Krebs: Bestimmte Resistenzen können wieder umgekehrt werden

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:

Cambridge. Bei der Behandlung von Tumoren mittels Chemotherapie bilden sich häufig Resistenzen gegen wichtige Wirkstoffe.

Der Behandlungserfolg bleibt aus oder wird stark gemindert. In manchen Fällen sprechen die Tumorzellen aber nach einer Pause plötzlich wieder auf die Medikamente an. Amerikanische Forscher haben nun eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen gefunden: Eine bestimmte Gruppe von Krebszellen ist offensichtlich speziell dafür da, auf mögliche Bedrohungen wie Medikamente zu reagieren, und kann so besonders schnell vom Status „wirkstofftolerant” auf „wirkstoffresistent” umschalten - und auch wieder zurück.

Indem die Forscher die betreffenden molekularen Schalter blockierten, konnten sie eine Resistenzbildung zumindest unter Laborbedingungen erfolgreich verhindern, berichtet das Team um Sreenath Sharma vom Massachusetts General Hospital Cancer Center in Boston im Fachmagazin „Cell” (Bd. 141, Nr. 1, S. 69).

Das Phänomen sich wieder zurückbildender Resistenzen war zwar bereits bekannt, jedoch konnte bislang der Grund dafür nicht einwandfrei festgestellt werden. Meist entstehen Resistenzen durch eine Mutation einzelner Erreger, die durch Medikamenteneinsatz sozusagen unter Dauerfeuer und damit unter einem erhöhten Evolutionsdruck stehen. Diese Mutationen sind aber in der Regel nicht wieder umkehrbar. Die Wissenschaftler um Sreenath Sharma untersuchten nun im Labor menschliche, zuvor noch nicht mit Medikamenten in Kontakt gekommene Tumorzelllinien. Sie setzten diese unterschiedlichen Wirkstoffen aus, die bereits in der Krebstherapie angewendet werden, um ihr Verhalten zu beobachten.

Dabei entdeckten sie Gruppen von Tumorzellen, die zwar keine Resistenz, aber eine von vornherein um das über Hundertfache verminderte Empfindlichkeit gegenüber den Wirkstoffen zeigten. Nach Ansicht der Forscher kann es sich dabei nicht um mutierte Zellen handeln, da sie wesentlich häufiger entdeckt worden seien, als es eine Mutation vermuten ließe - ihr Anteil an der Startpopulation betrug immerhin zwischen 0,3 und 5 Prozent. Wie genau der Umschaltmechanismus in den reversiblen Zellen funktioniert ist zwar noch nicht klar, doch konnten die Wissenschaftler bereits zwei Schlüsselfaktoren identifizieren: Offensichtlich ist zum einen der Rezeptor IGF-1 daran beteiligt, der Teil eines komplexen Kommunikationssystems von Körperzellen ist.

Zum anderen ist das Chromatin - die Erbsubstanz samt speziellen Eiweißbausteinen - in den Zellen auffällig anders gepackt als in den anderen Tumorzellen. Damit gibt es auch gleich zwei Ansatzpunkte, um den umschaltbaren Zellen doch noch den Garaus zu machen: Wirkstoffe, die IGF-1-Rezeptoren blockieren, und Wirkstoffe, die in die Packweise des Chromatins eingreifen. Im Labor gelang es den Forschern bereits, die Zellen auf diese Weise zum Absterben zu bringen. Erste klinische Studien mit Lungenkrebspatienten sind bereits gestartet und verlaufen nach Angaben der Wissenschaftler bislang sehr vielversprechend.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert