkologie an der Uni Heidelberg, erläutert.

Ähnlich wie bei einer Dialyse werden die Spender danach an eine Maschine angeschlossen, die die Zellen aus dem Blut herausfiltert. „Diese periphere Stammzellentnahme ist weniger aufwendig und bedarf keiner Narkose”, betont der Hämatologe.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen müssen Knochenmarkspender nach Krämers Angaben nicht fürchten. Ihr Blutbild regeneriere sich meistens innerhalb kurzer Zeit, betont der Mediziner: „Gesunde Menschen haben genug eigene Stammzellen, die entnommenen Zellen fehlen dem Spender nicht.” Im Laufe der peripheren Stammzellentnahme müssten die Spender lediglich mit grippeähnlichen Symptomen wie Mattigkeit oder Kopfschmerzen rechnen, die aber leicht behandelbar seien. Die Kosten für Voruntersuchungen, An- und Abreise sowie einen etwaigen Verdienstausfall bekommen Spender laut Bude ersetzt.

Für die Empfänger der Stammzellen bedeutet die Transplantation neue Hoffnung. Eine Heilung könne aber nicht garantiert werden, betont Krämer. Denn in einigen Fällen träten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Abstoßungsreaktionen im Körper des Patienten auf. Nach einer Frist von sechs bis acht Wochen können sich Spender bei ihrer Datei anonym über den Gesundheitszustand des Empfängers erkundigen. Zwei Jahre nach der Transplantation besteht zudem die Möglichkeit, dass beide einander kennenlernen.
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