Krankenkassen für Arzt-Zulassung als Lizenz auf Zeit?

Von: Basil Wegener, dpa
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Berlin. Angesichts des Ärztemangels in ländlichen Regionen sollen Zulassungen für Mediziner nach dem Willen der Krankenkassen nicht mehr unbeschränkt gültig sein. „Wir müssen uns darüber unterhalten, ob eine Zulassung nicht eine Lizenz auf Zeit sein sollte”, sagte die Vorsitzende des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vor den Verhandlungen über ein neues Versorgungsgesetz.

„Es ist ein Problem, dass ein Arztsitz immer, das heißt auch in überversorgten Gebieten, weiterverkauft werden kann.” So werde teure und unnötige Überversorgung auf Kosten der Beitragszahler festgeschrieben.

Verbesserung per Gesetz?

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will zu Beginn des neuen Jahres mit Ländern und Verbänden ausloten, wie die ärztliche Versorgung per Gesetz verbessert werden kann. „Ich bin froh, dass wir jetzt über die Versorgung der Patienten reden und nicht nur über mehr Geld für Ärzte und Krankenhäuser”, sagte Pfeiffer. Sie warnte vor Mehrbelastungen der Beitragszahler. „Die Probleme, die es in ländlichen Regionen gibt, lassen sich nicht über die Finanzen der Kassen lösen.”

Konkret forderte Pfeiffer, die Zulassungen für niedergelassene Ärzte am Bedarf auszurichten. „Verständlicherweise wollen Ärzte eine stabile Planungsgrundlage haben, das kann jedenfalls nicht mehr über die Lebensarbeitszeit hinausgehen.”

Mit rund 140.000 niedergelassenen Medizinern und etwa noch mal so vielen in Kliniken gebe es so viele Ärzte wie noch nie in Deutschland. „Wir haben in überversorgten Gebieten 25 000 Ärzte zu viel und in Mangelregionen lediglich 800 Ärzte zu wenig”, sagte Pfeiffer. „Offensichtlich haben wir ein Verteilungs- und kein Mengenproblem.” Zwar seien auch Anreize für Hausbesuche in dünn besiedelten Gebieten wünschenswert, doch Zuschläge müssten mit Abschlägen in Gebieten mit zu vielen Ärzten einhergehen.

Pfeiffer forderte ein Gesamtpaket. „So sind auch die Kommunen gefragt, die Standorte attraktiv für Ärzte zu machen.” Ohne Kindergärten oder Freizeitangebote für Kinder könnten junge Ärzte auch mit hohen Einkommen nicht in Mangelregionen gelockt werden.

„Die starre Grenze zwischen der Versorgung durch niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser muss überwunden werden”, verlangte Pfeiffer zudem. Immer mehr Klinik-Behandlungen dauerten nur einen Tag oder wenige Stunden. „Wir müssen uns fragen, ob es Sinn macht, auch in der Fläche eine hoch spezialisierte Versorgung etwa mit niedergelassenen Pneumologen oder chirurgisch tätigen Augenärzten vorzusehen.” Die Kooperation zwischen Hausärzten, allgemeinen und hoch spezialisierten Fachärzten sowie Kliniken müsse besser funktionieren. Sie erwartet schwierige Verhandlungen: „Dass wir hier ein dickes Brett bohren müssen, liegt auf der Hand.”
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