Leckereien-Sucht: Süßes kann zu einer Art Abhängigkeit führen

Von: dapd
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Erlangen/Jupiter. Wenn man übrig gebliebenen Weihnachtsplätzchen und Schoko-Weihnachtsmännern einfach nicht widerstehen kann, laufen im Gehirn ähnliche Vorgänge ab wie bei Drogenabhängigen: Wer zu viel Süßes und Fettiges zu sich nimmt, kann mit der Zeit nämlich buchstäblich süchtig danach werden.

Das haben US-Forscher gezeigt. Paul Johnson und Paul Kenny vom Scripps Research Institute in Jupiter entdeckten zum Beispiel, dass bei stark übergewichtigen Ratten bestimmte Rezeptoren im Gehirn weniger aktiv sind, was dann zu zwanghaftem Fressen und abhängigkeitsähnlichen Reaktionen der Nervenzellen führt. Und Erika Clark von der Universität in Buffalo konnte zusammen mit ihrem Team zeigen, dass der übermäßige Genuss von Schokolade und Chips zwar auf Dauer die Vorliebe für solche Snacks sinken lässt, das Verlangen danach jedoch nicht - im Gegenteil: Vor allem bei Übergewichtigen nimmt es stetig zu.

„Wir haben untersucht, wie viel wohlschmeckende Nahrung fettleibige und normalgewichtigen Ratten konsumieren, wenn sie gleichzeitig einen unangenehmen Reiz aushalten müssen”, berichtet Paul Johnson. Resultat: Die fettleibigen Ratten fraßen zwanghaft, die normalgewichtigen nicht. Gleichzeitig beobachteten die Neurowissenschaftler, dass die Dopamin-D2-Rezeptoren, die zum Belohnungssystem des Gehirns gehören, bei den übergewichtigen Ratten weniger aktiv waren - eine Reaktion, die der bei Drogenabhängigkeit ähnelt. Johnson ist daher sicher: „Zu viel sehr kalorienreiche Nahrung macht gewissermaßen süchtig.”

Einen ähnlichen Effekt haben auch die Gesundheitswissenschaftlerin Erika Clark und ihr Team beobachtet. Sie überprüften, wie sich der tägliche Verzehr von kalorienreichen Snacks wie Chips oder Schokoriegeln auf die Vorliebe für diese Nahrungsmittel auswirkt. An der Untersuchung nahmen insgesamt 53 Frauen teil, die entweder schlank, übergewichtig oder fettleibig waren. Konsumierten die Teilnehmerinnen jeden Tag einen sehr gehaltvollen Snack, schmeckten ihnen das entsprechende Nahrungsmittel immer weniger, zeigte sich im Lauf der 14-tägigen Untersuchung.

Allerdings: Während bei den normalgewichtigen Frauen parallel zum Genuss auch das Verlangen nach den Snacks abnahm, stieg es bei den übergewichtigen Frauen deutlich an. „Alle Reize, die Freude oder angenehme Effekte verheißen, wie Alkohol, Drogen, Sexualität oder Essen, werden durch neuronale Reaktionen im Gehirn verstärkt”, erläutert Martina de Zwaan, Leiterin der psychosomatischen und psychotherapeutischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen, den Effekt. „In erster Linie ist es der Genuss - das sogenannte Liking - das uns motiviert. Daneben gibt es aber auch das Wanting, bei dem es nicht um die Freude selbst geht, sondern um die Motivation, etwas zu bekommen.”

Im Normalfall gehen Liking und Wanting Hand in Hand, sagt de Zwaan. Daher führt der Konsum von Schokolade oder Plätzchen nach einiger Zeit meist von selbst dazu, dass der Appetit darauf nachlässt. Bei manchen Menschen macht sich das Wanting aber sozusagen selbstständig: Es dominiert so stark, dass es durchaus mit den Effekten bei einer Sucht vergleichbar ist.

Um also den Süßigkeiten nicht völlig zu verfallen, sollte man es mit dem Konsum nicht übertreiben - denn dann springen die entsprechenden Regelkreise gar nicht erst an. De Zwaan hat zudem einen weiteren Tipp: nicht jedes Gramm mehr gleich mit einer Diät bekämpfen. Denn das erhöht das Verlangen - und ein paar Pfunde mehr nach den Feiertagen verschwinden häufig mit der Zeit ohnehin von selbst wieder.
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