Kleine kranke Herzen: Mediziner retten Kinderleben

Von: Marie Kleine, dpa
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Kinder mit Herzfehlern
Die am Herzen operierte Ljuah Ahmeti (6 Wochen) wird am 10.12.2010 in der Kinderkardiologie im Universitätsklinikum Münster (UKM) vom kommissarischen Leiter der Kinderkardiologie, Dr. Hans Gerd Kehl, mit einem Stethoskop untersucht. Das Mädchen war mit einer Aortenisthmusstenose (Einengung der Aorta (Körperhauptschlagader) geboren worden. In Deutschland werden jedes Jahr 6000 Kinder mit einem Herzfehler geboren. Die Überlebenschance der jungen Patienten, sei bei geeigneter Behandlung mittlerweile sehr hoch, so der Mediziner. Foto: dpa

Münster/Bonn. Die fünf Wochen alte Merima Ahmeti schläft in ihrem weißen Gitterbett, neben sich zwei flauschige Teddys in pinken Kleidchen. Herzchen in hellgrün, rosa und rot zieren ihren Strampelanzug. Merimas eigenes kleines Herz hatte bei ihrer Geburt einen lebensgefährlichen Fehler. Deswegen ist sie einer der jüngsten Patientinnen im Universitätsklinikum von Münster.

Bei Merimas Geburt war ihre Körperschlagader direkt am Herzen zu eng, das Blut konnte nur schlecht zirkulieren. Wäre sie wenige Jahre früher geboren worden, wäre das ein Todesurteil für sie gewesen.

In Deutschland werden pro Jahr ungefähr 6000 Kinder mit einem Herzfehler geboren. Ihre Überlebenschancen sind heute mit mehr als 95 Prozent so gut wie noch nie. „In den vergangenen 15 Jahren ist damit die Wahrscheinlichkeit, einen angeborenen Herzfehler zu überleben, um mehr als zwanzig Prozentpunkte gestiegen”, sagt Kinderkardiologe Hans Gerd Kehl. So könnten Ärzte heute die Erkrankung der Babys bereits im Mutterleib zeitiger erkennen, die Kinder früher und besser operieren und sie im äußersten Notfall mit Kunstherzen über Monate hinweg am Leben erhalten.

Merima zum Beispiel konnte direkt nach ihrer Geburt mit Medikamenten stabilisiert und mit acht Tagen erfolgreich operiert werden. An diesen Tag erinnert sich Merimas Mutter Antje Ahmeti genau: „Mein Mann und ich hatten uns schon von ihr verabschiedet, die Chancen standen 50 zu 50, dass sie die OP übersteht.” Jetzt, einen Monat später, schlägt Merimas Herz ruhig und kräftig. Das gedämpfte Piepsen einer Maschine hinter ihrem Bett bestätigt das. Das fünf Wochen alte Baby ist mit dieser Maschine über Schläuche und Kabel verbunden, die aus seinem Strampler hervorlugen. Merima teilt sich ihr Zimmer in der Kinderkardiologie-Station der Uniklinik von Münster mit noch einem anderen Säugling.

Hans Gerd Kehl kommt regelmäßig in blauem Kittel, mit Mundschutz und Haarnetz für eine kurze Visite zu der kleinen Patientin. Außer den Eltern muss sich jeder, der das Zimmer betritt, so kleiden. Der Arzt weckt Merima dann, untersucht ihre Herztöne mit dem Stethoskop und begutachtet die Operationsnarbe. Noch vor 15 Jahren hätte er wenig für Merimas Überleben tun können, in solchen Fällen wie ihrem sah es früher am schlechtesten mit Behandlungsmöglichkeiten aus.

„Dass sich das geändert hat, liegt vor allen Dingen an der stetigen Weiterentwicklung von modernen Ultraschallgeräten wie dem Echo-Kardiographie-Gerät und dem Magnetresonanz-Tomographen”, erläutert Wolfgang Heer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren in Bonn. Durch diese Geräte könnten Ärzte heutzutage das walnussgroße Herz eines Babys noch im Mutterleib präzise digital abbilden. So könnten sie schon vor der Geburt die nötigen Behandlungen exakt vorbereiten. Aber auch die medizinischen Eingriffe an sich seien schonender geworden. „Wo man früher für eine Operation am offenen Herzen den ganzen Brustkorb des Babys öffnen musste, kann heute mit Kathetern gearbeitet werden”, sagt Heer.

Die medizinische Fortschritte haben Merima aber nicht nur vor dem Tod bewahrt. „Sie wird auch ein ganz normales Leben ohne jede Einschränkungen führen können”, sagt ihr Arzt Hans Gerd Kehl. „Nur auf eine Karriere als Leistungssportlerin muss sie verzichten.” Vater Ljuan Ahmeti findet sowieso, dass seine Tochter schon Spitzenleistungen erbracht hat. „Was sie alles durchgemacht und weggesteckt hat, wundert mich immer wieder.”
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