Klettern schult das Körperbewusstsein

Von: Ilka Kreutzträger, dapd
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Heidelberg. Aus eigener Kraft eine Wand hochklettern, oben ankommen und zufrieden auf die zurückgelegte Strecke hinunterblicken - auch Flachländer müssen heute nicht mehr unbedingt in die Berge fahren. Neben Indoor-Kletterhallen bieten auch immer mehr Fitnessstudios Kletterwände an. An diesen Übungswänden kann man sich nicht nur ideal auf das Klettern in freier Natur vorbereiten, sondern auch spielerisch Körper und Geist fit halten.

„Freizeitklettern ist ein absolut gesunder Sport für jeden”, sagt Prof. Holger Schmitt, der mehr als zehn Jahre die Sportorthopädie an der Universitätsklinik in Heidelberg leitete und seit Oktober 2010 in der ATOS-Klinik in Heidelberg tätig ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten werde beim Klettern nämlich nicht nur die gesamte Muskulatur beansprucht, sondern auch taktisches Vorgehen und vor allem Körperbeherrschung trainiert. „Klettern ist daher auch für Kinder ab 6 Jahren ein idealer Sport”, sagt Schmitt.

Fitnessstudios mit einer Kletterwand sollten ein spezielles Training bzw. für Anfänger spezielle Vorbereitungskurse anbieten, in denen die Sicherungstechniken wie sachgemäßes Anlegen des Klettergurtes und die richtige Knotentechnik vermittelt werden. „Eine gute Betreuung und ein geführtes Training sind für Anfänger in diesem Sport absolut unerlässlich und auch für Kletterer mit ersten Vorerfahrungen eine sinnvolle Maßnahme”, sagt Schmitt. „Ich würde in dem Studio, in dem ich klettern möchte, außerdem fragen: Was bieten Sie mir an? Und die Antwort müsste lauten: Krafttraining, Kraftausdauertraining und Koordinationstraining.”

Alle drei seien für das Klettern wichtig. Das Krafttraining sollte vor allem auf die oberen Extremitäten und die Wirbelsäule ausgerichtet sein. „Beim Klettern braucht man im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten außerdem viel Kraft in den Händen und Fingern”, sagt Schmitt. Diese Bereiche müssten auch besonders trainiert werden. „Und um nicht mitten in der Wand hängenzubleiben, weil die Kraft schwindet, braucht man außerdem Kraftausdauertraining”, sagt Schmitt.

Die Koordination spiele beim Klettern eine entscheidende Rolle und müsse geübt werden. „Normalerweise wird gerade in Fitnessstudios nicht verstärkt auf Koordinationstraining oder auf turnerische Qualitäten gesetzt”, sagt Schmitt. Aber beim Klettern komme es auf eben diese turnerischen Qualitäten besonders an, wenn der linke Fuß und der rechte Arm gleichzeitig unterschiedliche Bewegungen ausführen müssten.

Die Studios sollten sich darauf einrichten und gezieltes Training anbieten. „Das können auch ganz einfache Übungen wie beispielsweise Klimmzüge sein, die dann variiert werden”, sagt Schmitt. Mal mit einer Hand, mal mit beiden und mal mit angewinkeltem Bein. Es seien verschiedenste Variationen denkbar, die schnell die an der Kletterwand nötige Koordination verbesserten.

„Klettern erfordert vollen Körpereinsatz und daher ist sportliche Vorerfahrung von Vorteil”, sagt Schmitt. Denn je mehr Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit jemand mitbringe, desto schneller seien erste Erfolge da. Aber auch wer sonst eher der unsportliche Typ sei könne sich ohne weiteres nach ein wenig Training am Boden in die Wand wagen. „Bei Kindern sollte in jedem Fall ein spielerischer Anfang gefunden werden”, sagt Schmitt. Das können auch zunächst leichte Übungen wie Liegestütze sein. „Anfänger müssen sich selbst einfach ausprobieren”, sagt Schmitt.

Die Kletterwände in den Fitnessstudios seien zwar in der Regel nicht höher als zehn Meter, aber auch mit einer solchen Höhe müsse man sich erst einmal vertraut machen. Aber es gebe verschiedene Schwierigkeitsgrade. So könne man leicht herausfinden, ob man Angst vor der Höhe hat oder schwindelfrei ist. Und in seinem eigenen Tempo die Wand nach und nach erobern. „Am Ende steht dann das persönliche Erfolgserlebnis: Juhu, ich habe es ganz allein geschafft.”
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