Kölner Psychiater wirbt für gelassenen Umgang mit psychisch Kranken

Von: KNA
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Köln. Für einen gelasseneren Umgang mit psychisch Kranken und Auffälligen in der Gesellschaft wirbt der Kölner Psychiater und Theologe Manfred Lütz (55).

Das beste Gespräch für einen psychisch Kranken sei nicht der Dialog „mit uns Psychos”, sondern mit ganz normalen Menschen, sagte der Bestseller-Autor am Mittwoch in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln.

Lütz betonte, die Psychiatrie habe von allen medizinischen Disziplinen in den vergangenen Jahrzehnten die größten Fortschritte gemacht, was vielen Menschen aber nicht bewusst sei. „Man kann schwerste psychische Störungen heute vergleichsweise schnell heilen oder lindern”, fügte er hinzu.

Darüber hinaus aber müsse die Gesellschaft wieder einen ganz normalen Umgang mit psychisch Kranken oder Auffälligen lernen.

Der Psychiater warnte zugleich davor, menschliche Probleme vorschnell als Krankheit zu diagnostizieren. „Wer aus jeder Träne gleich eine Depression macht, treibt Menschen ins Unglück”, sagte er.

Lütz verwies auf Beobachtungen seines Kollegen Klaus Dörner, der einmal über etwa ein halbes Jahr zusammengerechnet habe, wieviel Prozent der Deutschen angeblich psychotherapiebedürftig krank seien. „Dabei kam heraus: Über 210 Prozent der Deutschen seien psychotherapiebedürftig krank.”

Der Mediziner wörtlich: „Bei aller Liebe, wir müssen die Kirche im Dorf lassen.” Lütz ist Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses Köln-Porz. In diesen Tagen erscheint sein neues Buch „Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen” mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen. Darin gibt er auf 192 Seiten eine allgemeinverständliche und humorvolle Einführung in die Psychiatrie und Pychotherapie.

Lütz Bücher „Gott - Eine kleine Geschichte des Größten” und „LebensLust. Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult” wurden zu Bestsellern.
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