Leberschäden durch Medikamente sind vermeidbar

Von: dapd
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London. Forscher haben erstmals einen Weg gefunden, um durch Medikamente verursachte Leberschäden zu verhindern. Durch eine Substanz blockierten sie bei Mäusen kleine Verbindungskanäle zwischen den Leberzellen.

Diese Blockade schützte die Tiere vor der fortschreitenden Zerstörung des Organs. Selbst hohe Dosen leberschädigender Gifte hätten durch diese Behandlung nicht mehr zum Tode der Mäuse geführt, sondern nur noch kleine, räumlich begrenzte Schäden hinterlassen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Biotechnology”. (doi:10.1038/nbt.2089)

Weil viele Medikamente im Körper von der Leber abgebaut werden, wird dieses Organ häufig durch giftige Abbauprodukte dieser Mittel geschädigt. Wie die Forscher berichten, spielen Verbindungskanäle zwischen den Leberzellen, sogenannte Gap-Junctions, für die Ausbreitung dieser Schäden über die gesamte Leber eine entscheidende Rolle.

Blockiere man diese Kanäle durch eine chemische Substanz, lasse sich das Fortschreiten der Schäden verhindern, sagen Suraj Patel vom Massachusetts General Hospital in Boston und ihre Kollegen. Das habe sich in den Experimenten an Mäusen gezeigt, bei denen eine Genmutation oder ein verabreichtes Mittel die Kommunikation der Leberzellen verhinderte.

Leberschutzmittel für Menschen ist in Arbeit

Die Forscher arbeiten bereits daran, leberschützende Mittel nach diesem Prinzip auch für den Menschen anwendbar zu machen. Sie erforschen unter anderem, inwieweit die Blockade der Gap-Junctions die normale Leberfunktion beeinträchtigen könnte. Sollte dies nicht der Fall sein, könnten solche Substanzen künftig zusammen mit Medikamenten verabreicht werden und Patienten so vor deren leberschädigender Wirkung bewahren.

„Die unmittelbarste Anwendung für solche Leberschutzmittel ist die Behandlung einer Paracetamol-Überdosis”, schreiben die Forscher. Das Schmerzmittel Paracetamol ist der häufigste Grund für medikamentenbedingte Leberschäden; rund die Hälfte aller Fälle von akutem Leberversagen geht darauf zurück. Eine Therapie dagegen gibt es bisher nicht, im Extremfall bleibt nur eine Leber-Transplantation.

Das neuartige Leberschutzmittel könnte erstmals eine wirksame Behandlung gegen die Folgen einer Paracetamol-Überdosis ermöglichen, sagen die Wissenschaftler. Bei den Mäusen wirkte es auch dann noch schützend, wenn es erst mehrere Stunden nach einer massiven Paracetamol-Gabe verabreicht wurde.

Die Blockade der Leberzellkommunikation könnte aber auch Chancen für die Entwicklung neuer Arzneimittel bieten. „Die leberschädigende Wirkung ist der am häufigsten genannte Grund dafür, dass vielversprechende Substanzen in Tierversuchen und klinischen Studien scheitern”, schreiben die Forscher. Kombiniere man diese Substanzen mit Leberschutzmitteln, könnten sie ungefährlich und damit marktfähig werden.

Fehlende Zellkanäle machen Mäuse immun gegen Lebergift

Für ihre Studie hatten die Forscher zunächst Mäuse untersucht, denen die Gap-Junctions in der Leber aufgrund einer Mutation fehlten. Die Tiere erwiesen sich als nahezu unempfindlich gegen stark leberschädigende Gifte und auch gegen hohe Dosen Paracetamol.

Als nächstes testeten die Wissenschaftler ein Molekül, mit dem sich die Leberzellkanäle medikamentös blockieren ließen. Die chemische Verbindung 2-Aminoethoxydipenyl-Borat (2APB) erwies sich dabei als wirksam: Sie schützte Mäuse vor ausgedehnten Leberschäden - sowohl wenn sie vor dem Lebergift verabreicht wurde, als auch währenddessen oder danach.
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