Kratzer, Schrammen: Was bei der Wundversorgung zu beachten ist

Von: Michael Draeke, ddp
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Die richtige Wundversorgung ist entscheidend für schnelle Heilung. Foto: ddp

Berlin/Herzogenrath. Kratzer, Schrammen und blutige Wunden treffen uns meist aus heiterem Himmel. Ein unbedachter Schnitt mit dem Küchenmesser oder ein Ausrutscher auf der glitschigen Treppenstufe genügen, und schon rinnt das Blut.

Im ersten Schreckensmoment ist guter Rat oft teuer: Wie verbinde ich die offene Stelle? Und lohnt es sich eigentlich, mit dem vermeintlich kleinen Ratscher zum Arzt zu gehen?

Der alte Spruch „Das heilt am besten an der frischen Luft” hilft jedenfalls oft wenig weiter. Wenn kleinere Verletzungen längere Zeit bluten oder nässen, sollten sie zumindest mit einem Pflaster abgedeckt werden, rät Lutz Engelen, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer. Insbesondere an Stellen, über denen sich Kleidung befindet, sollte man die verletzten Hautpartien schützen, damit sie nicht ständig aufgescheuert werden oder sich Schmutz ansammelt.

Stark verdreckte Wunden können nach Angaben des Apothekers vorsichtig mit klarem Leitungswasser abgespült werden. „Nur eine saubere Wunde heilt optimal”, betont er. Das Trinkwasser aus dem Hahn sei hierzulande so keimarm, dass es der Verletzung nicht schade. Auf Schürfwunden und Kratzer kann zur Desinfektion überdies etwas wässrige Jodlösung aufgetragen werden. „Im Gegensatz zu älteren Präparaten auf Alkoholbasis brennt das auch nicht mehr”, versichert Engelen.

Bei Wundschnellverbänden bietet sich eine große Auswahl. Engelen empfiehlt, vor allem auf eine großzügige Abmessung zu achten: „Dann kann man das Pflaster zurechtschneiden und an die Größe der Verletzung anpassen.” Wessen Wunde nach dem Aufkleben jucke und brenne, der sollte an eine mögliche Allergie denken. In diesem Fall könne ein hyposensibles Pflaster helfen, das statt Kautschuk ein Klebemittel aus Silikon enthalte, rät der Apotheker.

Für stark nässende Wunden empfehlen sich derweil Pflaster mit einer metallischen Oberfläche. „Der silbrige Überzug ist steril und verklebt nicht mit der Verletzung”, erläutert Engelen. Durch winzige Öffnungen in der Beschichtung werde die Feuchtigkeit von einer darüberliegenden Kompresse aufgesogen. Die Schmerzen beim Ablösen des Schnellverbands lassen sich so in Grenzen halten. Sogenannte Sprühpflaster, bei denen nur ein dünner Schutzfilm auf die Wunde gesprüht wird, seien indes nur für kleine Wunden an beweglichen Körperpartien wie Gelenken geeignet, sagt der Pharmazeut.

Wenn Platzwunden oder andere stark blutende Verletzungen in der Haut klaffen, sollte man zur sterilen Kompresse greifen. „Bei starken Blutungen an Armen oder Beinen ist dazu meist ein Druckverband sinnvoll”, erläutert Stefan Osche, Fachreferent für Erste Hilfe beim „Deutschen Roten Kreuz (DRK)”. Über der keimfreien Wundauflage wird dafür ein ungeöffnetes Verbandpäckchen in den Verband mit eingearbeitet. Der Druck sollte jedoch nicht zu stark sein, um die Gliedmaßen nicht abzuschnüren. Wer anderen hilft, muss zudem auch an den Eigenschutz denken: „Jeder Ersthelfer sollte als erstes Einmal-Handschuhe überstreifen”, betont Osche.

Besonders kompliziert wird es, wenn Glassplitter oder andere Fremdkörper in die Wunde geraten sind. Auf keinen Fall sollten Laien versuchen, diese eigenhändig zu entfernen, warnt Osche: „Dann besteht die Gefahr, dass sich die Blutung verstärkt.” Besser sei, die Fremdkörper zu fixieren und den Verband behutsam um die entsprechenden Stellen herum zu platzieren. Alles weitere sollte einem Arzt überlassen werden.

Vorsicht geboten ist auch bei Tierbissen. Ebenso heikel können rostige Nägel oder Holzsplitter sein. „Auch bei kleineren Verletzungen sollte man in diesen Fällen lieber auf Nummer sicher gehen und die Wunde einem Mediziner zeigen”, rät der Erste-Hilfe-Experte. Denn Keime und andere Verunreinigungen können schwere Infektionen wie Tetanus oder Tollwut hervorrufen. „Auf jeden Fall muss geprüft werden, ob ein ausreichender Impfschutz besteht”, betont Osche.

Bei schmerzhaften Berührungen mit heißen Herdplatten oder offenem Feuer wird zur Kühlung geraten. „Auf keinen Fall sollte man dafür aber Eis aus dem Kühlschrank verwenden”, warnt Osche: Denn zu starke Kältereize könnten das Hautgewebe schädigen. Stattdessen genüge handwarmes Leitungswasser. „Wenn die verbrannte Stelle größer ist als die Handfläche, sollte dringend ein Arzt konsultiert werden”, betont Osche. Heilsalben, Mehl oder andere „Hausmittel” haben überdies auf Brandwunden nichts zu suchen: „Die müssen später im Krankenhaus aufwendig wieder entfernt werden”, berichtet der Erste-Hilfe-Experte.
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