Kleine Helfer, große Wirkung: So funktionieren Insulinpumpen

Von: Matthias Wenten, dpa
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Insulinpumpe
Der Welt-Diabetes-Tag am 14. November erinnert an die Entdeckung von Insulin. Manche Diabetiker müssen sich das Hormon regelmäßig injizieren. Als Alternative zur Spritze bietet sich eine Insulinpumpe an. Aber die Behandlung mit diesem kleinen Gerät ist teuer. Foto: dpa

Düsseldorf. Ein Geschäftsessen kann für Diabetiker unangenehm sein. Wer spritzt sich schon gerne in aller Öffentlichkeit Insulin? Mit einer Insulinpumpe genügen ein paar Knopfdrücke.

Zwar muss der Blutzuckerspiegel vor der Mahlzeit auch weiterhin gemessen und die Kohlenhydratmenge des Essens abgeschätzt werden - aber den Rest übernimmt die Pumpe.

Diskretion, größere Flexibilität, eine höhere Lebensqualität und vor allem bessere Langzeitwerte: Es gibt viele Gründe, die für das Gerät sprechen. „Mit einer Insulinpumpe können die Insulinabgaberaten detailliert programmiert werden”, sagt Prof. Karsten Müssig von der Klinik für Stoffwechselkrankheiten am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Deswegen kommt dieses Verfahren der körpereigenen Insulinfreisetzung näher als alle anderen Therapieformen.”

Bei der herkömmlichen Therapie für Typ-1-Diabetiker - der sogenannten intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) - spritzt sich der Patient zwei verschiedene Präparate: das langsam wirkende Basalinsulin für die Grundversorgung. Und zusätzlich vor jedem kohlenhydrathaltigen Essen und zur Korrektur von hohen Werten das schnell wirkende Insulin.

Aber die ICT führt nicht immer zum gewünschten Erfolg. Manche Diabetiker bekommen ihren Blutzuckerspiegel so nicht in den Griff, haben stark schwankende Werte oder häufige und schwere Unterzuckerungen. „Für sie ist eine Insulinpumpe eine sinnvolle Alternative”, sagt Müssig, der das Klinische Studienzentrum am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf leitet.

„Auch bei sehr niedrigem Insulinbedarf, in der Schwangerschaft, bei Schichtarbeit oder einem unregelmäßigen Tagesablauf ist eine Insulinpumpentherapie Erfolg versprechend”, sagt er. Gleiches gelte, wenn der Patient unter dem sogenannten Dawn-Phänomen leidet, also unter einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels in den frühen Morgenstunden, wenn er beruflich viel reist, Leistungssport betreibt oder eine Spritzenphobie hat.

Das Einstiegsalter der Patienten spielt dabei keine Rolle: „Auch bei kleinen Kindern und besonders bei Neugeborenen, Säuglingen und Vorschulkindern kann eine Insulinpumpe ratsam sein.” Genaue Zahlen, wie viele Geräte im Umlauf sind, gibt es nicht: Schätzungen gehen von rund 45 000 aus, Tendenz steigend.

Moderne Pumpen sind handlich und etwa so groß wie ein Handy. Der Patient trägt sie unauffällig in einem Täschchen am Gürtel, in der Hosentasche, um den Hals oder direkt am Körper. Im Wesentlichen bestehen sie aus zwei Komponenten: In der Pumpe steuert ein Computer einen elektrischen Motor. Dieser transportiert das Insulin über ein Kathetersystem ins Unterhautfettgewebe.

„Insulinpumpen sind ausschließlich mit schnell wirkendem Insulin bestückt, das sie kontinuierlich in kleinen Dosen abgeben”, erklärt Prof. Manfred Dreyer vom Zentrum für Innere Medizin am Asklepios Westklinikum Hamburg. „Das ist der wesentliche Vorteil gegenüber der konventionellen Therapie.”

Denn der Patient kann die Dosis variieren: Wenn er Sport treibt und weniger Insulin braucht, kann er sie niedriger einstellen. Wenn er mehr braucht, weil er beispielsweise Medikamente einnimmt, kann er sie erhöhen. So lässt sich die Menge besser an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Die Folge sind bessere Blutzuckerwerte und eine stabilere Einstellung.

„Das Kathetersystem samt der Nadel muss alle zwei bis drei Tage gewechselt werden, sonst kann es schwere Infektionen auslösen”, sagt Dreyer, der als Koordinator der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) die Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes entwickelt hat. Ansonsten gebe es aus wissenschaftlicher Sicht keine Bedenken dagegen. „Und wenn einmal Probleme auftauchen, senden die Geräte Warnsignale aus.”

Erfolgreich könne eine Pumpentherapie allerdings nur sein, wenn der Patient sich mit seiner Krankheit beschäftigt, wenn er motiviert ist und die diabetologischen Zusammenhänge kennt: „Wer eine Insulinpumpe möchte, weil er denkt, dass er dann nichts mehr mit seiner Krankheit zu tun hat, der ist auf dem Holzweg”, warnt Dreyer. Ob das Gerät sinnvoll ist oder nicht, hänge stark vom Einzelfall und den Lebensumständen ab: „Und das kann nur der behandelnde Diabetologe entscheiden.”

Bedenken können aber auch die Patienten selber haben: „Viele meinen, dass eine Pumpe eine Art Prothese sei, die sie im Alltag behindert”, sagt Dreyer. „Wenn sie es dann ausprobieren, haben die meisten Patienten die Pumpe nach einer Stunde vergessen.”

Der einzige Nachteil der Therapie ist ihr Preis. Die Pumpe allein kostet zwischen 3000 und 4000 Euro. Hinzu kommen die täglichen Kosten für Zubehör wie Katheter und Ampullen, die mit rund zwölf Euro doppelt so hoch sind wie bei der konventionellen Therapie. Deswegen übernehmen die Krankenversicherungen sie erst nach langer und intensiver Prüfung durch den Medizinischen Dienst. Der Patient benötigt dazu ein Gutachten des behandelnden Diabetologen und muss Blutzuckerprotokolle vorlegen, aus denen die Notwendigkeit einer Insulinpumpentherapie hervorgeht.

„Typischerweise muss man seine Werte drei Monate lang dokumentieren”, sagt Norbert Kamps, Referent für Hilfsmittelversorgung beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen. „Wird der Antrag genehmigt, bekommt der Patient für eine Probezeit von meistens drei Monaten eine Insulinpumpe und muss an einer Schulung teilnehmen”, erläutert er. Erst wenn der Patient nach der Probezeit einen Therapieerfolg nachweisen kann, wird die Therapie von der Kasse genehmigt.
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